SWR2 Wissen

Raumfahrt als Geschäft – Fabriken im Weltraum, Serverparks auf dem Mond

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Wie weit entfernt sind wir von Arbeitsplätzen im Weltraum? Wie wird schon heute und wie wird in naher Zukunft Geld im All verdient?

Audio herunterladen (26,7 MB | MP3)

Einer der kommerziellen Anbieter für Flüge ins All hat in den letzten Monaten Furore gemacht: SpaceX des Tesla Gründers Elon Musk. Zum ersten Mal seit dem Ende der Space Shuttle hat er wieder amerikanische Astronauten von amerikanischem Boden ins All gebracht. Das aber ist nur der spektakuläre Teil. Tatsächlich fliegen alle paar Wochen seine Falcon-9-Raketen ins All, um die Raumstation zu versorgen oder Satelliten auszusetzen.

Die Rakete Space X Demo-2 Falcon 9 mit der Crew Dragon-Kapsel ganz links liegt horizontal am Launch Pad 39-A im Kennedy Space Center im Mai 2020 (Foto: imago images, IMAGO / ZUMA Wire)
Die Rakete Space X Demo-2 Falcon 9 mit der Crew Dragon-Kapsel ganz links liegt horizontal am Launch Pad 39-A im Kennedy Space Center im Mai 2020 IMAGO / ZUMA Wire

Dabei ist Elon Musk nur einer unter vielen Anbietern. Größen wie die United Launch Alliance von Lockheed Martin und Boeing oder die europäische Ariane Space bieten ihre Dienste auf diesem Markt an. Es drängen neue, kleinere Anbieter dazu und weltweit entstehen immer neue Abschussbasen. Auch für Deutschland gibt es solche Planungen.

5.700 aktive Satelliten umkreisen aktuell die Erde

Wo liegt das Geschäft im Weltraum, neben den Dienstleistern für Raketenstarts? Ganz oben auf der Liste etwa stehen Satelliten. Etwa 5.700 aktive Satelliten umkreisen derzeit die Erde, die doppelte Zahl hat schon ausgedient und ist Weltraumschrott. Ein großer Teil sammelt Daten im erdnahen Raum, wenige hundert bis tausend Kilometer entfernt. Sie leisten alles vom Wetter über Umweltdaten bis zur Spionage.

Die Daten, die Satelliten sammeln oder einfach transportieren, erwirtschaften einen Umsatz von 400 Milliarden Dollar pro Jahr. In den nächsten Jahren kommen mehrere Tausend Mini-Satelliten mit immer spezielleren Fähigkeiten hinzu, so groß wie ein Mikrowellenherd. Nur ein Beispiel: Damit könnten Bauern einzelne Felder überwachen lassen, um richtig zu wässern und zu düngen.

Pendelverkehr zum Arbeitsplatz im Weltall

Tourismus ins All kann zum nächsten großen Geschäft werden und bringt schon jetzt Geld in die Kasse. Das ist jedoch für Michael Suffredini, den Mitbegründer von Axiom Space, nicht das eigentliche Ding. Denn er baut gerade an einer eigenen Raumstation. Und er weiß, was er tut, denn Suffredini war einmal der Gesamtmanager der Internationalen Raumstation (ISS).

Seine Planung beginnt mit einem 7-Betten-Hotel für Gäste – Touristen, Wissenschaftler, Bauarbeiter – zu dem eine spektakuläre gläserne Aussichtsplattform gehört. Daran schließen sich Labore und andere Arbeitsräume an, die man auf Zeit mieten kann. Kommen, arbeiten, wieder nach Hause – so soll das schon in ein paar Jahren laufen.

Michael Suffredini war einmal Gesamtmanager der Internationalen Raumstation (ISS). Er plant ein 7-Betten-Hotel für Gäste im All – Touristen, Wissenschaftler, Bauarbeiter (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Vesa Moilanen)
Michael Suffredini war einmal Gesamtmanager der Internationalen Raumstation (ISS). Er plant ein 7-Betten-Hotel für Gäste im All – Touristen, Wissenschaftler, Bauarbeiter picture alliance / dpa | Vesa Moilanen

Und der nächste Schritt ist schon in der Planung: Produktionsmodule und Fabriken. Der Vertrag mit der NASA ist unterschrieben, 2024 wird das erste Element an die ISS angedockt.

Der nächste Wirtschaftsraum ist der Mond

Mindestens eine Frau und einen Mann will die NASA als nächstes Projekt auf den Mond schicken, im ersten Schritt für einen einfachen Hin- und Rückflug. Dann aber will man dauerhaft präsent sein, um von dort Flüge zum Mars vorzubereiten, mit einer Raumstation im Mondorbit, mit Shuttleservice von dort zur Mondoberfläche. Drei Unternehmen hat die NASA den Auftrag erteilt, ein Mondlandefahrzeug für Menschen zu entwickeln: SpaceX, Blue Origin und Dynetics.

Der Mond ist nur drei Reisetage entfernt, das macht es leichter, Material hin und her zu transportieren. Da er nur ein Sechstel der Erdanziehungskraft hat und keine Atmosphäre, sind Raketenstarts von dort erheblich einfacher. Und es gibt Millionen Tonnen an Wassereis am Südpol des Mondes. Aus Wasser kann man Wasserstoff und damit Raketentreibstoff gewinnen. Und nicht zuletzt glaubt man, dass es große Mengen wertvoller Metalle und die für die Elektronikindustrie so wichtigen seltenen Erden auf dem Mond gibt.

Wem gehört der Mond?

