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Von Tabaktrinkern und Kettenrauchern Kurze Kulturgeschichte des Rauchens

Einst galt der Tabak als heilige Pflanze: die Priester der Maya rauchten ihn, um mit den Göttern in Verbindung zu treten. Im industriellen Zeitalter avancierte die schnelllebige Zigarette zum Symbol für modernen Großstadtalltag und Lässigkeit made in USA. Heute, in Zeiten des Nichtraucherschutzes und öffentlicher Rauchverbote, ist die Zigarette out. Doch in privaten Nischen blüht der Kult um die alten Formen des Tabakkonsums: in Form von handgefertigten Zigarren und edlen Pfeifen.

Kettenrauchen ist out. Die Zigarette ist ein Symbol des vergangenen, des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie stand für den westlichen Lebensstil, für Lässigkeit und industriellen Wohlstand. Heute sind andere Ideale gefragt. Im post-industriellen Zeitalter erobern handgemachte Genussgüter den Markt: selbst gebrannte Schnäpse, handwerklich gebrautes Bier, trocken gereiftes Fleisch. Dieser Trend bringt auch das "Tabaktrinken" wieder in Mode, die älteren Formen des Tabakkonsums: die Zigarre und die Pfeife.

Nahaufnahme Holzfigur mit Zigarre im Mund

Maximon ist ein guter Heiliger, der die Maya schützt.

Beide sind eng verbunden mit der Entdeckung Amerikas, denn die Spanier und Portugiesen hatten ihre Kolonien in Mittel- und Südamerika und sich dort das Rauchen von den Ureinwohnern abgeguckt. Über die englischen Kolonien in Nordamerika kam die Pfeife nach England. Die Zigarette entstand als dünner gedrehte Restprodukt aus der Herstellung von Zigarren.

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Mehr als nur Rauch

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Beginn der Tabakernte in Ichenheim im südbadischen Oberrheingraben

Beginn der Tabakernte in Ichenheim im südbadischen Oberrheingraben

Tabakspfeife aus dem 17. Jahrhundert

Tabak in einer Zigarettenfabrik

Zigarrendrehen in Kuba

Montecristo Zigarren

Was hatten Ludwig Erhard und Helmut Schmidt gemeinsam? Sie waren beiden Bundeskanzler der Bunderepublik und leidenschaftliche Raucher.

Herbstspaziergang mit Pfeife

Wasserpfeife im Irak

Tabakwaren im Handel - USA

Schockfotos auf Zigarettenschachtel (Spanien) - Die Gefahren des Rauchens treten immer mehr in den Vordergrund

E-Zigarette - die Zigarette wird elektrisch

Aus der Zeit vor dem Rauchverbot in Gaststätten

Rauchen kann tödlich sein. Doch wirklich tot war der Kult um den Tabak nie.

Zigarren sind nicht selten "Chefsache" ....ein Statussymbol


Was ich noch zu sagen hätte ..

"Wenn du dich zu Tode geraucht hast, dann lass Petrus an der Himmelspforte warten und rauch noch eine Zigarette" - singt der Country-Sänger Tex Williams im Jahr 1947.

Seit dem 18. Jahrhundert werden Zigarren in Fabriken hergestellt.

Seit dem 18. Jahrhundert werden Zigarren in Fabriken hergestellt...

Damals ist die Zigarette auf dem Gipfel ihrer Karriere. Im Nationalsozialismus war das Rauchen noch verpönt, in öffentlichen Verkehrsmitteln sogar verboten, es schädige, so hieß es im nationalsozialistischen Jargon, den "Volkskörper".

Nazi-Deutschland verlor den Zweiten Weltkrieg, und unter den Amerikanern wurde die Zigarette zur Währung auf dem Schwarzmarkt. In den Fünfzigerjahren erlebt Deutschland sein Wirtschaftswunder. Die alteuropäischen Formen des Tabakkonsums – Pfeife und Zigarre - haben ausgedient.

Filmplakat mit der Schauspielerin Romy Schneider

Filmplakat mit der Schauspielerin Romy Schneider

Das Industrie-Produkt Zigarette gilt als moderner und wird von Firmen und Werbung mächtig gepusht. In seiner Pause darf sich der Industriearbeiter für fünf Minuten fühlen wie ein texanischer Cowboy auf der Kino-Leinwand. Und eine Zigarette symbolisierte für die Arbeiter eine Zeitlänge.

.. dauert eine Zigarette.

Die Zigarettenmarke Marlboro wird zum Inbegriff der Zigarette, der Marlboro-Man zum Rollenvorbild des Rauchers: Cowboyhut, Jeansjacke, Überhosen aus Leder – und immer zündet er sich gerade eine Zigarette an. Aus der Marlboro-Werbung spricht dieselbe Schicksalsverachtung wie aus dem Song von Tex Williams. Oder dasselbe schlechte Gewissen?

Helmut Kohl Pfeife rauchend während eines Interviews

Helmut Kohl, der junge Wilde..

Der Marlboro-Man hieß in Wirklichkeit Warren McLaren und war Rodeo-Reiter und Schauspieler. Als er an Lungenkrebs erkrankt und sein Bekenntnis zur Zigarette widerruft, wird er zur Gallionsfigur der Anti-Raucher-Bewegung. 1964 bringt der Terry-Report in den USA an die Öffentlichkeit, dass Rauchen Lungenkrebs verursachen kann. Sogleich macht sich der amerikanische Rechtsanwalt John Banzhaf daran, mit seiner "Action on Smoking and Health" die Politik zum Kampf gegen das Rauchen zu bewegen.

