Neue Studie zu Folgen des Klimawandels Mangelernährung durch Anstieg der CO2-Emissionen

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Durch den CO2-Anstieg in der Atmosphäre verändern sich Nährstoffgehalt und Qualität von Lebensmitteln. Mangelernährung in vielen Entwicklungsländern könnte die Folge sein. Davor warnen Forscher jetzt in einer aktuellen Studie zum Klimawandel.

Die Ergebnisse, die jetzt von der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht werden, bestätigen die Befürchtungen, dass der Klimawandel vor allem die Ärmsten der Erde mit Mangelernährung treffen wird. Die Ernährungswissenschaftler Matthew R. Smith und der Klimaexperte Samuel S. Myers haben für 151 Entwicklungsländer anhand ihrer speziellen Ernährungspflanzen und -gewohnheiten Modelle entwickelt, wie sich die Qualität der Ackerfrüchte unter einer Atmosphäre mit gestiegenem Kohlendioxidgehalt verändern wird. Das Ergebnis ist erschreckend: Zwischen drei und 17 Prozent weniger an Zink, Eiweiß und Eisen werden zukünftig in den Hauptnahrungspflanzen der Welt enthalten sein.

Kleines indisches Mädchen hält Teller in der Hand und wartet auf Essen (Foto: SWR -)
Mangelernährung durch Klimawandel SWR -

Treibhausgase beeinflussen Nährstoffgehalt von Getreide

Ein alarmierender Weckruf, wenn auch nicht der erste: Agrarwissenschaftler der Uni Hohenheim haben schon vor zwei Jahren Alarm geschlagen: Am Beispiel Weizen simulierten sie, wie sich sein Ertrag und seine Qualität verändern, wenn der Anteil des Klimagases CO2 global weiter ansteigt. Heute haben wir in der Luft einen Gehalt von 400 ppm CO2 (pro Kubikmeter Luft). Die Forschung geht davon aus, dass der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre, bedingt durch den Klimawandel, auf 550 ppm steigen wird. Das Ergebnis der Hohenheimer Studie: Der Weizen in der Klimakammer mit 550 ppm CO2 hatte im Schnitt 11 Prozent weniger Aminosäuren, das heißt, Art und Menge der Proteine im Weizen verändern sich, wenn der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ansteigt. Auch das Klebereiweiß, das Gluten, ändert sich und damit die Backeigenschaften von Weizenbrot.

Mangelernährte Familie aus Bangladesh (Foto: SWR, SWR - Thomas Kruchem)
Mangelernährte Familie aus Bangladesh SWR - Thomas Kruchem

Mangelernährung in Entwicklungsländern droht

Hohenheimer Ernährungswissenschaftler beobachteten aber damals auch schon, dass im Weizen bei höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre auch die Gehalte an Calcium, Eisen, Magnesium und Zink sinken. Das ist fatal für Menschen, für die Weizen die Grundlage der Ernährung bildet.
Besonders bedrohlich ist die Mangelernährung vor allem für junge Mütter und kleine Kinder in Entwicklungsländern wie Indien und bestimmten Ländern Afrikas und Lateinamerikas. Hier ist diese Bevölkerungsgruppe heute schon in punkto Eiweiß, Zink und Eisen mangelernährt. Ihre Zahl wird sich laut der Studie weiter erhöhen: Für das Jahr 2050 sagen die Experten bis zu zwei Milliarden Kinder und Frauen voraus, die unter ernährungsbedingter Blutarmut leiden werden.

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