Fabriken im Weltall, Forschungslabore, Touristen in der Umlaufbahn. Bergbau und Tankstellen auf dem Mond. Genügend Stoff, um sich in die Quere zu kommen. Es beginnt schon mit der Frage: Wem gehört das All? Wem mögliche Bodenschätze? wem das Wasser? Darf man die einfach nehmen?

Raumfahrt China startet neue Mondmission: Sonde soll Gesteinsproben sammeln

Es wird einer der schwierigsten Raumfahrt-Missionen, die China bisher unternommen hat: Ein Lander soll Proben vom Mond sammeln und sie zur Erde zurückbringen.  mehr...

Dass es auf dem Mond eineamerikanische und eine chinesische Flagge gibt, hat nur symbolische Bedeutung. Aber für die USA hat Präsident Obama 2015 ein Gesetz unterschrieben, das jedem Amerikaner das Recht gibt, Ressourcen im All zu generieren. Das hat international zu Irritationen geführt. Um ihren Anspruch zu unterstreichen, hat die NASA gegen Geld mehreren Unternehmen Aufträge erteilt, Mondstaub einzusammeln, auf dem Mond zu deponieren und das Eigentum an die NASA zu übertragen. Sobald es dazu kommt, wird das Eigentumsrecht auf den Prüfstand kommen.

Schutz für den Mond

Und schließlich geht es um die gleichen Fragen wie auf der Erde: Wollen wir die Bodenschätze des Mondes einfach abbauen? Oder wollen wir sparsamer damit umgehen als auf der Erde? Wie schützen wir den Raum in der Nähe unseres Planeten?

Raumfahrt Bezos vs. Branson: Das Wettrennen der Milliardäre ins All

Richard Branson und Amazon-Gründer Jeff Bezos sind reich und sie wollen gerne ins All. Richard Branson schafft es wohl zuerst. Mit seinem SpaceShipTwo VSS Unity will er am 11. Juli 2021 starten. Aber was bringt so ein Kurztrip ins All – außer PR in eigener Sache? Christine Langer im Gespräch mit Uwe Gradwohl, SWR Wissenschaftsredaktion  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Mondlandung Ein Dorf auf dem Mond? – Zukunftsprojekte der Raumfahrt

Die Mondforschung boomt. In spätestens zehn Jahren sollen wieder Menschen auf dem Mond landen. Der große Traum ist es, eine Siedlung auf dem Mond zu bauen.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Porträt Nikola Tesla und der Beginn des elektrischen Zeitalters

Nikola Tesla (1856-1943) legte mit seinen visionären Erfindungen die Basis für unser heutiges Stromnetz, Elektromotoren, Fernsteuerungen, Neonröhren, Mikrowellenherde und Radios.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Raumfahrt Wieder europäische Astronauten auf ISS-Mission

Europa-Power auf der ISS: Heute ist der Franzose Thomas Pesquet mit der SpaceX Crew-2 zur Internationalen Raumstation gestartet, im Herbst folgt dann der deutsche Astronaut Matthias Maurer. Auf der To-do-Liste stehen unter anderem: Experimente mit gezüchteten Mini-Gehirnen.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Raumfahrt Neuer ESA-Generaldirektor: Diese Aufgaben warten auf Josef Aschbacher

Während die NASA gerade auf dem Mars gelandet ist und die Nationale Raumfahrtbehörde Chinas (CNSA) die im Dezember vom Mond zurückgebrachten Gesteinsproben analysiert, ist die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 noch immer nicht gestartet. Nur eine von mehreren Herausforderungen, die sich der neue ESA-Chef Josef Aschbacher seit dem 1. März stellen muss.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Raumfahrt Weltraumtourismus: Tom Cruise macht den Anfang

Schauspieler Tom Cruise will auf der Internationalen Raumstation einen Film drehen – und bald sollen Touristen in der Erdumlaufbahn Urlaub machen zu können. Das zumindest sind Vorhaben, die in nächster Zukunft liegen und in den USA hat man noch viel mehr vor.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Raumfahrt Crew für den ersten reinen Touri-Flug zu ISS steht fest

Teures Touri-Ziel: Umgerechnet 45 Millionen Euro kostet die einwöchige Pauschalreise zur Internationalen Raumstation ISS, inklusive Flug. In einem Jahr fliegen drei Weltraum-Touris mit einem Astronauten zur ISS. Der erste reine Touristen-Flug.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Astronomie und Raumfahrt

Raumfahrt Captain Kirk fliegt ins All: William Shatner ältester Mensch im Weltall

Schauspieler William Shatner, bekannt als Captain Kirk aus der TV-Serie Raumschiff Enterprise, startete am 13. Oktober 2021 mit der Blue Origin-Rakete von Amazon Gründer Jeff Bezos ins All. Damit ist der 90-Jährige der älteste Mensch, der je ins All geflogen ist.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Raumfahrt Die ISS ist zum ersten Mal Drehort für einen Kinofilm

Eine russische Schauspielerin, ein Regisseur und ein Kosmonaut sind heute vom Weltraumbahnhof Baikonur zur ISS geflogen. An Bord der Raumstation werden jetzt zum ersten Mal Szenen für einen Kinofilm gedreht.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Raumfahrt Betriebsferien für NASA-Sonden und Rover auf dem Mars

Die komplette Flotte an Marssonden und Marsrovern, welche die US-Raumfahrtagentur NASA gerade auf und um den roten Planeten stationiert hat, macht zwei Wochen lang Betriebsferien. Was ist der Grund für den Stillstand?  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG