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Eine Frau mit Kopfschmerzen legt ein kühles Tuch auf ihre Stirn

Bürgerwissenschaft gegen den Schmerz "Migräne-Radar"

Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit, manchmal Sehstörungen, aber vor allem pochende stechende Kopfschmerzen, üblicherweise nur auf einer Seite des Kopfs, das sind ganz typische Zeichen einer Migräne. Jeder Zehnte hierzulande leidet unter diesen regelmäßigen Kopfschmerzattacken. Rund 8 Millionen Menschen. Wie so ein Migräneanfall im Körper abläuft, das ist noch nicht abschließend geklärt. Viele Faktoren scheinen als Auslöser eine Rolle zu spielen: Stress, Ernährung, Hormone, Wetter, Schlafprobleme. Der Erforschung der Migräne dient auch "Migräne-Radar" - das ist eine Internetseite, auf der Menschen Migräne Anfälle melden können. Betrieben wird die Seite von Wissenschaftlern und Studierenden der Hochschule Hof. Professor Jörg Scheidt leitet das Projekt.

Herr Scheidt, wie funktioniert das, wenn ich einen Migräneanfall beim Migräne-Radar melden will?

Zunächst muss man sich auf der Website registrieren, man füllt dort ein Formular aus und hinterlässt seine Emailadresse, das kann auch gerne eine anonyme Emailadresse sein, die nicht auf Ihren Namen schließen lässt, denn Sie geben schließlich Gesundheitsdaten von sich preis. Wenn man dann einen Migräneanfall hat, dann gibt man die Begleitumstände, den Beginn, die Dauer und die Stärke an. Hintergrund dieser Angaben ist, wir wollen möglichst genau untersuchen, welche Faktoren zur Migräne führen. Dazu gehört auch der Ort, um die dazugehörigen Wetterdaten vom Deutschen Wetterdienst dazu nehmen zu können. Dies gilt insbesondere für das Wetter in den Tagen vor dem Anfall, denn man nimmt an, dass Wetteränderungen zu Migräne führen können.

Anhand dieser Daten versuchen Sie Einflussfaktoren für Migräne zu bestimmen?

Ein weiteres Beispiel ist jemand, der Vollzeit arbeitet, und betroffen ist von der sogenannten Wochenendmigräne. Diese rührt daher, dass es nach Stressabfall vermehrt zu Migräne kommen kann. Hier sollte es signifikante Unterschiede von Arbeitenden und beispielsweise Rentnern geben.

Migräne bei Jugendlichen

Jede(r) Zehnte hierzulande leidet unter diesen regelmäßigen Kopfschmerzattacken, das sind rund 8 Millionen Menschen

Was für Ergebnisse haben Sie in den ersten Jahren bereits zusammentragen können?

Wir haben viele Statistiken erstellen können, die Verteilung auf männliche und weibliche Patienten, den Anteil jener, die von Sehstörungen betroffen sind, und welche Alters- und Berufsgruppen besonders betroffen sind. Auch haben wir konkrete Zahlen zu der bisher nur vermuteten Wochenendmigräne, die zeigt, dass hier die Anfälle besonders an Samstagen auftreten, aber auch in der Wochenmitte.

Der Migräne-Radar ist Teil der "citizen science"- der Bürgerwissenschaften, was bedeutet das für Sie?

Das Projekt steht und fällt mit der Teilnahme von möglichst vielen Patienten. Man spricht von statistischer Signifikanz, wenn wirklich ein ganz klares Indiz in Form von Zahlen vorliegt. Und das haben wir nur, wenn eine große Anzahl von Personen mitwirkt, davon ist unsere Arbeit abhängig. Außerdem haben uns die Teilnehmer sehr viele Hinweise geben können, was genau denn alles zum Gegenstand der Forschung gemacht werden solle. Auf diese Vorschläge gehen wir ein und benötigen hier die Hilfe der Betroffenen.

Gewitter im Kopf

Das Projekt "Migräne-Radar" steht und fällt mit der Teilnahme von möglichst vielen Patienten

Und wie genau behandeln Sie die Daten im Sinne des Datenschutzes?

Man kann wie gesagt eine Emailadresse auswählen, die keinen Rückschluss auf den Namen zulässt. Außerdem anonymisieren wir die Daten bei der medizinischen Auswertung dann komplett. Die gesamte Kommunikation läuft verschlüsselt ab, und wir achten auch auf solche Maßnahmen wie die alleinige Erhebung des Geburtsjahres und nicht des kompletten Geburtstages.

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