Mit Gott eine rauchen

Die Ureinwohner des amerikanischen Kontinents nutzten den Tabak einst als Medium, um mit den Göttern zu kommunizieren. Bei den Maya waren es die Priester, die rauchten. So taten sie es den Göttern nach. In ihrer Vorstellung entstand das Wetter, wenn der Regengott eine Zigarre paffte. Wenn er abaschte, fielen Sternschnuppen, wenn er sich eine Zigarre anzündete, blitzte und donnerte es, und wenn er den Rauch ausblies, zogen die Wolken. Für die Entdecker Amerikas war das Rauchen unheimlich und faszinierend zugleich.

Der Spanier Rodrigo de Jerez kundschaftete 1492 für Columbus Kuba aus und stieß als erster Europäer auf Raucher. Dass er das Rauchen später in seiner spanischen Heimat einführte, bekam ihm nicht gut. Die Inquisition hielt ihn für vom Teufel besessen, weil er Rauch aus den Körperöffnungen ausspie, und sperrte ihn für sieben Jahre in den Kerker. Aber die katholische Kirche schloss bald ihren Frieden mit dem Tabak, sie fand ihn dem Weihrauch ähnlich und wollte den Priestern nicht auch das Rauchen verbieten. Im 19. Jahrhundert war es den Priestern sogar verboten, Schmähschriften gegen den Tabak zu schreiben. Der Tabak-Teufel aber blieb in der Literatur ein wichtiges Motiv.

Zigarrenverkostung

Nach Zucker und seinem Nebenprodukt, dem Rum, sind Zigarren das kubanische Produkt schlechthin. 1999 erwirtschaftete Kuba mit Tabak 150 Millionen US-Dollar.

Nach Zucker und seinem Nebenprodukt, dem Rum, sind Zigarren das kubanische Produkt schlechthin.

Im "Zigarren-Herzog" am Berliner Osthafen findet an jedem ersten Donnerstag im Monat ein Tasting statt. Ins denkmalgeschützte Hafenhaus lädt Maximilian Herzog Zigarrenfreunde ein, eine ausgewählte Zigarre zu beurteilen. Die Ergebnisse fließen in den "Kleinen Herzog" ein, so etwas wie ein Weinführer zur Zigarre.

Sein erstes Zigarrengeschäft in Berlin hat der Schweizer Maximilian Herzog 1997 eröffnet. Mittlerweile hat er drei. Mit 14 hat er selbst angefangen, Zigarren zu rauchen, weil er die Zigaretten seiner Klassenkameraden vulgär fand. Heute weiß er alles über die kubanischen Rollen aus ganzen Tabakblättern, denen außer pflanzlichem Zigarrenkleber am Mundende keine Zusatzstoffe beigemengt werden.

Blümerante Wirkungen

In der Parfümherstellung hat sich durchgesetzt, Geruchswahrnehmungen am Farbspektrum sichtbar zu machen. Ist ein Duft warm und dunkel oder kalt und hell? Die Wahrnehmungspsychologie hat die Grundlagen dafür geliefert. Maximilian Herzog ist promovierter Psychologe, er beurteilt Zigarren auf einer Farbskala, die wie ein Regenbogen von Dunkelrot über Gelb bis Blau verläuft. Auch die Zigarrengesellschaft ist bunt gemischt. Eine Teilnehmerin arbeitet in der Öffentlichkeitsarbeit, ein anderer im Umweltmarketing. Ein Informatiker ist dabei und ein Versicherungsagent.

Zigaretten, Alkohol, Fotos mit Blumen und Nachrichten wurden am 24. Juli 2011 in der Nähe ihres Wohnhauses im Norden Londons hinterlegt, in dem die Leiche von Popstar Amy Winehouse gefunden wurde.

Zigaretten mit Blumen und Nachrichten, abgelegt für Amy Winehouse

Nicht nur geschmacklich, auch symbolisch ist die Zigarre schwer dingfest zu machen. Auf Karikaturen des typischen US-Kapitalisten steht sie für Rücksichtslosigkeit und hemmungslosen Reichtum. Auf Fotos von Che Guevara wird sie zum Symbol für den Kampf gegen den US-Kapitalismus. Mit Zigarre zeigten sich Regisseure wie Orson Wells und Francois Truffaut, Politiker wie Winston Churchill und Ludwig Erhard, doch genauso findet man sie auf den Fotografien einfacher Rheinbauern von August Sanders.
Die Pfeife ist dagegen leichter zu fassen. Den typischen Pfeifenraucher hat Wilhelm Busch im Vierten Streich seiner Spitzbuben Max und Moritz gezeichnet. Lehrer Lämpel raucht zurückgelehnt in seiner Studierstube die Meerschaumpfeife, der Tee dampft, der Ofen bullert, auf dem Tisch steht ein Tintenfass. Den Rest der Geschichte kennt jedes Kind.

Wohin weht der blaue Dunst?

Lesser Ury: "Lesser Ury rauchend im Atelier" um 1912, Privatsammlung

"Lesser Ury rauchend im Atelier" um 1912, Privatsammlung

Genauso wie die Zigarette bergen die Pfeife und die Zigarre gesundheitliche Risiken. Die Frage ist: Wie weit darf es dem Einzelnen überlassen bleiben, ob er seine Gesundheit schädigt oder nicht? Und wie wird es mit dem Tabak-Konsum in Zukunft weiter gehen? Der Verkauf von Zigaretten ist dank Aufklärung, Nichtraucher-Kampagnen und Verboten in den letzten Jahren deutlich gesunken. In Deutschland hat ein Drittel aller Raucher in den letzten zwei Jahren versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Ein weiteres Drittel ist zum Aufhören bereit. Gerade die jüngere Generation kann der Zigarette immer weniger abgewinnen. Zum Glück! Doch so ganz wird der blaue Dunst wohl nicht verschwinden.