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Auch Schalen lassen sich aus Textilfasern kreieren.

"Re-Creating" Designobjekte aus Textilstaub

Neues gestalten aus Industrieresten

Eine Berliner Designerin produziert aus gepresstem Staub, der bei der Verarbeitung von Baumwollfasern angefallen ist, Kleidung und andere Dinge.

Was sich im Atelier von Designerin Katrin Krupka so weich wie ein Stück Filz anfühlt, ist in Wirklichkeit Staub. Genauer gesagt gepresster Staub, der bei der Verarbeitung von Baumwollfasern angefallen ist. Diese Staub entsteht, so Katrin Krupka, in Fabriken in denen Handtücher produziert werden. Dieser Baumwollstaub entstehe im Herstellungsprozess und werde normalerweise verbrannt. Die Fabriken hätten keine Verwertung mehr dafür. Die Fasern seinen unheimlich kurz. Und man könne eigentlich nicht mehr viel draus machen.

Staub wird zu Fleece

Während einer Recherche zum Thema "re-creating" - zu Deutsch: Neu-gestaltend- hat die Designerin durch Zufall herausgefunden, dass sich so einiges aus gepressten Textilstäuben herstellen ließe. Vorausgesetzt, man verarbeitet den Staub zuvor -fachgerecht- zu einem fleeceartigen Ausgangs-Material.

Bei der Herstellung von Baumwollhandtüchern entstehen hohe Mengen an Staub.

Bei der Herstellung von Baumwollhandtüchern entstehen hohe Mengen an Staub. Der kann gesammelt, gepresst und zu Fleece weiterverarbeitet werden.

Und dafür fand die Designerin einen kompetenten Partner aus der Textilforschung: Katrin Krupka schickt den gesammelten Staub an das Sächsische Textilforschungsinstitut in Chemnitz. Hier wird der Baumwollstaub zusammen mit einer biologisch abbaubaren Polymilchsäure-Faser (PLA) verwirbelt. Und daraus entsteht ein fleeceartiges Material.

Möbel, Taschen und Lampenschirme aus Staub

Bezugsstoffe für Möbel, Gardinen, Untersetzer, Tagesdecken, Taschen, Lampenschirme und vielerlei mehr lässt sich aus diesem Material nun herstellen. Im Atelier im Berliner Stadtteil Wedding stapeln sich Musterproben in unterschiedlichen Formen und Stärken. Einige sind durch Lochmuster gestanzt und farbig unterlegt. Andere mit auffälligen Ziernähten versehen oder zu Mustern z.B. in Waffelpiké gepresst. An den Wänden hängen unzählige Entwürfe. Schlichte Formen, klare Farben. Dominierendes Grau, Gelb, Schwarz, Weiß. Auf dem Tisch: Objekte, die aussehen wie Hüte, wie Lampenschirme oder Schalen: verschiede Größen, allesamt ineinander gestapelt.

Die Schalen sind aus Garn gemacht. Sie werden über eine Negativform handlaminiert und dann quer verleimt. So entsteht eine ganz neue Material-Ästhetik, mit ein bisschen Papier- oder Holz-Ästhetik. Beim Trocknungs-Prozess reißen diese Garn-Strukturen dann ein bisschen auf.

Bio-Kunststoff zum Selbermachen

Fasern aus reiner Baumwolle, die normalerweise auch bei der Textilproduktion im Müllcontainer landen, werden nun nach Länge und Farbe sortiert. Anschließend werden sie gekämmt, geschnitten und dann auf eine Form gezogen. Auch die Versiegelung bzw. Laminierung dieser Objekte ist ökologisch. Und darauf darauf legt die Designerin großen Wert. Kunstharze kommen für sie jedenfalls nicht infrage. Diesen Bio-Kunstoff kann man auch ganz einfach selbst herstellen: Maisstärke wird zusammen gemischt mit Wasser, Essig und eventuell ein bisschen Glycerin.

Selbstgemachter Bio-Kunststoff zusammen mit Textilfasern - Ausgangsmaterial für Neues

Selbstgemachter Bio-Kunststoff zusammen mit Textilfasern - Ausgangsmaterial für Neues

Während für viele Designer die Idee und damit der Gegenstand im Vordergrund steht, also der Entwurf, arbeitet die Produktdesignerin
genau anders herum.

Bei mir ist eigentlich so, dass ich Ideen bekomme, wenn ich ein Material in der Hand halte. Und dann geht es eigentlich los bei mir im Kopf, dass ich Produktideen daraus kreieren kann.

Ressourcen schonen durch "Re-Creating"

Die Herausforderung: Materialien zu finden, für welche möglichst wenig bis gar keine zusätzlichen Ressourcen verschwendet werden. Zum Vergleich: im weltweiten Durchschnitt werden für die Produktion von einem Kilo Baumwolle rund 11.000 Liter Wasser -und mehr- benötigt. Dieser verschwenderische Umgang mit unseren Ressourcen ließe sich aus Sicht der Designerin -zumindest für ihre Objekte- durch re-creating merklich reduzieren: Das wichtigste Ziel für Katrin Krupka ist, dass man keine neuen Rohstoffe nimmt, sondern Dinge nutzt, die im Produktionsprozess der Garne nicht genutzt werden.

Lampenschirm aus dem Atelier Krupka-Stieghan

Lampenschirm aus dem Atelier Krupka-Stieghan

Design aus Textilstaub und Restfasern, diesen Ansatz findet Katrin Krupka noch ausbaufähig. Denn alleine bei der Produktion von Handtüchern bei der Firma Möve- einem mittelgroßen Deutschen Textilunternehmen- fallen rund 72 Tonnen an Textilabfällen pro Jahr an. Das entspricht in etwa einem Jahresbedarf an Material für die junge Designerin. Aber sicher fällt auch in vielen anderen Produktionen in der Industrie noch Rest-Material an, oder?

Ja, sehr viel. Eigentlich in allen Industrieproduktionen. Egal, ob das jetzt Textil ist oder Holz, oder Metall, da fallen überall Reststoffe an. Und das ist schon ein wichtiges Thema, dem wir uns natürlich gerne widmen.

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