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Geboren um zu sterben Überzüchtetes Nutzvieh

Auch bei Nutzvieh wie Hühnern, Puten, Rindern oder Schweinen gibt es Qualzuchten. Hier geht es darum, Tiere zu züchten, die besonders hohe Erträge – an Fleisch, Milch oder Eiern - liefern.

Putenmasthof

Putenmasthof

Im schummrigen Licht fensterloser Lagerhallen leben dicht gedrängt oft Zehntausende Hühner oder Puten. Ein Bild, das typisch für konventionelle Großmastbetriebe ist. Der einzige Lebenszweck der Tiere besteht darin, Gewicht zuzulegen. Vor allem an der Brust, denn Brustfilet von Hühnern und Puten lieben die Verbraucher besonders. Vor 20 Jahren nahmen Masthähnchen – schon damals auf schnellen Fleischzuwachs getrimmt - 40 Gramm pro Tag zu, heute sind es 65 Gramm am Tag, eine Steigerung um ein Drittel. Im Alter von einem Monat werden die Tiere geschlachtet.

Bewegung unter Schmerzen

Das Wachstum ist so schnell, dass die Tiere im Laufe der 4-5 wöchigen Mast die meiste Zeit auf dem Boden sitzen und zunehmend Probleme haben, sich fortzubewegen. Wissenschaftler haben untersucht, ob die Hühner überwiegend auf dem Boden sitzen, weil jede Bewegung sie schmerzt. Um das heraus zu finden, haben sie Schmerzmittel unter das Futter gemischt. Das Ergebnis: Die Tiere haben diese Schmerzmittel aufgenommen und haben sich danach schneller und mehr bewegt.



Frisch geschlachtete Puten

Frisch geschlachtete Puten

Bio-Geflügel lebt länger

Biobetriebe, die Tiere artgerecht halten müssen, setzen deshalb für die Mast von Hühnern und Puten andere, langsamer wachsende Rassen ein. Die Tiere leben auf dem Biohof auch dreimal so lange wie das konventionelle Mastgeflügel. Einige Hochleistungs-Rassen wie etwa die konventionell genutzten Masthühner und –puten betrachten Fachleute eindeutig als Qualzucht. Rückzüchtung wäre der effektivste Weg, um die gesundheitlichen Probleme der Tiere zu beheben. Das wäre relativ einfach möglich, würde aber für die Landwirte geringere Einnahmen bedeuten, da die Tiere langsamer wachsen. Dann müsste der Verbraucher allerdings bereit sein, für diese Produkte etwas mehr Geld auszugeben.


Hochleistungs-Milchkühe häufig krank

Milchkühe lieferten vor 50 Jahren im Durchschnitt 3500 Liter Milch jährlich, inzwischen sind es 8000 Liter. Eine Folge: Die Tiere werden nur noch halb so alt wie vor Jahrzehnten. Die wichtigsten Krankheiten - Euterentzündungen, Fruchtbarkeitsstörungen, Klauenprobleme - hängen alle mit der gestiegenen Leistung zusammen. Natürlich lassen sich längst nicht alle Rassen zu Hochleistungen trimmen. Deshalb nutzt die Landwirtschaft heute nur noch die wenigen Rassen von Rindern, Schweinen, Hühnern, Puten, die sich auf maximale Erträge hin züchten ließen. Das heißt, der Genpool dieser Tierarten ist nur noch klein. Etliche Rassen sind ausgestorben, die schlechtere Leistungen haben oder sind nur noch mit wenigen 100 Tieren in Deutschland vorhanden.

Milchkühe

Milchkühe


Die aktuelle Tierschutznovelle sollte eigentlich helfen, Qualzucht künftig zu verhindern. Dieses Ziel wurde verfehlt. Damit wurden auch die Hoffnungen all derjenigen enttäuscht, die sich dafür intensiv eingesetzt hatten. Tierschützer Marius Tünte spricht aus, was die meisten von ihnen empfanden, als die Novelle trotz der nur minimalen Verbesserungen gegenüber dem bisherigen Tierschutzgesetz tatsächlich den Bundesrat passierte:

Das war schon echt frustrierend. Gerade auch, weil Ministerin Aigner ein paar Punkte angekündigt hatte, von denen wir gedacht haben, das könnte was werden. Und dass quasi alle Punkte, die irgendwie relevant waren für den Tierschutz, gekippt wurden, das war schon sehr frustrierend. Aber man muss dann einfach wieder aufstehen und Gespräche mit allen führen, die beteiligt sind. Und natürlich in der Öffentlichkeit immer wieder darauf hinweisen, dass man einfach das Tier in den Mittelpunkt stellt.

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