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Mangroven "Tsunami-Bremsen" und Klimaretter

Mangroven haben als Kohlenstoffspeicher eine wichtige Bedeutung für den Klimawandel. Werden die tropischen Küstenwälder abgeholzt, hat dies gravierende Folgen für den Küstenschutz und das Klima.

Mangroven

Mangrovenwald in Australien

Spätestens nach der Tsunami-Katastrophe von 2004 war klar: Gegen solche Naturgewalten ist der Mensch machtlos. Doch an den verheerenden Folgen des Seebebens ist auch die Umweltzerstörung in den Küstenregionen schuld. Die Hälfte der Mangrovenwälder in Südostasien wurde abgeholzt, obwohl sie eigentlich als "Tsunami-Bremse" fungieren.

Schutz der Küsten

Mangrovenbaum

Neu gepflanzte Mangroven

Mangroven sind, so Ulrich Saint-Paul vom Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie ZMT, ein Übergangsbereich: In der Regel werden die Mangroven zweimal am Tag durch die Gezeiten überflutet. Von daher ist der Zugang zu diesem Lebensraum nicht so einfach. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass dieser Lebensraum bisher weitgehend ignoriert wird. Aber mittlerweile ist bekannt, dass Mangroven wichtig sind: Dort wo noch Mangroven stehen, sind die Küsten geschützter als dort, wo die Mangroven entfernt wurden.

Mangroven als CO2-Speicher

Um Hotelanlagen oder Garnelenfarmen zu bauen werden die Küstenwälder gerodet. Doch die Mangroven sind nicht nur wichtig für den Küstenschutz und als Rückzugsgebiet für lokale Fisch- und Krebsarten. Sie sind auch ein bedeutender Kohlenstoff- und damit Treibhausgasspeicher. Das bestätigen die jüngsten Untersuchungen von Tim Jennerjahn in indonesischen Mangroven-Wäldern:

Ökosystem Mangroven

Fischerboot in Mangroven

Neugepflanzte Mangroven auf den Philippinen

Die Mangroven sind ein hochproduktives Ökosystem. Wie die tropischen Regenwälder, sind sie große CO2-Speicher. Viele ihrer Blätter fallen in das Sediment, und so wird Kohlenstoff auf einem sehr kurzen Weg ins Sediment befördert. Dazu kommen dann noch die Tiden. Diese bringen Kohlenstoff vom Meer, und die Flüsse bringen auch Kohlenstoff aus dem Hinterland. Deswegen ist das ein so großer Akkumulationsraum, wo Sedimente mit hohem Kohlenstoffgehalt entstehen.

Klimakiller Mangrovenrodung

Werden die Mangroven abgeholzt, gehen also nicht nur wichtige Lebensräume für Tiere verloren. Der Kohlenstoffspeicher wird zu CO2-Quelle. Zwar sind die vernichteten Flächen im Vergleich zu den gerodeten Arealen klassischer Regenwälder sehr klein. Allerdings setzen die Mangroven dabei überproportional viel Treibhausgas frei, was amerikanische Forscher 2011 erstmals bei Untersuchungen in Indonesien und Bangladesch herausfanden. Demnach sind allein die zerstörten Mangrovenwälder für zehn Prozent des Kohlendioxids verantwortlich, das aus allen weltweit gerodeten Tropenwäldern in die Atmosphäre gelangt. Aus dem Klimaretter wird so quasi ein Klimakiller.

Emmissionshandel

Mangrovenpflanzung

Indonesische Kinder pflanzen Mangrovenbäume

Im Umkehrschluss könnten Mangroven künftig wirtschaftlich bedeutsam werden. Für Länder wie Indonesien, Sri Lanka oder Indien könnten die CO2-Speicher an ihren Küsten ein Pfund sein, mit dem sie im weltweiten Emissionshandel wuchern. Für die Zukunft der Mangroven sehen Forscher eher schwarz:

Tourismus: Feind der Mangrove

Die Erfahrung zeige, dass Umweltprobleme eher zunehmen. Selbst nach der Tsunamikatastrophe habe kein Umdenken stattgefunden. Zwar wurden grüne Schutzbereiche verlangt, indem die Hotelanlagen hinter den Küstenwäldern angesiedelt werden sollten. Da Touristen jedoch weiterhin lieber Zimmer mit Meerblick haben möchten, haben Mangroven hier keinen Platz.

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