Bitte warten...
Neue Studie zeigt: Mit dem Renovieren lieber warten

Neuer Fußboden macht Neugeborene krank Leipziger Studie warnt vor Umweltgiften

Wenn eine junge Familie Nachwuchs erwartet, renovieren viele Eltern vorher die Wohnung. Alles soll neu und schön sein. Leipziger Wissenschaftler warnen nun davor. Sie sagen: Stopp. Warten Sie bis ihr Kind mindestens drei Jahre alt ist. Sie könnten ihm sonst schaden.

Krabbelndes Baby in Bauchlage

In neu verlegten Fußböden stecken oft giftige Chemikalien.

Die meisten Eltern wollen eine schöne, saubere und kindgerechte Wohnung. Deshalb renovieren zwei Drittel der jungen Familien, bevor der neue Erdenbürger das Licht der Welt erblickt. Eine Studie der Helmholtz Forscher in Leipzig warnt nun aber vor derartigen Aktionismus. Die Leiterin des Departements Umweltimmunologie, Dr. Ingrid Lehmann:

Also wir haben hier in unserer Studie nicht das erste Mal gesehen, dass Fußböden offensichtlich immer ein besonderes Risiko vermitteln, bei den kleinen Kindern.

Gefahr beginnt im Mutterleib

Bauch einer Schwangeren

Die Gefahr beginnt bereits im Mutterleib

Die Studie startete 2006 mit über 600 schwangeren Müttern. Denn die Forscher interessieren sich nicht erst für das Neugeborene, erläutert der Umweltimmunologe Dr. Ulrich Frank, sondern schon für die Entwicklung des Kindes im Bauch der Mutter:
Wir konnten die Gesundheit der Mütter erfassen, wir konnten aber auch erfassen, wie die Mütter zu Hause durch bestimmte Schadstoffe belastet waren und wir hatten die Möglichkeit Nabelschnurblut zu sammeln, was natürlich interessant ist für viele medizinische Laboruntersuchungen.

Verräterische Gerüche

Neben medizinischen Untersuchungen wurden auch die Wohnungen der Pärchen genau inspiziert. Dabei ging es um jede Art von Chemikalien in Wohnungen:

Ein Mann verlegt Laminat.

Gerade in Laminat-Fußböden stecken oft giftige Chemikalien.

Chemikalien können Quellen haben in Fußbodenfarben, in Möbeln, die man neu aufstellt, aber auch Kleber. Wenn man intensiv bastelt, kann man erhöhte Chemikalienkonzentration in den Räumen haben. Rauchen trägt zur erhöhten Chemikalienbelastung bei. Jede Art von Produkt, was man neu erwirbt und was riecht, sind in der Regel Chemikalienausdunstungen.

Der Geruch sei ein gutes Indiz für Schadstoffe, sagt Umweltimmunologe Dr. Ulrich Frank . Böden, Möbel oder Wandfarben, die diesen speziellen, neuen Geruch haben, sind oft belastet. Auch wenn ihn viele Menschen angenehm finden:

Das heißt, wir haben Renovierungseinflüsse untersucht. Vor allem haben wir geschaut nach dem Streichen der Wände, nach frischen, neuen Möbeln, die in die Räume gestellt wurden. Also nicht, wenn ich jetzt gebrauchte Möbel kaufe und die aufstelle, sondern wirklich neu produzierte, und nach verschiedenen Fußbodenbelägen.

Atemwegserkrankungen durch neue Möbel oder Fußböden

Die an der Studie beteiligten Kinder sind heute sechs Jahre alt. Auf dem Tisch liegen die Auswertungen der Schwangerschaftszeit und des ersten Lebensjahres. Was Ingrid Lehman daraus liest, ist sehr bedenklich:
Wir haben gefunden, dass sich das Immunsystem verändert, bei den Neugeborenen Kindern und eben auch Atemwegserkrankungen, wie diese pfeifende Atmung, häufiger auftreten in den ersten Lebensjahren, wenn Fußböden großflächig verlegt und verklebt wurden sind.

Krank durch Umweltgifte?

Krank durch Umweltgifte?

Mit neuem Fußboden ist das Risiko im ersten Lebensjahr eine Atemwegserkrankung zu bekommen ca. fünf Mal höher, so die Studie. Verblüffend für die Forscher war, dass Wandfarben kaum eine Rolle spielen. Bei neuen Möbeln sei es sehr unterschiedlich. Manche seien belastet, andere gar nicht.

Gleichbleibend gesundheitsschädlich hingegen sind Fußböden. Allen voran PVC und Laminat. Wobei die Ausdünstungen nach einigen Wochen oder Monaten aufhören. Holzfußböden scheinen unbedenklich. Allerdings gab es nicht genügend Familien die Holz verlegten, um fundierte Aussagen zu machen. Da die Mütter schon während der Schwangerschaft in die Studie einstiegen, konnten auch die Einflüsse während der Schwangerschaft genau untersucht werden und hier gibt es verblüffende Ergebnisse.

Weniger Schäden bei älteren Kindern und Erwachsenen

Wir sehen deutliche und drastische Effekte durch das Fußbodenverlegen im Nabelschnurblut der gesunden, neugeborenen Kinder und wir sehen gar nichts bei den Müttern, obwohl die Mütter in der Wohnung wohnen und das dann eingeatmet haben.

Paar mit Baby

Mit dem Renovieren der Wohnung lieber noch etwas warten

Das ungeborene Kind ist also am stärksten gefährdet. Umso älter die Kinder werden, umso mehr entwickelt sich das Immunsystem und leistet Schadensbegrenzung. Dr. Ulrich Frank empfiehlt deshalb erst zu renovieren, wenn der neue Erdenbürger schon drei Jahre alt ist und:

…lieber ein bisschen schmuddelig, aber keine Ausdünstungen von diesen flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen.

Weitere Themen in SWR2