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Physiotherapie ist oft effizient

Alternative Heilmethode Wie wirksam ist Osteopathie?

Osteopathie wird als sanfte Behandlungsmethode immer beliebter. In Deutschland gibt es allerdings keine verbindliche Ausbildung - und noch zu wenige Studien zur Wirksamkeit. Immerhin gibt es vielversprechende Hinweise, dass Osteopathie bei manchen Knie- und Rückenbeschwerden hilft.

Jeder fünfte in Deutschland hat sich schon einmal in die Hände eines Osteopathen begeben. Die Osteopathie verspricht die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken - und zwar mit manuellen Techniken. So sollen zum einen Schmerzen in den Muskeln, Bändern, Sehnen und Gelenke gelindert und behoben werden und auch Fehlstellungen des Skeletts ausgeglichen werden. Gerade auch durch die Berichte über erfolgreich behandelte Profisportler ist die Nachfrage nach Osteopathie gestiegen.

Die Osteopathie versteht sich als ganzheitliche Form der Medizin

Osteopathen behandeln Funktionsstörungen des Muskel- und Gelenkapparates und des Skeletts ausschließlich mit den Händen. Sie greifen dabei auch auf moderne bildgebende Verfahren zurück, um zum Beispiel eine Arthrose- also einen Gelenkverschleiß - besser einschätzen zu können. Professorin Marina Fuhrmann, Hochschuldozentin und Vorsitzende des Verbandes der Osteopathen in Deutschland erklärt, dass die Osteopathie ihre Fähigkeiten und ihre Grenzen kennt. Osteopathie hört genau da auf, wo die Akutmedizin notwendig sei.

Osteopathen sehen sich nicht in Konkurrenz zur klassischen Medizin

Gerade bei Rückenschmerzen und auch bei organischen Symptomen können Osteopathen begleitend arbeiten. In der Regel suchen Patienten einen Osteopathen wegen starker Rückenbeschwerden, Verspannungen, oder Schmerzen in der Schulter, den Knien und der Hüfte auf. Auch Verdauungs- und Schlafstörungen können osteopathisch behandelt werden. Während sich die Orthopädie, Physiotherapie oder die Chiropraktik fast ausschließlich auf das physiologische Schmerzgeschehen konzentrieren, erhebt der Osteopath den Anspruch, Körper und Psyche als Einheit zu verstehen.

Osteopathin behandelt jungen Mann

Osteopathin behandelt jungen Mann

Das Schmerzgeschehen ist Symptom eines aus dem Gleichgewicht geratenen Körpers

Osteopathen begutachten dabei nicht nur die schmerzende Stelle selbst, sondern sehen den Körper als Ganzes. So kann ein Gelenkschmerz zum Beispiel auch an ganz anderen Stellen im Körper ausgelöst werden. Osteopathen verwenden spezielle Techniken, um diese Dysfunktionen aufzufinden und dann auch zu lösen.

Osteopathie wird immer noch in die Ecke esoterischer Heilkunde gesteckt

Dabei bestätigen jüngste Studien die Wirk- und Heilweise. So wurde die Wirkung der Osteopathie auf Knieschmerzen kürzlich im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie näher beleuchtet. Sie zeigte, dass die osteopathische Behandlung der klassischen physiotherapeutischen Behandlung überlegen ist.

Eine Frauenhand macht eine Fußmassage

Rückenschmerzen lassen sich manchmal über die Füße behandeln.

2014 erschien eine Analyse der Studien, die die Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen bei Rückenschmerzen untersucht haben. Das Ergebnis: Sie verringert den Schmerz, fördert die schnellere Genesung und damit auch die soziale und berufliche Teilhabe. Zudem hat eine Untersuchung der Krankenkasse BKK ergeben, dass Osteopathiepatienten seltener auf eine klassische ärztliche Behandlung zurückgreifen müssen und weniger Heil- und Arzneimittel brauchen, wenn sie vorher osteopathisch behandelt worden waren.

Es gibt zu wenig Studien, die die Wirkweise der Osteopathie untersuchen

Die Akademie für Osteopathie, die die wissenschaftliche Forschung in der Osteopathie in Deutschland vorantreibt, forderte auf dem jüngsten Kongress, dass die Gesundheitspolitik die Wirkung der Osteopathie breiter erforschen soll. Die bisher vorliegenden Studien reichten nicht aus, um die Wirksamkeit der Heilmethode zweifelsfrei und unabhängig zu beweisen.

Ein Arzt zeigt mit einem Finger auf den Rücken eines Skeletts und berät eine Patientin.

In Deutschland kann sich jeder Arzt oder Heilpraktiker Osteopath nennen. Daher ist es sinnvoll, sich nach der Ausbildung des Ostheopathen zu erkundigen.

Jeder Arzt und Heilpraktiker kann osteopathisch arbeiten, ohne Qualifikation

Die berufliche Qualifikation von Osteopathen in Deutschland ist in Deutschland nicht gesetzlich geregelt. Es ist also nicht einmal eine spezielle Ausbildung erforderlich, um Osteopathie an sein Klingelschild zu schreiben und zu praktizieren. Das will der Verband der Osteopathen in Deutschland ändern. Denn die Nachfrage nach osteopathischer Behandlung wächst und die Patienten sollten wissen, wer tatsächlich eine osteopathische Ausbildung hat.

Verband der Osteopathen fordert, die Ausbildung verbindlich zu regeln

Bis dahin rät der Verband der Osteopathen den Patienten, sich bei Krankenkassen oder beim Verband selbst vor einer Behandlung zu informieren, wer als Osteopath eine fachliche Ausbildung durchlaufen und entsprechend qualifiziert ist. Mittlerweile bezuschusst auch die Mehrheit der Krankenkassen die Kosten einer osteopathischen Behandlung.

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