Nobelpreis Medizin 2017 (Foto: Colourbox/dpa - Collage SWR)

Nobelpreis 2017 Medizin

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Der Medizin-Nobelpreis 2017 geht an Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young für die Erforschung der "Inneren Uhr", die es Lebewesen erlaubt, sich an den Tag-Nacht-Rhythmus auf der Erde anzupassen.

Wer ?
Dreimal Ostküste USA: Jeffrey C. Hall und Michael Rosbash haben zusammen an der Brandeis Universität bei Boston geforscht; Hall ist inzwischen im Ruhestand, Michael Rosbash ist mit 73 der älteste des Trios, aber immer noch in der Forschung aktiv. Der dritte Preisträger Michael W. Young arbeitet an der Rockefeller Universität in New York. Alle drei sind auf ihrem Gebiet hochangesehen, aber keine Medienstars, die auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind – als Gewinner des Nobelpreises dürfte sie heute kaum einer auf dem Schirm gehabt haben…

Wofür?
Die drei Forscher haben herausgefunden, wie unsere innere Uhr funktioniert: jede Zelle des Körpers ist an den Tag-und Nachtrhythmus angepasst; von der Uhrzeit hängt ab, welche Hormone wir ausschütten, ob wir geistig und körperlich fit sind oder wie hoch der Blutdruck ist: der steigt vor allem zwischen sechs und zehn Uhr morgens an, am höchsten ist er dann aber abends nach 18.00. Auch Körpertemperatur und Appetit werden von der inneren Uhr gesteuert – und zwar nicht nur beim Menschen, sondern bei allen mehrzelligen Lebewesen. Dass es diese innere Uhr gibt, wusste man schon lange; die ersten Versuche hat schon im 18. Jahrhundert ein Franzose mit Blumen gemacht: der stellte fest, dass Mimosen auch bei kompletter Dunkelheit morgens ihre Blüten öffnen und abends wieder schließen. Nur wusste bis zu der jetzt preisgekrönten Forschung keiner, wie das eigentlich funktioniert.

Innere Uhr (Foto: Pressestelle, Nobel price comitee -)
Unsere biologische Uhr hilft dabei, unsere Schlafrhythmen, Essverhalten, Hormonausschüttung, Blutdruck und unsere Körpertemperatur zu regulieren. Pressestelle Nobel price comitee -

Wie funktioniert es denn?

Die entscheidenden ersten Experimente haben Jeffrey Hall und Michael Rosbash 1984 mit Fruchtfliegen gemacht: da haben sie das erste Gen „period“ entdeckt, das zusammen mit einem Protein den Tag-Nacht-Rhythmus in den Zellen steuert. Später haben die Wissenschaftler dann mit „timeless“ und doubletime“ noch weitere Gene entdeckt, die sich mit Hilfe von Proteinen in einem komplizierten Wechselspiel gegenseitig aktivieren und blockieren. Der Mechanismus ist bei Fliegen der gleiche wie beim Menschen; diese innere Uhr ist ein universales Prinzip des Lebens.

Welche Rolle spielt die innere Uhr für unsere Gesundheit?

Eine ganz entscheidende, das erklärt auch, warum wir immer ein paar Tage brauchen, um uns vom Jet Lag nach dem Fliegen wieder zu erholen. Und es erklärt, warum Schichtarbeiter oft kränker sind als Leute, die tagsüber arbeiten: 80 Prozent der Schichtarbeiter haben Schlafprobleme, auch Magen-Darm-Störungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden treten häufiger auf. Sogar das Krebsrisiko steigt laut manchen Studien, wenn der Tag-Nacht-Rhythmus über lange Zeit gestört ist.

Eine Frau starrt auf ihren Wecker (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Unsere innere Uhr wird durch unseren modernen Lebensstil oft aus dem Takt gebracht. Thinkstock -
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