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Der argentinische Wundertrank Mate Grünes Gold

Ein alltägliches Bild in der Hochburg des Mate – in Uruguay – sind die Schlangen von Leuten, die an den Bushaltestellen stehen, jeder mit einem Mate in der Hand und einer Thermoskanne unter dem Arm. In Argentinien ist Mate das Volksgetränk, dem alle möglichen wundersamen Eigenschaften zugesprochen werden. Man sagt dem Getränk zum Beispiel nach, dass es Heiterkeit erzeugen und Müdigkeit vertreiben soll.

Die traditionelle Trinkweise des Mate in Buones Aires

Die traditionelle Trinkweise des Mate in Buones Aires

Mate ist ein immergrünes Lorbeergewächs, beheimatet im südlichen Lateinamerika, genauer: in Paraguay und Nordargentinien, zwischen dem 20. und 30. Breitengrad der Südhalbkugel. Es wächst wild in den breiten Tälern der Flüsse Paraná und Paraguay. Die Pflanze braucht das subtropische Klima: Hitze und viel Regen.

mate

Werbung für Mate

Ilex paraguarensis nennen die Botaniker den bis zu 15 Metern hohen Baum mit seinen weißen Blüten und ledrigen, harten Blättern. Diese Blätter werden getrocknet und in einem langwierigen Prozess zu Yerba Mate gemacht, dem Kraut, aus dem der Aufguss zubereitet wird. Mit Tee hat das nichts tun, denn Teesträucher und Matebäume haben botanisch nichts gemein und außerdem wird Mate anders aufgegossen.

Zu einem richtigen Mate gehören eine Reihe von Utensilien: Das runde Trinkgefäß, etwa so groß wie eine Tomate, die getrockneten Yerbablätter, die in Deutschland fälschlich unter dem Namen 'Mate-Tee' verkauft werden, dann das Trinkrohr, die sogenannte Bombilla, und ein Kessel heißes Wasser. Für unterwegs reicht auch eine Thermoskanne. Die Trinkröhrchen, die Bombillas, haben unten ein kleines Sieb, das Yerba-Blättchen zurückhält.

Nimm' die Bombilla, oder es knallt

Mate zu trinken bedeutet auch immer die Einladung, das gemeinsam zu tun

Mate zu trinken bedeutet auch immer die Einladung, das gemeinsam zu tun

Früher wurden Bombillas aus einem Bambusröhrchen hergestellt, heute sind sie meist aus Metall. Eine Bombilla, die im Mategefäß steckt, darf man nicht anfassen, man darf damit auch nicht im Gefäß herumrühren, und schon gar nicht darf man sie – wenn sie einem angeboten wird – als unhygienisch zurückweisen. Mate ist nun mal ein Gemeinschaftsgetränk.

Man füllt das Matetöpfchen mit Yerba, aber nicht bis obenhin, damit es später, wenn man Wasser aufgießt, noch quellen kann. Das Wasser darf nicht kochen, sonst verbrennt das Yerba regelrecht und verliert seine grüne Farbe, das es bei Idealtemperatur hat. Und der Mate würde auch nicht schmecken – und wäre zu heiß, um ihn sofort zu trinken.

Plaza del Congreso, Buenos Aires, Argentina

Buenos Aires, Argentinien

Das Wort Mate, ursprünglich mati, stammt aus der indianischen Sprache Quechua und bedeutet 'Kürbis' und gleichzeitig 'Behälter', weil die meisten Behälter in den indianischen Haushalten Jahrhunderte lang aus ausgehöhlten Kürbissen hergestellt wurden, nützlich und schön mit ihren harten Schalen und bunten Farben. Die Sprache Quechua ist von Ecuador bis Nordargentinien verbreitet – etwa im Bereich des früheren Inka-Imperiums, und so kennt man das Wort Mate in mehreren Ländern Südamerikas.

Matelegenden

Die Guaraní-Indianer aus Paraguay und Nordargentinien, die das Matetrinken erfunden haben, nennen das Kraut caá, und erzählen eine Legende zu seiner Entdeckung: Die Legende von Caá Yarii, der Schutzgöttin des Yerba Mate.

