Informationen gegen Schweinepest an Autobahnrastplatz (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)

Vorbereitung für den Ernstfall So soll die Afrikanische Schweinepest aufgehalten werden

Nach dem Ausbruch in Belgien ist die Afrikanische Schweinepest gefährlich nahe. Mastbetriebe und Behörden versuchen, einen Ausbruch in Deutschland hinauszuzögern.

Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest?

Bereits sechs bis zehn Tage nach der Ansteckung mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) stirbt ein befallenes Schwein. Das für die ASP verantwortliche komplexe Asfivirus wütet in seinem Wirt aggressiv. Die Seuche überträgt sich nur zwischen Haus- und Wildschweinen – andere Tierarten und der Mensch sind nicht betroffen.

Bildmontage. Ein Wildschwein in freier Natur und ein Hausschwein im Stall (Foto: SWR, picture-alliance / dpa - Gregor Fischer, Uwe Anspach (Montage SWR))
Die Afrikanische Schweinepest befällt Wild- und Hausschweine picture-alliance / dpa - Gregor Fischer, Uwe Anspach (Montage SWR)

Vorbereitungen sollen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verzögern

Jetzt geht es darum zu verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest von Belgien, oder auch Polen bzw. Tschechien, nach Deutschland gelangt - oder die Ausbreitung zumindest zu verzögern.

Maßnahme 1: Weniger Wildschweine

Oberste Priorität ist, den heimischen Wildschweinbestand zu reduzieren. Er nimmt deutschlandweit seit 30 Jahren zu. Die frei lebenden Wildschweine verbreiten das Virus über weite Strecken. Kommt ein gesundes Schwein in Kontakt mit Blut oder weiteren Körperflüssigkeiten eines infizierten Schweins, kann es sich infizieren. Je mehr Wildschweine sich im Wald bewegen, desto wahrscheinlicher ist, dass sich der ASP-Erreger weiter ausbreitet.

Ausnahmsweise und nur für die Wildart Schwarzwild gelten seit diesem Jahr keine Schonzeiten mehr, außer dem gesetzlichen Schutz von Bachen als Muttertieren, die Nachwuchs tragen oder aufziehen. Damit kann ein Jäger ganzjährig auf Wildschweine jagen. Mit einem in begrenztem Umfang zugelassenen Nachtzielgerät soll er die Schweine bei Dunkelheit auch besser sehen können und dadurch mehr Wildschweine waidgerecht erlegen können – also mit möglichst kurzer Leidenszeit.

Maßnahme 2: Aufklärung von Jägern und Schweinezüchtern

Der Mensch erkrankt zwar nicht an der Afrikanischen Schweinepest - aber er ist ein idealer Überträger. Gerade Jäger und Schweinezüchter, die viel in Kontakt mit den Tieren sind, müssen deshalb geschult werden.

Dafür sorgt unter anderem Bernhard Herrmann, Hegering-Leiter im Landkreis Tübingen. Er führt in seinem Jagdbezirk in Rottenburg Schulungen für Jäger durch. Dort lernen sie, welche Symptome infizierte Wildschweine zeigen und wie verendete Tiere geborgen werden. Und zeigt ihnen weitere Vorsichtsmaßnahmen:

Jagt ein Jäger in einem Infektionsgebiet der Afrikanischen Schweinepest, sollte er vor der Heimreise ins Heimatrevier Jagdwerkzeuge, Kleidung, Auto und Hund gründlich reinigen und desinfizieren.

Ein Klumpen Erde, der aus dem Radkasten seines Wagens in seiner noch nicht befallenen Heimat auf den Boden fällt und den Schweinepest-Erreger enthält, kann gesunde Schweine bereits anstecken. Das ASP-Virus hält sich lange im Boden und kann noch Jahre später gesunde Schweine infizieren.

Das Ministerium für Ländlichen Raum Baden-Württemberg plant bereits Tierseuchenübungen. Landkreise simulieren in diesen Übungen den Ernstfall. Sie proben mit Wissenschaftlern, Veterinären, Schweinemastbetrieben und Jägern die Abläufe, wenn die Schweinepest in Deutschland ausbrechen sollte.

