Wie Schrittzähler den Spaß am Sport vermiesen Motivationskiller Fitness-Tracker

Fitness-Apps sind wahre Alleskönner: Sie messen neben Geschwindigkeit und Wegstrecke auch Puls, Kalorienverbrauch und manches mehr. Aber laut einer neuen Studie können sie Sporttreibende auch demotivieren.

Auch die Psychologin der TU Chemnitz, Christiane Attig, hat so eine App benutzt, wenn sie joggen ging. Aber sie fühlte sich nach einer Weile von den ausgewerteten Zahlen unter Druck gesetzt. Das brachte sie auf die Idee, einmal zu erforschen, ob es anderen Menschen auch so geht. 210 Teilnehmer beantworteten online einen Fragebogen. Das brachte deutliche Ergebnisse.

Die Freizeitsportler mussten eine Situation bewerten. Das Beispiel: Jemand kommt am Bürogebäude an, hat aber seinen Schrittzähler zu Hause vergessen. Das Büro liegt im vierten Stock, normalerweise nimmt er immer die Treppe, damit die Schritte gezählt werden. Was jetzt? Lieber den Aufzug nehmen, denn die Schritte werden ja eh nicht gezählt? Oder trotzdem die Treppe hochlaufen?

App verdirbt die Laune

Ungefähr 18 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in solchen Situationen die "faulere" Option wählen würden. Fast jeder Fünfte Nutzer von Fitness-Apps oder Schrittzählern bewegt sich also weniger, wenn das Gerät nicht mitzählt. Und jeder zweite, so ein weiteres Ergebnis der Studie, beschäftigt sich auch gedanklich ständig mit dem Schrittzähler oder Tracker und lässt sich davon sogar die Laune verderben.

Die Psychologin machte folgende Beobachtung: Nur, wenn der Tracker alle Aktivitäten mitmisst, empfinden die Probanden Spaß beim Sport und sind stolz auf ihre Leistung. Ebenso groß ist die Enttäuschung, wenn das Tagesziel nicht erreicht wurde. Diese Phänomene sind aus der Psychologie bekannt. Man kann sie schon bei kleinen Kindern beobachten, wenn sie Bilder malen und dabei entweder mit Bonbons belohnt werden oder nicht.

Der Effekt heißt 'Korrumpierungseffekt'

Man lässt sich also bestechen, durch Bonbons oder das tolle Ergebnis auf dem Schrittzähler. Dadurch werde aber, sagen die Psychologen, eine vormals innere Motivation durch eine äußere ersetzt. Und das ist schlecht: Fehlt die äußere Motivation - die Bonbons oder die tollen Werte auf der App - sinkt die Laune. Vielleicht hört man dann sogar ganz auf zu laufen. Ob das langfristig die Folge ist, will Christiane Attig nun in einer Folgestudie untersuchen.

Ein Mann und eine Frau schauen in einem Fitnessstudio auf ein Smartphone. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Gesundheitsapps können vielleicht anfangs zu mehr Bewegung motivieren, aber viele Menschen verlieren dann aber auch schnell wieder die Lust auf mehr Bewegung. Foto: Colourbox.de -
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