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Qualzucht Tierschutz nur auf dem Papier

Bei Haustieren kommt es vor allem dann zu Qualzuchten, wenn Züchter extreme äußere Merkmale heraus züchten. Sie folgen dann einem fehl geleiteten Schönheitsideal, das sie als Zuchtziel für die jeweilige Rasse vereinbaren. Wie ist in Deutschland die Gesetzeslage dazu?

Qualzucht ist in Deutschland eigentlich verboten. Damit ist gemeint, dass bei der Nachzucht von Tieren keine Organe oder auch Verhaltensweisen so verändert werden, dass dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen. Allerdings hat bislang kein Veterinäramt versucht, unter Berufung auf diesen Paragraphen eine Rasse zu verbieten.

Tierschutzgesetz

Tierschutzgesetz - mehr wert als das Papier?

Schwammiger Tierschutzparagraph

In der aktuellen Tierschutznovelle, die der Bundesrat im Februar verabschiedet hat, heißt es neuerdings, Qualzucht sei gegeben "wenn züchterische Erkenntnisse erwarten lassen", dass der Nachwuchs gesundheitliche Schäden aufweist. Tierschützer wie Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund sehen in dieser neuen Formulierung keinen Fortschritt: "Wenn ein Zuchtverband sagt: "Wir erwarten keine Probleme", ist das damit schon wieder vom Tisch. Man kann dann Gutachten gegen Gegengutachten erstellen und steht wieder am Anfang."

Gutachten ist nicht gleich Gesetz

Soweit es um die Haustiere geht, wurde der Qualzuchtparagraph aber bereits vor 20 Jahren durch ein Gutachten ergänzt, das Tierärzte, Tierschützer und Behördenvertreter gemeinsam erarbeitet haben. Für jede Art – ob Hund, Taube oder Kaninchen – haben die Fachleute detailliert aufgelistet, welche Merkmale als Qualzuchten einzustufen sind. Doch diese Expertise blieb ein Papiertiger. Denn sie ist kein Gesetz, das heißt, für die Behörden nur schwer umzusetzen.

Zuchtverbände haben großen Einfluss

Eine Siamesische Katze wird während einer Katzen-Ausstellung in München von einer Jurorin begutachtet.

Eine Siamesische Katze wird während einer Katzen-Ausstellung in München von einer Jurorin begutachtet.

Tierschützer kritisieren hier den Einfluss der Zuchtverbände. So werden bei Ausstellungen in der Regel die Tiere prämiert, die als typisch geltende Rassemerkmale besonders ausgeprägt haben. Der gesundheitliche Aspekt wird bei solchen Ausstellungen leider nicht berücksichtigt. Um zu verhindern, dass Züchter Qualzuchten auf Ausstellungen präsentieren, sollte die Tierschutznovelle auch ein Ausstellungsverbot für Haus- und Nutztiere aus solchen Züchtungen enthalten. Das Verbot wurde allerdings kurzfristig gekippt. Die Begründung war, dass die Qualzuchten schon verboten seien, deswegen brauche man kein eigenes Ausstellungsverbot. Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund hält diese Begründung für absurd, weil der Qualzuchtparagraph noch nie zu einem Verbot geführt hat.



Qualzuchten auch bei Kaninchen

Ein "deutscher Riese" und ein "Hermelin"- Kaninchen

Ein "deutscher Riese" und ein "Hermelin"- Kaninchen

"Hermelin-Rotaugen" sind weiße Zwergkaninchen mit einem gedrungenen Körper und kaum vorgewölbter Schnauze. Auch diese niedlichen Kaninchen haben mit gesundheitlichen Schäden zu kämpfen: Durch die Verkürzung des Vorderschädels kommt es zu Zahnproblemen, zu abnormen Zahnstellungen. Normalerweise nutzen sich die Zähne des Kaninchens gegenseitig ab. Bei den Hermelin-Rotaugen müssen die Zähne abgekniffen werden, damit die Tiere weiterleben können.
Am schlimmsten dran unter den Rassekaninchen sind aber wohl die "englischen Widder". Sie haben bis zu 60 Zentimeter lange Hängeohren und können sich nicht normal bewegen, weil sie ihre Ohren am Boden hinter sich herschleifen müssen.

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