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Museum für verschwindende Geräusche Den Sound konservieren

Die mechanische Schreibmaschine, das Telefon mit Wählscheibe, die Kaffeemühle oder Muttis alter Föhn. Es gibt nicht nur ausgestorbene Tiere oder Pflanzen, sondern auch Geräusche, die wir in der Regel nicht mehr im Alltag hören. Und für diese Geräusche gibt es jetzt ein eigenes Museum im Internet: Das Onlinemuseum für verschwindende Geräusche. SWR2 Impuls sprach mit Jan Derksen, einem der Ideengeber des Projektes.

Warum sammeln Sie Geräusche wie z.B. das Aufkurbeln einer alten Filmkamera?

Das ist eine gute Frage. Wir waren zum einen fasziniert von der Idee, dass es so was eigentlich noch gar nicht gibt. Man stellt ja normalerweise Gemälde oder Gegenstände, Designgegenstände aus, aber Geräusche eigentlich nicht. Aber Geräusche gehören eigentlich auch dazu, gehören auch zum allgemeinen Kulturgut, und die werden so ein bisschen vergessen. Und wir haben uns einfach überlegt, was man da machen kann, und hatten dann die Idee, einen multimedialen Ort zu schaffen, wo sich Menschen generationenübergreifend einfach an solche Dinge erinnern können.

Vom Aussterben bedrohte Geräusche
(Zum Hören bitte auf das jeweilige Bild klicken)

Vom Aussterben bedrohte Geräusche


Das ist vor allem aber auch die Liebe, die Sie zu den alten Geräuschen, zu den alten Gegenständen haben?

Jan Derksen

Jan Derksen

Ja auch. Aber wir würden uns jetzt nicht direkt als Sentimentalisten bezeichnen oder als Nostalgiker. Wir waren einfach fasziniert von der Idee, dass man etwas kreiert, das es in der Form einfach noch nicht gab. Und wir haben auch eine sehr gute Resonanz darauf bekommen. Das bestätigt uns auch ein bisschen in der Idee, dass wir das anscheinend ganz richtig gemacht haben.

Bei manchen Geräuschen, wie z.B. dem eines alten Rasierers, könnte man doch froh sein, dass die ausgestorben sind, und heute leiser klingen, oder?

Eigentlich schon. Aber ganz viele Menschen, die solche Geräusche hören, haben da immer eine ganz individuelle Erinnerung daran, und werden dann auch noch mal an Geschichten erinnert. Also es ist ganz interessant, da noch einmal ein Feedback von den Leuten zu bekommen.

Was bekommt man da für ein Feedback?

Alter Föhn

Geräusche wecken Erinnerungen

Das ist ganz unterschiedlich. Manche Leute erzählen, dass sie damals besonders gut einschlafen konnten, wenn sie einen Fernschreiber gehört haben. Oder zum Beispiel, dass sie gut Texte auswendig lernen konnten, wenn sie den Föhn der Mutter im Badezimmer gehört haben. Das ist ein sehr breit gefächerter Bereich. Wir sind auch immer sehr erstaunt, was es da so an Geschichten gibt, die wir dadurch ein bisschen zu Tage fördern.

Was sind das für Leute, die Ihnen solche Geräusche als Mp3-Datei zuschicken für Ihr Museum?

Das meiste machen wir wirklich komplett selber, aber wir haben auch die Funktion auf unserer Internetseite, dass man uns auch Dinge selber hochladen kann. Wir kriegen auch teilweise unaufgefordert Material zugeschickt. Das müssen wir dann so alles sichten und ein bisschen "kuratieren". Ja, das Feedback ist auf jeden Fall sehr groß. Und wir bekommen auch jede Menge Vorschläge, was wir noch aufnehmen könnten, wo wir noch hingehen könnten. Ich kenne auch noch nicht alle Geräusche von uns auswendig. Wir warten auch schon auf den ersten Kandidaten, der sich mit der Wette dann bei "Wetten Dass" bewirbt.

Was ist denn Ihr Lieblingsstück in der Sammlung?

Junkers Ju 52

Junkers Ju 52

Ein Lieblingsstück habe ich eigentlich nicht. Das wohl Spektakulärsten, was wir aufgenommen haben, das war eine alte Ju-52, das alte dreimotorige Flugzeug aus den Dreißiger Jahren. Da konnten wir wirklich mitfliegen, das war so eines der spektakulärsten Geräusche, die wir aufgenommen haben.


Wie viele Sounds haben Sie bisher versammelt in Ihrem Online-Museum?

Momentan haben wir ungefähr 120 Geräusche in unserem Online-Museum online, wobei wir noch jede Menge in der Schublade haben. Die werden jetzt alle so nach und nach hochgeladen und bearbeitet.

Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob ein Geräusch im Museum landet oder doch eher im privaten Archiv?

Cassettenrecorder

Cassettenrecorder - ein Auslaufmodell

Es gibt keinen strikten Kriterienkatalog. Das Hauptkriterium ist natürlich, dass diese Geräusche irgendwie dabei sind, auszusterben. Und dann hören wir uns diese Geräusche an und entscheiden, passt das irgendwie rein, ist das interessant. Es kann auch total skurril sein, wie Zum Beispiel das Geräusch eines Gerätes, das man vielleicht vorher noch gar nicht kannte. Alles was irgendwie interessant ist und wo wir denken, da haben die Leute auch irgendwie einen Bezug dazu, das nehmen wir gerne in unser Online-Museum mit auf.

Wie erkennen Sie, welches Gerät hinter einem Geräusch steckt?

Wir gehen eigentlich immer vom Objekt aus, nicht vom Geräusch. Wir sehen irgendwelche skurrilen Dinge, und untersuchen die Dinge quasi nach Geräusch. Meistens ist man eher visuell unterwegs oder haptisch, dass man das Ding in der Hand hat und dann erst darauf kommt, dass das Gerät ja auch ganz interessante Geräusche von sich gibt.


Jan Derksen (l.) und Daniel Chun (r.)

Jan Derksen (l.) und Daniel Chun (r.) haben das Museum für verschwindende Geräusche ins Leben gerufen

"Conserve the sound" ist ein freies Projekt von CHUNDERKSEN aus Essen, NRW und wurde im Rahmen des Pilotförderprogramms "Innovative Audiovisuelle Inhalte" von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert. 2013 wurde das Projekt mit dem Deutschen Kulturförderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft BDI e.V. ausgezeichnet.

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