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Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Pestbakterium Yersinia pestis

Die Rückkehr der Pest Der "Schwarze Tod" in den USA

Der Sommer ist nicht nur in Deutschland die Zeit des Campens und des Wanderns. Auch und gerade in den USA sind dies beliebte Freizeitbeschäftigungen. Vor allem die westlichen Bundesstaaten mit ihren ausgedehnten Wäldern, Gebirgszügen und Nationalparks laden dazu ein. Doch während wir uns beim Zelten nur mit Mücken und Wespen herumschlagen müssen, lauert in Colorado, New Mexiko und Kalifornien eine ganz andere Gefahr: der "Schwarze Tod". Sie haben recht gehört, die Rede ist von der Pest, einer Krankheit, die in Europa seit dem Mittelalter ausgerottet ist, in den Vereinigten Staaten aber heute noch existiert – und meist erst als Pest erkannt wird, wenn es zu spät ist.

Biologische Gefahr

Das CDC ist überall. In jedem Bundesstaat der USA hat das Center for Disease Control and Prevention Zweigstellen eingerichtet. Jede Abteilung des "Zentrums für die Kontrolle und die Vorbeugung von Krankheiten" hat eine andere Aufgabe. Hier in Colorodo ist der Hauptsitz in Sachen Pestbekämpfung, im beschaulichen Fort Collins. Sogar noch außerhalb von Fort Collins, inmitten der Prärie von Colorado, abgeschieden an einem See. Sicher ist sicher – warnt das Schild an der massiven Eingangsschleuse doch vor nicht näher bezeichneten "biologischen Gefahren", Stop – Biohazards present. Und die zeigt die Biologin May Chu denn auch in ihrer Petrischale: ausgestorben geglaubte Pestbakterien.

Warnhinweis

Warnhinweis an der Eingangsschleuse des CDC


Die Pest wird von einem einzelligen Organismus namens Yersinia pestis hervorgerufen. Normalerweise entsteht die sogenannte Beulenpest, die durch Flohbisse übertragen wird. Die Lymphknoten schwellen dann an und beginnen zu schmerzen.

In die "neue Welt" kam die Pest zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, und zwar über Ratten an Bord von Schiffen. Aus den Häfen breitete sich die Pest schnell aus auf wilde Nagetiere. John Pape aus dem Gesundheitsministeriums in Denver, der Hauptstadt des Bundesstaates Colorado.

Seit sich die Pestbakterien in der Natur auf Nagetiere ausgebreitet haben, ist es unmöglich, die Krankheit wieder loszuwerden. Schließlich können wir nicht alle wilden Tiere in Colorado umbringen. Wenn die Pest sich ausbreitet, fallen ihr zunächst einmal viele Nagetiere zum Opfer. Dann verschwindet das Bakterium für ein paar Jahre aus dem Gebiet. Daraufhin regenerieren sich die Nagerpopulationen bis sie erneut boomen und auch die Pestbakterien zurückkehren und sich wieder ausbreiteten.

Westen als Hochburg der Pest

Die Pest hat sich mittlerweile über den ganzen Westen der USA ausgebreitet. Colorado, Arizona, Nevada und New Mexico sind ihre Hochburgen, genauso wie Kalifornien. Allein in diesem Bundesstaat treten zehn Prozent aller Pestfälle auf, die jährlich gemeldet werden. Schuld daran ist auch der Tourismus. Denn es sind nicht nur die Metropolen Los Angeles, San Francisco oder San Diego, die Gäste ins Land bringen. Auch die vielen Naturparks sind Anziehungspunkte für Besucher. Wer inmitten von Wäldern, Seen und Bergen campen will, den zieht es zum Beispiel auf den Wheeler Gorge Campground im Los Padres National Forest. Richard Davis vom Department of Health Services des zuständigen Countys Ventura.

Eingang zum Los Padres National Forest

Eingang zum Los Padres National Forest

Campingplätze sind bei Erdhörnchen sehr beliebt. Dort gibt es immer genug zu essen. Camper mögen es, wilde Tiere zu füttern. Essensreste bleiben überall liegen, es gibt dort Wasser, und Erdhörnchen graben gerne unter den Steinen. Es gibt viele Gründe, warum sich Erdhörnchen auf Campingplätzen schnell vermehren. Wenn es aber zu viele werden, dann passiert meistens etwas. So wie auf Wheeler Gorge Campground.

Todesfälle durch die Pest

In diesem Sommer war jedoch nicht der Wheeler Gorge Campground in den Schlagzeilen. Stattdessen hat sich Anfang August ein Kind im mehr als vierhundert Kilometer nördlich gelegenen Yosemite National Park in Kalifornien die Pest eingefangen. Ebenfalls im August ist in Colorado an Mann an der Pest gestorben, und im Juni ein sechzehnjähriger Teenager. In diesen Fällen werden Präriehunde als Träger des Bakteriums verdächtigt. Im Schnitt fallen sieben Menschen pro Jahr der Pest zum Opfer. Randall Smith, in Ventura Country für Umwelt- und Gesundheitsfragen zuständig:

Manchmal erkennen es die Ärzte und manchmal nicht. Wir versuchen sie daran zu erinnern, dass es mögliche Pest-Fälle in unserem County geben könnte. Aber oftmals denken sie nicht daran. Das ist nicht die erste Krankheit, die einem einfällt, wenn man einen Patienten sieht.


Lage des CDC

Center for Disease Control and Prevention in Colorado

Am Zustand in den Wäldern und Wüsten der westlichen Staaten wird sich wohl auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Totzukriegen ist die Pest nicht mehr. Die Sorgen gelten denn auch ganz anderen Eventualitäten. Frank Hall ist der Direktor des Gesundheitsamtes in Los Angeles County.

Unsere Befürchtung bezüglich L.A. ist: Wir wissen, dass es die Pest in den Erdhörnchen-Populationen gibt. Das ist alles Nationalpark ... hier, entlang dieser Gebirgsausläufer, sind viele kleine Städte. Und da gibt es Ratten, die hier leben, und Erdhörnchen, die dort leben. Wir fürchten, dass die Hörnchen die Krankheit zu den Ratten übertragen, die in den kleinen Städten leben. Das wäre dann unsere größte Schlacht.