Jäger im Wald auf Hochsitz (Foto: SWR, Stefanie Assenheimer, SWR -)
Die Jäger wollen den Wildschweinbestand verkleinern Stefanie Assenheimer, SWR -

Auch Schweinemastbetriebe sind gehalten, mehr auf Hygiene zu achten. Viele sind bereits mit Desinfektionswannen ausgestattet.

Maßnahme 3: Planung von Sperrzonen für den Fall eines Ausbruchs der Seuche

Die erheblichen Anstrengungen von Ministerium, Wissenschaftlern und Praktikern können den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest wohl nur hinauszögern, nicht aber verhindern.

Wird ein infiziertes Haus- oder Wildschwein in Deutschland gemeldet, werden um den Fundort weiträumig Sperrzonen eingerichtet. In Belgien gibt es sie bereits in drei Stufen:

  • 6 Kilometer um den Fundort ist Betreten verboten - auch für Jäger und Landwirte. Ein Zaun hindert die infizierten Tiere am Ausbrechen aus der Zone.
  • Wildschweine außerhalb dieser Sperrzone werden innerhalb eines Radius von 15 Kilometern intensiv bejagt.
  • Innerhalb eines 30 Kilometer-Radius findet eine besondere Überwachung statt, um mögliche erkrankte Tiere rasch zu entdecken.

Im Ernstfall greift das Tierseuchengesetz, wonach der Veterinär des Landkreises die Jagd fortan steuert. Ein Ausbruch der ASP hätte jedoch nicht nur eine schwerwiegende Kompetenzverschiebung in der Jagd zur Folge.

Getötetes Wildschwein (Foto: SWR, SWR - Alexandra Daub)
Erlegtes Wildschwein SWR - Alexandra Daub

Auswirkungen auf Waldbesucher und andere Wildtiere

Durch diese Maßnahmen wird das bei Waldbesuchern so geschätzte freie Betretungsrecht des Waldes eingeschränkt.

Naturschützer kritisieren zudem die Aufhebung der Schonzeiten für Schwarzwild. Rolf Müller, Fachbeauftragter für Jagd und Wild vom Naturschutzbund Baden-Württemberg, NABU, führt aus: "Die winterliche Schonzeit wurde eingeführt, weil die meisten Wildtiere im Winter eine Ruhezeit einlegen. Sie fahren ihren Stoffwechsel runter. Sie sind darauf angewiesen, dass sie nicht gestresst und gestört werden. Werden sie gestört, kommt da einiges durcheinander.“

Der erhöhte Jagddruck wirke sich auf alle Wildtiere im Wald aus. Er könne auch das Reh- und Rotwild stören.

Auswirkungen in Schweinemast-Betrieben

Auch aus wirtschaftlichen Gründen arbeiten Gesetzgeber, Forschung und Praxis gemeinsam gegen eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland. Befällt der Virus ein Hausschwein in einem Schweinemastbetrieb, werden aus Vorsicht vor einer weiteren Verbreitung alle Schweine des Hofes gekeult. Für Landwirte ist der Verlust ihres Viehbestands oftmals ein existenzieller Verlust.

Ferkel in einem Schweinestall (Foto: SWR, SWR -)
Schweinezüchter verlieren bei einem Ausbruch ihren Viehbestand SWR -

"Nur eine Frage der Zeit"

2007 trat die Afrikanische Schweinepest in der Kaukasusregion auf. In den vergangenen zehn Jahren verbreitete sich das Virus vom Schwarzen Meer über Osteuropa bis zuletzt nach Belgien. In Deutschland wurden bislang keine infizierten Haus- oder Wildschweine mit dem ASP-Virus gemeldet.

Thorsten Beimgraben, Professor für Wildökologie und Jagdwirtschaft an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar, aber warnt: „Die Frage ist nicht, ob das Virus nach Deutschland kommt. Die Frage ist, wann es nach Deutschland kommt.“

Karte Ausbreitung Schweinepest (Foto: https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/karten-zur-afrikanischen-schweinepest/ - Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit)
Das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit erfasst die aktuelle Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Stand: 16.10.2018. https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/karten-zur-afrikanischen-schweinepest/ - Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit
AUTOR/IN
STAND