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Xalkori, Zelboraf und Qnasl Warum viele Medikamente merkwürdige Namen tragen

Viele Klassiker der Medizin haben ausgesprochen eingängige Namen: Viagra zum Beispiel oder Aspirin. Wer Latein gelernt hat, denkt an aspirare, beistehen oder ausatmen, das passt gut zu einem Kopfschmerzmittel. Und die Assoziation "vital" bei der wohl bekanntesten Potenzpille ist natürlich gewollt. Seit einigen Jahren aber verschreiben Ärzte immer häufiger Medikamente mit bizarren Namen wie Zosyn, Xeljanz oder Xgeva – warum das so ist, hat Ulrike Till für uns recherchiert.

Medikamentennamen

Medikamentennamen - was steckt dahinter?

Markennamen sollen neugierig machen, Sympathie wecken – und sie müssen sich leicht merken lassen. Das gilt für Autos, Schokoriegel und Waschpulver – aber nicht für Medikamente. Denn auf dem Pharmamarkt gelten eigene Regeln, die kaum ein Patient kennt. Und die führen dann zu so befremdlichen Kreationen wie Ziax, Jevtana oder – kaum auszusprechen – Qnasl.


Geheimcodes für Ärzte

Bis zu fünf Jahre brüten spezielle Agenturen über der Entwicklung dieser Namen – und haben dabei als Zielgruppe nicht Patienten, sondern vor allem Ärzte im Visier. Ein neues Mittel gegen Lungenkrebs zum Beispiel blockiert das Gen ALK – deshalb heißt das Medikament jetzt Xalkori, mit dem X als Zeichen für Zielscheibe, gefolgt von den Buchstaben des unterdrückten Gens. Nur Ärzte und Forscher können das erkennen – aber für diese Adressaten ist der Name eingängig.

Verwechslungen nicht ausgeschlossen

Die Pharmafirmen müssen sich ihre linguistischen Kreationen aber erst von den Zulassungsbehörden genehmigen lassen. Die weltweit mächtigste ist die FDA, die amerikanische Food and Drug Administration. Die FDA-Beamten achten unter anderem streng darauf, dass ein neues Mittel nicht mit einem schon vorhandenen verwechselt werden kann. Dabei kommt es auch darauf an, dass sich der Name eindeutig identifizieren lässt, wenn ein Arzt ihn eilig auf seinen Rezeptblock kritzelt – das prüfen die Experten in aufwendigen Handschriftentests. Dennoch sind der Behörde schon einige Beinahe-Doubletten durchgerutscht: Zantac und Xanax oder Paxil und Plavix zum Beispiel.


Prostata mit X oder Z

Beratung in einer Apotheke

Medikamentenvielfalt in der Apotheke

Besonders fatal ist die Namensähnlichkeit zwischen dem Krebsmedikament Neulasta und dem Schlafmittel Lunesta – eine Verwechslung kann hier gravierende Folgen haben. Besonders für Onkologen ist es schwer, den Überblick zu behalten. Denn in der Krebsmedizin gibt es besonders viele ähnlich klingende Neuentwicklungen – und eigenartigerweise beginnen die meisten von ihnen mit X oder Z. Ein Prostataspezialist hat das kürzlich im New England Journal of Medicine angeprangert: Xgeva, Zytiga, Xtandi und Zometa heißen die jüngsten Mittel auf seinem Gebiet. Die FDA wies den Vorwurf zurück – und ließ ein weiteres Medikament für fortgeschrittenen Prostatakrebs zu – es heißt Xofigo.

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