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Olivenernte in Palästina

Gifte im Olivenhain Abwasser aus Ölpressen belastet die Böden

Olivenöl ist schon längst nicht mehr aus unserer Küche hierzulande wegzudenken – und gesund soll es ja obendrein auch noch sein. Bei der Produktion von Olivenöl wird allerdings in vielen Ländern - wie z.B. Israel oder Palästina - noch eine Methode angewandt, bei der giftiges Abwasser entsteht. Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau wollen herausfinden, ob man das Abwasser als Dünger verwenden kann, ohne den Boden und die Umwelt zu belasten.

Bodenproben aus Palästina im Landauer Labor

Bodenproben aus Palästina im Landauer Labor

Nisreen Tamimi öffnet Gläser mit Bodenproben aus ihrem Heimatland Palästina. Die Analyse dieser Proben ist Teil ihrer Doktorarbeit. Nasreen Tamimi aus Ramallah gehört zu dem Team aus Naturwissenschaftlern der Universität in Landau und Forschern aus Israel und Palästina, die zusammen an dem Projekt "Oliveoil" arbeiten: "Das Olivenöl gehört zu unserem Leben dazu wie Wasser. Man kann sich gar keine Mahlzeit vorstellen ohne Olivenöl. Wir können ohne Olivenöl gar nicht leben."


Toxisches Abwasser bei Olivenöl-Produktion

Olivenernte in Palästina: Die Oliven kommen in die Mühle. Dabei entsteht viel Abwasser.

Die Oliven kommen in die Mühle

Gut 270 kommerziell arbeitende Olivenmühlen gibt es allein in Palästina, berichtet die junge Forscherin – kleine Familienbetriebe, die gerade erst vor gut 10 Jahren ihre Mühlen auf den sogenannten 3- Phasen- Prozess umgestellt haben. Dabei werden die Oliven zerkleinert, mit Wasser verrührt und in einer horizontalen Zentrifuge geschleudert, so dass sich Wasser und Öl voneinander trennen. Diese Methode versprach zunächst, wesentlich mehr Öl aus den Oliven herauspressen zu können als vorher.

Olivenöl wird abgefüllt

Olivenöl wird abgefüllt

Doch als unschönes Nebenprodukt entsteht bei diesem Prozess hoch toxisches Abwasser, erklärt Gabriele Schaumann von der Universität in Landau. Pro Tonne Olivenöl fallen bis zu 1.500 Liter Abwasser an. Das Abwasser, so Gabriele Schaumann, sei ja ein reines Naturprodukt, das eigentlich nur aus Wasser und Bestandteilen der Olive bestehe, aber in relativ hoch konzentrierter Form. Diese Stoffe wirken eher toxisch, wenn sie so hoch konzentriert vorliegen. Problematisch seien vor allem die sogenannten Polyphenole, also bestimmte aromatische Stoffe, die teilweise sehr bitter schmecken, also die Bitterstoffe aus der Olive.


Wasserabweisende, ölige Böden

Feldforschung in Palästina

Feldforschung in Palästina

Weil dieses Abwasser so sauer ist und eine so hohe Konzentration organischer Substanzen enthält, können Kläranlagen dieses Wasser nicht aufnehmen. Die Folge: die Betreiber leiten nach der Produktion des Öls in den Wintermonaten ihr Oliven-Abwasser einfach auf Felder oder in trockene Flussbette, mit verheerenden Folgen: in der Zeit ist es in Palästina und Israel zu kalt und feucht, als dass Mikroorganismen diese giftigen Substanzen gut abbauen könnten, so die Annahme der Wissenschaftler – durch starke Regenfälle gelangt das Abwasser möglicherweise ins Grundwasser.

Wird das Oliven- Abwasser auf einem Acker entsorgt, wird das Auskeimen der Saat gehemmt, außerdem werden so auch die Böden wasserabweisend gemacht, erklärt Gabriele Schaumann – fatal, in Ländern wie Palästina und Israel: "Wenn ich ein Land habe, das in zwei Drittel seiner Zeit trocken ist und dann regnet es einmal und das Wasser kann dort nicht versickern, wo es hin regnet, sondern es läuft einfach ab, dann geht dem Land dieses wenige Wasser auch noch verloren. Und das konnten wir jetzt nachweisen, da sind jetzt viele Wissenschaftler auch sehr überrascht darüber."

Abwässer später entsorgen

In Palästina regnet es eher selten. Da ist es wichtig, dass die Feuchtigkeit auch im Boden bleibt.

In Palästina regnet es eher selten. Da ist es wichtig, dass die Feuchtigkeit auch im Boden bleibt.

Die noch laufenden Feldstudien in Israel und Palästina haben ergeben, dass sich das Problem mit dem giftigen Abwasser möglicherweise lösen könnte, wenn die Olivenbauern das Abwasser nicht gleich im Winter, sondern etwas später auf den Feldern ausbringen würden. Hierzu müssten die Bauern das Abwasser sammeln, erklärt der Landauer Doktorand Markus Kurtz: "Es würde auch wärmer werden, die biologische Aktivität steigt und die Abbauprozesse werden schneller als im Winter. Wir sehen das alleine schon, wenn wir uns das Abwasser nach Deutschland schicken lassen per Post und wir gucken uns die chemischen Parameter vor dem Versand an und wir messen das dann hier, dann sehen wir schon Unterschiede. Die Zusammensetzung von dem Abwasser verändert sich."

Deutsches Wissen für Palästina

Die palästinensische Wissenschaftlerin Nisreen Tamimi untersucht Bodenproben aus ihrem Heimatland

Die palästinensische Wissenschaftlerin Nisreen Tamimi untersucht Bodenproben aus ihrem Heimatland

Um herauszufinden, wie stark sich die Zusammensetzung des Abwassers verändert, oder ob man es sogar unter bestimmten Bedingungen als Dünger auf den Feldern verwenden könnte, untersucht die palästinensische Wissenschaftlerin Nisreen Tamimi momentan im Labor an der Universität in Landau. Dazu vermischt sie ein paar Gramm einer Bodenprobe mit destilliertem Wasser: "Wir schütteln das und geben es dann in den Shaker. Nach ein oder zwei Stunden können wir dann schon den PH- Wert der Probe feststellen."

Für die Doktorandin aus Ramallah ist es sehr aufregend, an diesem deutsch- israelisch- palästinensischen Projekt mitzuarbeiten. Auch wenn es aufgrund der aktuellen politischen Lage nicht immer möglich ist, dass alle vor Ort immer zusammenarbeiten und sich austauschen können: "Das war mein Traum in einem solchen Projekt zu arbeiten. Ich bin glücklich, den Boden meines Landes untersuchen und erforschen zu können. Es gibt mir Hoffnung für die Zukunft, dass ich meinem Land wissenschaftliche Erkenntnisse und das Wissen aus Deutschland bringen kann."

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