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Antibabypillen in blauer Verpackung

Verhütung mit Thrombosegefahr Probleme der Antibabypille

Die Antibabypille ist nach wie vor das beliebteste Verhütungsmittel. Besonders bei jungen Frauen ist die Pille gefragt: Jedes zweite Mädchen unter 18 verhütet mit ihr. Die Pillen versprechen zunehmend mehr als nur eine sichere Verhütung. Viele Präparate loben angebliche Beauty-Effekte wie schöne Haut, schönes Haar und größere Brüste. Gerade junge Frauen finden das interessant. Doch Experten raten zur Vorsicht, da gerade die neueren Pillen aus medizinischer Sicht mehr Gefahren bergen. Das bestätigt auch der aktuelle Pillenreport 2015.

Pillenreport 2015: Neuere Präparate besonders beliebt bei jungen Frauen

Neuere Antibabypillen werden besonders häufig an junge Frauen verschrieben. Das ist das zentrale Ergebnis des Pillenreports 2015. Dabei hat ein Expertenteam aus Medizinern und Pharmakologen zusammen mit der Techniker Krankenkasse die Verordnungen und aktuelle Studien im Bereich der Antibabypillen untersucht. Bis zum 20. Lebensjahr schlucken etwa 80 Prozent der TK-Versicherten Frauen und Mädchen neuere Pillen, die als modern angepriesen werden. Auf den ersten Blick klingt das nicht schlecht. Doch wie bei vielen Arzneimitteln ist neu nicht immer gleich gut, auch nicht bei Antibabypillen.

Junges Paar betrachtet Packung mit Antibabypillen.

Die Antibabypille ist nach wie vor das beliebteste Verhütungsmittel, das gilt besonders für junge Frauen.

Höheres Thrombose-Risiko bei neueren Antibabypillen

Ein Großteil der Präparate besteht aus zwei Hormonen: einem Östrogen und einem Gestagen. Vor allem die Gestagene machen die Risiken einer Pille aus. Unabhängige Studien zeigen schon seit ein paar Jahren, dass gerade die neueren Gestagene, die Risiken für Thrombosen und Lungenembolien bei den Anwenderinnen erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar insgesamt selten, aber der Unterschied zwischen neuen und älteren Pillen ist signifikant.

Das zeigen auch diese Zahlen: Wenn 10.000 Frauen ein Jahr lang ein älteres Präparat der bewährten zweiten Pillengeneration einnehmen, dann muss man mit sechs bis sieben Thrombosen rechnen. Bei neueren Präparaten der sogenannten dritten oder vierten Pillengeneration ist das Risiko etwa doppelt so hoch: Studien zeigen, dass sie bei 14 von 10.000 Frauen in einem Jahr eine Thrombose verursachen. Statistisch gesehen ist das Risiko also generell nicht besonders groß. Da es sich aber hier um die gefährlichste aller Nebenwirkungen des Verhütungsmittels handelt sind sie wichtig – schließlich können Thrombosen und Lungenembolien schlimmstenfalls tödlich enden.

Grafik: Wie viele Mädchen zwischen 11 und 19 Jahren nehmen welche Art von Antibabypille?

Der Pillenreport macht deutlich, dass beinahe die Hälfte der 19-Jährigen eine Pille der dritten oder vierten Generation - also eines der neueren Präparate - nimmt.

Seit wann sind die erhöhten Risiken bekannt?

Vor diesem Hintergrund überraschen die Ergebnisse des Pillenreports. Sie überraschen auch deshalb, weil die deutsche Arzneimittelbehörde BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) bereits im Jahr 2014 Ärzte vor den erhöhten Risiken neuerer Antibabypillen warnte. Mediziner erhielten darin die konkrete Empfehlung, dass besonders Frauen und Mädchen, die zum ersten Mal mit der Pille verhüten, Pillen mit dem sicheren und altbewährten Wirkstoff Levonorgestrel verschrieben werden soll. Bei neueren Wirkstoffen wie Drosperinon, Desogestrel, Gestoden und Dienogest sei hingegen Vorsicht geboten, weil ihre Risiken größer oder ungewiss sind.

Warum werden die neueren Präparate so häufig verschrieben?

Warum verschreiben Ärzte trotzdem vor allem neuere Pillen? Der Berufsverband der Frauenärzte erklärt dazu, dass es sich bei den neueren Pillen schließlich auch um zugelassene Arzneimittel handelt. Außerdem berücksichtige der Pillenreport nicht, dass Frauenärzte bei der Verordnung von Arzneimitteln nicht nur seltene, schwere Nebenwirkungen im Auge haben müssen, sondern auch die Verträglichkeit der Pille insgesamt.

Schöne Frau betrachtet sich im Spiegel.

Angeblich haben die neueren Pillen Beauty-Effekte: Haut und Haare sollen schöner werden.

Pharmakonzerne verdienen mehr an neueren Antibabypillen

Diese Argumentation ist fragwürdig. Denn das Argument, dass neuere Pillen verträglicher sind als ältere, wurde bislang nicht stichhaltig belegt. Genauso wenig wie der angebliche Beautyeffekt für Haut und Haar, mit dem viele Pharmakonzerne ihre neuen Antibabypillen hochloben. Die Pharmaunternehmen haben allerdings gute Gründe, immer wieder neue Antibabypillen auf den Markt zu bringen und bei Frauen und Ärzten anzupreisen: Die neuen Produkte sind durch Patente geschützt und können teurer als ältere verkauft werden. Dem Trugschluss, dass eine Pille besser ist, wenn sie neu ist, sollten Mädchen und Frauen nicht aufliegen, lautet die Quintessenz des Pillenreports. Und so viel ist sicher: Alle Pillen verhüten gleich gut.

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