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Die digitale Bewerbung Personalauswahl 2.0

Der steile Anstieg an E-Mail-Bewerbungen stellt für die Personalabteilungen der Unternehmen eine große Herausforderung dar. Allein bei der Daimler AG bewerben sich jährlich weltweit mehr als 50.000 Menschen, um einen Platz im Trainee-Programm zu bekommen. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Firmen nur noch Bewerbungen auf einem eigenen Job-Portal annehmen.

Eine Schülerin an einem Tablet-PC

Eine Schülerin an einem Tablet-PC

Kompetente und erfahrene Fach- und Führungskräfte sind hart umkämpft – dies wirkt sich auch auf die Personalauswahl aus: Um freie Stellen möglichst schnell zu besetzen, entlastet eine Bewerber-Software oft die Personalverwaltung. Wird eine neue Position ausgeschrieben, so überträgt das System automatisch alle erforderlichen Informationen an andere Online-Job-Portale, wie zum Beispiel Stepstone, Monster oder an die Agentur für Arbeit. Mit einer sogenannten App, einer Anwendung für Mobiltelefone, kann ein Arbeitssuchender jederzeit und von überall nach neuen Stellen suchen. Über soziale Netzwerke wie Facebook können Freunde bei der Suche helfen oder man kann selbst ein Jobangebot an Bekannte weiterleiten.

Doch wie geht es Arbeitnehmern, die sich nicht zur Generation Internet zählen?

Ein Beispiel: Im Rahmen der Finanzkrise entscheidet ein norddeutsches Bankhaus, sich von mehr als 200 Mitarbeitern zu trennen. Darunter sind auch Arbeitnehmer, die sich seit 20 Jahren nicht mehr beworben haben. Doch die Banker bekommen Unterstützung, denn ihr Arbeitgeber bezahlt nicht nur eine großzügige Abfindung, sondern auch für jeden eine Karriere-Beratung.

Auch die digitale Bewerbung bedarf einer persönlichen Handschrift

Auch die digitale Bewerbung bedarf einer persönlichen Handschrift

Darum begleiten die Karriereberater einer Hamburger Personalberatung jeden der arbeitsuchenden Banker bei der Neuorientierung. Bei den Fach- und Führungskräften, die sich schon lange nicht mehr beworben haben, muss der Karriereberater ganz von vorne anfangen und seine Klienten mit den aktuellen Bewerbungsstrategien vertraut machen.
Die Schwierigkeit beginnt dort erst einmal damit, den Klienten abzuholen. Es gilt zu klären: Was ist gut gelaufen? Was ist nicht so gut gelaufen? Und damit beginnt die Vertrauensphase, welche aufgebaut werden muss. Dann geht es darum, mit den Menschen gemeinsam die Stärken herauszuarbeiten; um diese in Form einer neuen Position umsetzen zu können.

Apps und Facebook ermöglichen die Jobsuche von unterwegs

Apps und Facebook ermöglichen die Jobsuche von unterwegs

Um die Stärken und Schwächen ihrer Klienten besser einschätzen zu können, setzen Unternehmen und auch die Karriereberater psychologische Testverfahren ein – doch das Angebot ist vielfältig. Es gibt die kognitiven Tests wie den Intelligenztest, der sich vielfach bewährt hat. Dieser misst die allgemeine Intelligenz und einige Unterkomponenten, wie das numerische Denken oder auch das figurale Denken, sowie die sprachliche Intelligenz.
Darüber hinaus gibt es diverse Formen von Persönlichkeitstests. Ein sehr bekanntes Testmodell ist das Big-Five-Modell, bei dem fünf Faktoren gemessen werden durch einen Fragebogen.

Berufserfahrene Frauen und Migranten werden bei Bewerbungen oft diskriminiert

Doch wenn es dann Absagen hagelt, sind die Bewerber oft ratlos: Denn ein Grund wird nicht genannt. Sollte ein Unternehmen einem Bewerber nicht doch den wahren Grund für eine Absage mitteilen? Und welche Vorteile haben anonymisierte Bewerbungsverfahren? Vor allem Migranten und berufserfahrene Frauen profitierten von einer anonymen Vorauswahl und wurden dann häufiger zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Und bei einer sachorientierten Endauswahl fühlen sich auch die Entscheider besser. Schwierig wird es bei älteren Bewerbern, da aufgrund ihres beruflichen Werdegangs und der Nennung der Qualifikationen ein Rückschluss auf das Lebensalter auch bei einer anonymen Bewerbung leicht möglich ist.

Kann ein Telefongespräch die persönliche Bewerbung ersetzen?

Kann ein Telefongespräch die persönliche Bewerbung ersetzen?

Der zweite Eindruck ist persönlich

Hat ein Bewerber die Vorauswahl überstanden, dann kann er sich jetzt auf eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch freuen. Wenn es um das Interview geht, gibt es eine Neuerung in den letzten Jahren, und zwar, dass vermehrt Telefon-Interviews eingesetzt werden. Das hat verschiedene Gründe: Einmal natürlich, wenn der Bewerber weit entfernt ist, kann man Kosten sparen und dieses Telefon-Interview dient dann auch der Vorprüfung, ob ein persönliches Gespräch Sinn macht; manchmal werden auch ganz einfache Dinge abgeklärt. Es ist auch wichtig darauf zu achten, wie die Sprachweise des Bewerbers ist. Denn ein solches Telefon-Interview wird auch dazu genutzt, Wortschatz, Wortwahl und auch die Melodie der Sprache zu analysieren.

Netzwerkkabel ersetzen heute den Postweg für Bewerbungen

Netzwerkkabel ersetzen heute den Postweg für Bewerbungen

Zunehmend werden auch neue Konferenzmedien wie Skype genutzt, um Bewerbungsgespräche lebhafter zu gestalten. So hat man ein klares Bild vor Augen von dem Bewerber. Das Internet hat die Stellensuche, das Bewerbungsverfahren und auch die Personalauswahl verändert: In Zukunft wird es noch häufiger vorkommen, dass eine neue Stelle über ein Job-Portal gefunden wird. Oder ein Software-Job-Agent meldet sich bei einer interessanten neuen Herausforderung. Und das, während man irgendwo unterwegs ist. Die Anforderungen an einen Bewerber steigen dabei stetig. Und auch die Unternehmen müssen neue Wege gehen, um auf sich und ihr attraktives Team aufmerksam zu machen.

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