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Ein Heizungsthermostat liegt auf Euroscheinen daneben ein Sparschein und ein Haus

Mehr Miete fürs Energiesparen Ist Dämmen sozial?

Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, dann müssen wir auch weniger Energie verbrauchen. Zum Beispiel, indem wir unsere Wohnhäuser energetisch sanieren – also Fenster und Heizung tauschen oder Wände und Dach dämmen. Dass solche Maßnahmen sinnvoll sind, ist unstrittig, aber für viele Mieter heißt das nachher: Die Miete geht rauf - manchmal um mehr als die Hälfte. Was für soziale Folgen haben also diese Sanierungen und lässt sich daran etwas ändern?

Eine energetische Sanierung bedeutet immer Lärm und Dreck, aber wenn man damit das eigene Haus aufwertet erträgt sich das häufig leichter, als wenn man nur zur Miete wohnt. Dennoch – sagt Sebastian Metzger von CO2online, einer gemeinnützigen Beratungsgesellschaft für Energiefragen, auch Mieter sind häufig froh, wenn Ihr Haus gedämmt wird: Mieter leiden unter schlecht gedämmten Wohnungen.

Jeder freut sich etwas mehr Wohncomfort, sagt auch Rolf Gaßmann vom baden-württembergischen Landesverband des Deutschen Mieterbundes. Und auch die überwiegende Zahl der Mieter stehe hinter der Energiewende: Wir wollen, dass die Kosten gerecht verteilt werden.

Mietwucher nach Wärmedämmung

Konkret heißt das: Der Vermieter darf jedes Jahr elf Prozent der Sanierungskosten auf die Miete aufschlagen. Hat er zum Beispiel 30.000 Euro investiert, dann wären das pro Jahr 3.300 Euro, im Monat also satte 275 Euro. Hat er mehr investiert wird es entsprechend teurer. Die Folge: Nach zehn Jahren hat der Mieter die komplette Sanierung bezahlt, aber die Energiekosten, die er nach der Dämmung dann spart, machen meistens noch nicht einmal ein Viertel der Mieterhöhung aus. Für viele sind diese Mehrkosten – mehr Wohnkomfort hin oder her – kaum zu schultern. Rolf Gaßmann: In vielen Städten sind die Mieten ohnehin so hoch und dann wird das eine hohe Belastung, vor allem wenn der Spielraum voll ausgeschöpft wird.

eine Grafik

Mieten sind in vielen Städten ohnehin schon teuer. Nach einer Modernisierung spart man in der Regel zwar Nebenkosten, doch die Mieten steigen oft immens.

Kosten für Dämmung sollten geteilt werden

Immer wieder müssten Mieter sich dann etwas anderes suchen, sagt Gaßmann und es käme auch vor, dass Sanierungsmaßnahmen und die dann angedrohten Mehrkosten benutzt würden, um unliebsame Mieter loszuwerden. Wenn Vermieter und Mieter sich persönlich kennen und ein gutes Verhältnis haben, dann hielten sich die Mieterhöhungen meistens im sozial verträglichen Rahmen, während, so Gaßmann, Kapitalgesellschaften oft ausschöpfen würden, was rechtlich geht und in Städten mit Wohnungsnot wie Stuttgart und Freiburg könnten sie das auch, weil weil Wohnungen ohnehin Mangelware sind. Der Deutsche Mieterbund hält energetische Sanierungen für richtig und wichtig, aber er fordert: Kosten sollen gedrittelt werden, zwischen Mietern, zwischen Vermietern und zwischen Staat.

Mieter in Modernisierung mit einbeziehen

Dann hätten alle was davon, zumal Vermieter die Sanierungskosten auch noch von den Steuern absetzen können. Geringere Mieterhöhung bei gleichzeitig niedrigeren Energiekosten würden die Akzeptanz energetischer Sanierungen sicher erhöhen, so Gaßmann, aber dabei sollten Vermieter die Mieter mitnehmen und deren finanzielle Leistungsfähigkeiten berücksichtigen.

Heizkosten

Die finanziellen Möglichkeiten von Mietern sollten bei der Modernisierung mit berücksichtigt werden.

Und wenn die Sanierungen dann noch so geplant werden, dass nachher die Möbel trotz neuer Heizkörper noch passen, dann sei, so Sebastian Metzger von Co2-online, die Akzeptanz von Mietern in der Regel sehr hoch.

Auch dann müssen die Mieter Baulärm und Dreck ertragen, aber das – so Rolf Gaßmann – würde sich in in Grenzen halten, wenn die Vermieter Modernisierungsmaßnahmen so planen, dass sie zügig abgewickelt werden.

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