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Etwa 17 Prozent aller Menschen auf der Welt essen mit Besteck. Das ist nur etwa ein Sechstel. Fast doppelt so viele greifen zu Essstäbchen, und der Rest – mehr als die Hälfte aller Weltbewohner – isst mit den Fingern.

Sie runzeln die Stirn? In unseren Breitengraden war das auch lange üblich! Sich beim Essen nicht die Finger schmutzig machen zu wollen, galt teilweise als affektiert und weibisch.

Mittelalter: Gabeln sind "Teufelswerkzeug"

Etwa bis zum Mittelalter haben wir Mitteleuropäer hauptsächlich mit den Fingern gegessen. Hildegard von Bingen zum Beispiel hat die damals noch zweizinkige Gabel als Teufelswerkzeug bezeichnet. Und noch Martin Luther fauchte abfällig: „Gott behüte mich vor Gäbelchen!“ Löffel und Messer waren aber als Essensbegleiter ab und zu als recht nützlich empfunden worden. Erst seit dem 19. Jahrhundert bilden Messer, Gabel, Löffel ein geachtetes Werkzeug-Trio bei Tisch.

Reisbällchen lassen sich mit den Fingern formen

Anderswo ist das alles anders – und vielerorts gar nicht so eindeutig wie bei uns: In Restaurants wird in Indien mit Besteck gegessen, privat aber – selbst in höheren Gesellschaftsschichten – mit den Fingern. Und wer in Thailand schon mal Einheimische beobachtet hat, wird sie vielleicht mit Ringfinger, Zeigefinger und Daumen Reisbällchen formen sehen, die sie sich danach in den Mund gesteckt haben. Ansonsten gibt´s dort meist Stäbchen zum Essen.

Wilder Westen: die freie Hand fürs Schießeisen!

Einhändig gegessen wird noch heute im einst Wilden Westen der USA: Ständig lebten dort die Menschen mit der Gefahr, in eine Schießerei verwickelt zu werden. Um notfalls schnell zum Colt greifen zu können, blieb beim Essen immer eine Hand frei. Und noch heute schneiden viele Amerikaner ihr Essen klein, legen das Messer zur Seite und essen dann nur noch mit der Gabel.

Etikette: Bestecke bei Tisch von außen nach innen nutzen

So viel dazu, wie man anderswo isst. Um sich aber auch hierzulande am fein gedeckten Tisch auf das Wesentliche konzentrieren zu können, hier ein kleiner Besteck-Überblick zum Verinnerlichen: Liegen mehrere Messer und Gabeln neben den Tellern, werden sie der Reihe nach von außen nach innen benutzt. Oberhalb des Tellers liegen kleine Bestecke für Dessert oder Käse.

Wenn's ans Verdauen geht: Besteck bitte auf vier Uhr

Hat man zu Ende genossen, kommt es auf die richtige Stellung an. Ja, Sie haben richtig gehört. Und zwar ist die geeignete Stellung zum Verdauen die „20-nach-4-Stellung“. Die betrifft allerdings nur das Besteck! Messer und Gabel legt man dabei parallel auf vier Uhr.

Ein Praliné als abschließende Gaumenfreude nach einem gelungenen Mahl gelangt aber auch hierzulande am schönsten von der Hand in den Mund.

SWR2 Impuls | Reihe Die Welt in Zahlen

Die Welt ist voller überraschender und kurioser Zahlen. SWR2 Impuls beschreibt in dieser Reihe die Welt in und aus Zahlen.  mehr...

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