Wenige Jahre nach der Entdeckung landeten hier auch Vasco da Gama und Kolumbus

Caá Yarii ist die Schutzgöttin des Yerba Mate

Durch die dichten Wälder zog von Ort zu Ort ein Stamm der Guaraníes. Ein alter Mann aber konnte nicht mehr mithalten. Er baute sich eine Hütte im Wald, um dort zu wohnen. Seine Tochter, die schöne Yarii, blieb bei ihm. Eines Abends, kurz vor Sonnenuntergang, kam ein seltsamer Mann zur Hütte des Alten. Seinen Kleidern war anzusehen, dass er nicht aus diesen Wäldern stammte. Der Alte briet ein acutí, eine Waldratte, auf dem Feuer und bot das köstliche Fleisch dem Besucher an. Nachdem er gegessen hatte, lüftete der Gast sein Geheimnis: Er war ein Gesandter des Gottes Tupá. Zum Dank für die Gastfreundschaft übergab er dem alten Mann und seiner Tochter Yarii ein Geschenk. Es sollte ihnen die langen, einsamen Stunden im Wald erleichtern, und sie sollten auch jedem Gast davon anbieten. Er ließ eine Pflanze im Wald sprießen und ernannte Yarii zu deren
Schutzgöttin. Dann zeigte er seinen Gastgebern, wie man die Blätter dieser Pflanze trocknete und daraus zum Zeichen der Gastfreundschaft einen bitteren, erfrischenden Aufguss zubereitete. Von da an wuchs in den Wäldern unter den Augen von Caá-Yarii und ihres Vaters die neue Pflanze caá, Yerba Mate.

Tee der Jesuiten

Die ersten Europäer, die sich für längere Zeit in die subtropischen Dickichte entlang des Flusses Paraná wagten, waren Jesuitenpadres. Vor 300 Jahren bauten sie Missionsstationen und begannen, die Guaraní-Indianer zum Christentum zu bekehren.

Argentinien, Ruinen der Mission San Ignacio Miní

Argentinien, Ruinen der Mission San Ignacio Miní

Die Guaraníes kauten ihnen fremde Blätter oder tranken einen Aufguss davon. Die Padres probierten und waren begeistert. Binnen kurzem hatten die Heiden die Jesuiten zum Matetrinken bekehrt, und die Sitte griff in den Missionen derart um sich, dass Yerba Mate zeitweilig unter dem Namen 'Jesuitentee' bekannt war.

Als tüchtige Geschäftsleute nahmen die Jesuiten den Handel mit Yerba bald selbst in die Hand. Sie begannen mit dem systematischen Anbau der Wildpflanze. Und wer musste auf diesen neuen Plantagen in der subtropischen Hitze schuften? Natürlich die Guaraní-Indianer, die den Padres den ersten Mate aus Gastfreundschaft angeboten hatten.
Die Kirchenhierarchie war empört, und verdammte die 'heidnische Sitte des Matetrinkens', 'diesen teuflischen Aberglauben', wie das Tribunal der Inquisition 1610 in Lima wetterte. Die Europäer sollten schließlich die Indianer zu ihren Sitten bekehren, und nicht umgekehrt. Umsonst.

Und irgendwann fand der Mate auch den Weg nach Buenos Aires in die Salons der Reichen und Mächtigen, wo spezielle Matesklavinnen ihren Herren das Getränk in Gefäßen aus reinem Silber servierten.

Einen im Tee haben

Das koffeinhaltige, alkoholfreie Erfrischungsgetränk basiert auf Mate

Das koffeinhaltige, alkoholfreie Erfrischungsgetränk basiert auf Mate

Es gab in früheren Zeiten sogar eine regelrechte Sprache des Mate. Wenn ein Mädchen einem Jungen einen glühendheißen Mate servierte, hieß das – wie könnte es anders sein – ich brenne vor Liebe. Ein kalter Mate: Du bist mir gleichgültig. Ein bitterer Mate: Du kommst zu spät, ich bin jemand anderem versprochen. Ein sehr süßer Mate: Rede endlich mit meinen Eltern! Ein ausgelaugter Mate: Trink woanders. Oder das Schrecklichste von allem: ein leeres Mategefäß. Das bedeutete: Es ist aus zwischen uns.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler das Mateblatt wortwörtlich unter die Lupe genommen. Sie haben eine Reihe interessanter Ergebnisse zu Tage gefördert, vor allem eines: Mate ist äußerst gesund. Das wussten schon die Guaraní-Indianer, die Mate nicht nur tranken, sondern die gestampften Blätter auch auf Hautgeschwüre legten, denn Mate stimuliert das Immunsystem. Die Blätter enthalten einen hohen Anteil von Mineralien, zum Beispiel Kalium, Magnesium und Kalzium.

Eine Frau mit Taschentuch in der Hand trinkt einen Tee

Mate als Hausmittel

Das französische Pasteur-Institut kam zu dem Schluss, dass Mate praktisch alle Vitamine enthält, die der Mensch zum Leben braucht, und besonders viel Vitamin C. Mate wirkt auch als mildes Diuretikum – also als Abführmittel – ohne jedoch dem Körper wertvolle Mineralien zu entziehen.

Besser als Kaffee

Hinzu kommt eine Substanz, die im Mate 'Matein' genannt wird – vergleichbar zum Koffein im Kaffee. Anders als Koffein reizt Matein jedoch nicht den Magen und beeinträchtig nicht den natürlichen Schlafrhythmus. Was den meisten Matetrinkern aber wichtiger ist als Vitamine: Mate wirkt als Stimulanz, ohne nervös zu machen. Deswegen eignet er sich auch als Wachmacher nach dem Siesta-Schläfchen.

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