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Und Action - Pyrotechnik im Film

Wie viel Berechnung und Planung steckt hinter einer gelungenen Schießerei oder knalligen Explosion im Film? Wie gelingt es Pyrotechnikern, Explosionen und Brände täuschend echt aussehen zu lassen, ohne dass der Drehort unabsichtlich in Flammen aufgeht?

Der Tatort Hamburg hat uns erlaubt, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Ein Team von Pyrotechnikern soll es um die Hauptdarsteller herum Feuer, Schutt und Asche regnen und Kugeln hageln lassen, und das Ganze, ohne dass jemand zu Schaden kommt. Vier Tage lang begleiteten wir die Pyrotechnik-Experten bei der Arbeit und kamen dabei ins Staunen. Denn während die meisten Tatortfolgen weniger durch Action, als vielmehr durch psychologischen Nervenkitzel von sich reden machen, knallte und brannte es beim Hamburger Tatort diesmal ganz gewaltig.

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Bildgalerie: Pyrotechnik im Film

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Montagmorgen. Für die Aufzeichnung des Hamburger Tatorts fällt die erste Klappe.

Montagmorgen. Für die Aufzeichnung des Hamburger Tatorts fällt die erste Klappe.

Der NDR-Tatort setzt einen marokkanischen Hinterhof in Szene.

Im Hinterhof eines Cafés wird sich – laut Drehbuch – ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengen.

Scharf ist die Handgranate, die der Schauspieler in der Hand trägt, nicht. – Trotzdem möchte der Regisseur, dass die Szene authentisch wirkt.

Pyrotechniker Jens Schmiedel mit seinem Team bei den Vorbereitungen für die Explosion.

Jens Schmiedel befüllt einen Metallbehälter mit Unrat, der nach der Explosion durch die Luft fliegen soll.

In den Behälter kommen nachgemachte Ziegelsteine, die ganz weich sind, Balserholz, Kork und Ähnliches.

Dazu kommt jede Menge Propangas für den perfekten Feuerball.

Das erste Aufblitzen der Explosion soll sich auch im Gesicht des Schauspielers spiegeln.

Die Brandsätze sind verkabelt und lassen sich mit Hilfe eines 100m langen Kabels fernzünden.

Fingerspitzengefühl ist gefragt, um den richtigen Zeitpunkt der verschiedenen Zündungen zu erwischen, damit man erstmal das Feuer sieht und dann den Staub.

Nach der Explosion sieht man Staub und Teile durch die Gegend fliegen.

Tatortkommissar Cenk Batu soll in einem Hotel in der Hansestadt einen Kofferbombenanschlag verhindern.

Pyrotechniker Norbert Skodok präpariert einen Blutbeutel mit einem winzigen Spezialzünder für eine Schießerei.

Wenn der angebrachte Zünder aktiviert wird, schlägt er einerseits den Blutbeutel kaputt und andererseits durchschlägt er den Stoff, sodass durch ein Loch Blut spritzt.

Die Blutpatronen werden sekundengenau gezündet – im Rhythmus der Einschüsse.

Zwei Tage später setzt das Tatort-Team noch einen drauf und lässt eine Kreuzung sperren. Cenk Batu muss einen Linienbus stoppen, den der letzte Attentäter sprengen will.

Der Bus soll natürlich nicht wirklich explodieren. Damit es trotzdem so aussieht, beschießen die Pyrotechnniker die Schauspieler mit Glas – Theaterglas aus butterweichem Silikon, dazu weiche Kunststoffteile und Schutt – für die täuschend echte Illusion.

Die Schauspieler gehen in Deckung während die Explosion gezündet wird - die perfekte Illusion.


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