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Modification von Games als anarchisch-kreativer Faktor: das Beispiel Skyrim

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„Modder“ sind der anarchisch-kreative Faktor in der Spielszene: Sie verbessern und erweitern kommerzielle Games mit eigenen Programmzusätzen oder machen aus den Bausteinen eines vorhandenen Spiels etwas völlig Neues. Auch „Skyrim" wäre wahrscheinlich längst in Vergessenheit geraten, ohne die vielfältige Modding-Szene zu dem Spiel.

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Im Open-World-Rollenspiel „Skyrim“ gibt es kaum Grenzen

„Hey, Ihr da! Endlich seid Ihr wach…“ Mit diesen unter Gamern legendären Worten beginnt das Spiel „The Elder Scroll V: Skyrim“, oder einfach „Skyrim“: Wir sitzen als Gefangener auf einem Pferdekarren, wie sich schnell herausstellt auf dem Weg zu unserer eigenen Hinrichtung. Aber die Umstände ändern sich schnell.

„Skyrim“ feiert dieser Tage seinen zehnten Geburtstag. Dieses Computerspiel entführt seit einem Jahrzehnt in eine nordisch anmutende Fantasy-Welt, voller Schwertkämpfe, Zaubertränke, Monster und Diebe. Das Open World-Rollenspiel erlaubt dabei sehr viele Freiheiten: Vom zerlumpten Todeskandidaten entwickeln wir uns bis zum schwer bewaffneten Drachenjäger, aber auch alles dazwischen ist möglich.

„Skyrim“ wird auch zehn Jahre nach seiner Erscheinung intensiv gespielt

Dieser zehnte Jahrestag wird gefeiert: Mit einer pompösen Jubiläums-Ausgabe des Spiels, mit einem opulenten Spielmusik-Konzert des London Symphony Orchestra auf YouTube, und vielen Erinnerungen an ein Spiel, das 2011 einen wahren Online-Hype auslöste und das – erstaunlicherweise – heute fast noch genauso intensiv gespielt wird wie damals.

Jochen Koubek, Professor für Computerspielewissenschaften an der Universität Bayreuth: „Ich kenne viele, die das gespielt haben, die die Hauptstory nie zu Ende gespielt haben, weil sie dann irgendwann in dem Dorf sich niedergelassen haben und da Häuser bauen oder irgendwie Händler werden und mit der ansässigen Bevölkerung irgendwie interagieren, bis sie dann im Zweifel die Mods entdecken und ganz viele andere Dinge irgendwie machen können.“

Die „Mods“ in Skyrim decken nahezu alle Bereiche ab

Dieses „Mods“ steht für Modifikationen. Und „Modden“ oder „Modding“ ist ein wichtiger Aspekt von Onlinespielen. Jochen Koubek erklärt das Prinzip: „Modding ist die Veränderung des Erlebnisses durch die Nutzerinnen und Nutzer. Vergleichbar ist das, wenn Sie ein Brettspiel haben und sagen „Wir machen Hausregeln“. Das kann man beliebig weit treiben und irgendwann spielt man ja auch nicht mehr Mensch-Ärger-Dich-Nicht, sondern eigentlich ein neues Spiel. Und so was lässt sich auch auf den Computer übertragen.“

Für „Skyrim“ allein bastelten engagierte Gamer in den zehn Jahren seit seiner Veröffentlichung sehr viele Mods. Sie decken alles Mögliche ab: Von höherer Grafikauflösung, besseren Lichteffekten oder benutzerfreundlicheren Menüs, bis hin zu neuen Landschaften und Städten, alternativen Geschichten und Waffen, oder auch der Möglichkeit, mit einer Angelrute zu fischen.

Rund 100.000 Mods gibt es für Skyrim – auch anzügige

Generell kann man sagen: Wenn einem Spiel etwas fehlt, ob optisch oder inhaltlich: Irgendwer wird eine Mod basteln, die den Mangel behebt.

„Was fehlt in Skyrim, ist jegliche Sexualität. Und es gibt eine genauso gigantische Community, die nichts anderes macht als Sex-Mods. Das ist einer der größten Subcommunities in der Skyrim-Welt, wo sie irgendwelchen Nudes und pornografisches Material finden, das dann als spielbare Inhalte zur Verfügung steht.“ erwähnt Jochen Koubek.

Allerdings: Von den 60 - 100.000 Mods, die es für Skyrim gibt, stellen diese – manchmal durchaus problematischen – Mods nur einen winzigen Teil, der auch auf entsprechend deutlich markierten Servern zum Download bereit liegt.

Mods verbessern das Fantasy-Spielerlebnis

Die Mehrzahl der Mods verbessert und bereichert einfach das zentrale Fantasy-Spielerlebnis. Und wenn man betrachtet, was sich da an neuen Geschichten, Welterweiterungen und liebevollen Details findet, …

„…dann sieht man, wie groß die Welt ist, wie viele Dinge man einfach nicht kannte und wie viele Menschen auch bereit sind, richtig viel Zeit und Energie in solche Projekte zu stecken. Und das finde ich immer wieder aufs Neue erwärmend“, so Kubek.

Londoner Symphonie-Orchester spielt den Skyrim-Soundtrack zum 10. Jubiläum des Spiels:

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