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Mini-Appartements und Tiny Houses – Konzepte gegen Wohnungsnot

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Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Manche setzen deshalb auf Mini-Appartements und "Tiny Houses". Oder auf innovative Konzepte wie "Cluster-Wohnen". Noch sind es Randerscheinungen. Das könnte sich ändern.

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Ungleich verteilte Wohnfläche, rasant steigende Mieten, teure Eigentumswohnungen. Gewinne für Bodenspekulanten, Wohnraummangel für Geringverdiener. Dazu steigende Mobilität, Reurbanisierung, Alterung der Gesellschaft, der Trend zu Ein-Personen-Haushalten – all diese Entwicklungen überlagern sich und sorgen für Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Experten schätzen, dass im Mittel bis 2030 jährlich 230.000 Wohnungen neu gebaut werden müssen.

Zwar boomt die Baubranche und es werden Jahr für Jahr Milliarden in den Immobilienbereich investiert. Doch setzen Investoren und Anleger im Niedrig-Zins-Zeitalter vor allem auf das sogenannte "Betongold". Kaufen, verkaufen, weiterverkaufen - im Wohnungs-Monopoly steigen die Preise immer weiter. Und so entwickeln sich Alternativen - Tiny Houses.

Bezahlbarer Wohnraum: Das Flexhome

Helles Holz, Küchenzeile, Kleiderschrank, Bett, Tisch; dazu eine große Panoramascheibe. Und natürlich ein Badezimmer. Das Ganze auf 20 Quadratmetern. Das "Flexhome" steht auf dem Firmenhof der Tischlerei Hantschel im thüringischen Saalfeld. Die Hantschels bauen seit drei Generationen mit Holz.

Mini-Haus auf Rädern (Foto: SWR, SWR -)
Ein Mini-Haus auf Rädern SWR -

Tiny Houses - Das Prinzip

  • Die Größe der Grundfläche: Sieben mal drei Meter. So passt das Tiny House gerade noch auf einen Tieflader, denn mit dem Flexhome sollen die Besitzer leicht umziehen können.
  • Der begrenzte Innenraum wird optimal genutzt: Bett und Tisch teilen sich denselben Platz, indem sie um eine gemeinsame Achse rotieren.
  • 27.000 Euro kostet die Basisversion zum Selbstausbau, knapp 80.000 die vollausgestatte Variante, wie sie auf dem Firmenhof steht.

Wer das Flexhome aufstellen will, braucht neben einem Punkt- oder Streifenfundament auch eine Bau-Genehmigung.

Das Mini-Haus, das die Tischler-Familie anbietet, sorgt regelmäßig für Aufsehen. Ein Statiker hat neulich erst berechnet, dass sich das Mini-Haus durchaus auch auf dem Flachdach einer Mietskaserne aufstellen ließe, erzählt Kristin Hantschel. Mittlerweile versuchen einige Dutzend Unternehmen in Deutschland Tiny-Häuser an den Kunden zur bringen.

Cluster-Wohnen

Ricarda Pätzold ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Urbanistik.

Sie greift zu Stift und Papier und beginnt zu zeichnen: einen großen, viel-eckigen Raum, von dem strahlenförmig acht Kammern abgehen. Der Entwurf stammt von zwei Wiener Architekten. "Cluster-Wohnen" – so werden Konzepte bezeichnet, bei denen sich kleinere Wohnräume um einen Gemeinschaftsraum gruppieren.

54 Quadratmeter misst die gesamte Wohnung. Drei der acht Räume sind belegt mit Küche, Bad, Abstellraum. Die übrigen fünf Kammern können als Erweiterungsnischen des Wohnraumes, als eigenständige Zimmer oder zusammengelegt als größeres Zimmer genutzt werden. Eine Wohnung ist damit nicht mehr für eine bestimmte Bewohnerzahl konzipiert, sondern kann nach Bedarf angepasst werden.

Keine Bewegung auf dem Wohnungsmarkt

Es gibt also innovative flexible Konzepte. Doch beim derzeitigen Wohnungsneubau werden sie selten berücksichtigt. Stattdessen dominiert der Rückgriff auf Altbewährtes: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer. Die Bauherren planen für die vierköpfige Familie, die aber längst nicht mehr die dominierende Lebensform in Deutschland ist.

Derzeit ist auf den Mietwohnungsmärkten in Großstädten wie München, Stuttgart, Frankfurt oder Berlin kaum Bewegung. Wer einen alten, günstigen Vertrag hat, zieht nicht mehr um, selbst wenn sich die Lebensumstände ändern.

Um Bestandswohnungen effektiver zu nutzen, versuchen einige Kommunen den Wohnungsmarkt mit Tauschbörsen in Schwung zu bringen. In Frankfurt am Main etwa zahlt die Stadt Umzugsprämien, wenn eine große, geförderte Wohnung gegen eine kleinere getauscht wird.

"Aus groß mach passend" heißt das Angebot der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft. In Berlin haben sich sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen zu einem Tauschportal zusammengeschlossen. Den Wohnraum den individuellen Bedürfnissen anpassen, ohne sich finanziell zu verschlechtern. Das war die Idee. Im September 2018 ging das Portal online.

Menschen nehmen vor dem Rathaus an einer Demo gegen Wohnungsnot teil, während im Rathaus die Generaldebatte des Gemeinderates Stuttgart zum Thema Wohnungsnot läuft. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Gegen das Geschäftsgebaren großer Immobilienkonzerne gibt es Proteste picture-alliance / dpa -

Doch der demographische Wandel, neue Lebensentwürfe, Patchwork-Familien, flexible Erwerbtätigkeit, der Drang in die Städte – all das wird in Zukunft neue Wohnformen erfordern.

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