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Magnetsinn bei Tieren Innerer Kompass zur Orientierung

Dass Hunde über einen einmaligen Geruchssinn und ein ausgezeichnetes Gehör verfügen, das ist bekannt. Aber sie besitzen darüber hinaus noch eine besondere Fähigkeit, wie zoologische Verhaltensforscher der Universität Duisburg/Essen herausgefunden haben. Und zwar können sie sich auch an dem unsichtbaren Magnetfeld der Erde orientieren. Entdeckt haben die Wissenschaftler diese Fähigkeit nicht etwa im Versuchslabor, sondern bei einem stinknormalen Alltagsgeschäft: dem Gassigehen.

Hunde haben auch einen Magnetsinn

Hunde haben nicht nur einen guten Geruch, sondern auch einen Magnetsinn

Nicht nur Hunde, sondern auch Rinder und Wasservögel orientieren sich am Magnetfeld. Oder der Graumull. Dieses in Afrika beheimatete Nagetier lebt unter der Erde und baut weit verzweigte Gangsysteme, in die kann Licht dringt. Trotzdem findet sich dieses fast blinde Säugetier zurecht, indem es sich am unsichtbaren Magnetfeld der Erde orientiert. In Versuchen wurden künstliche Magnetfelder erzeugt: Die Tiere, die vorher ihre Nester im Südosten ihrer Gänge bauten, richten sich im künstlichen Magnetfeld neu aus.

Ruhende Rinder

Kühe auf der Weide, rechts steht ein Baum, der Himmel ist blau mit wenigen Wolken

Auch Kühe haben den Magnetsinn

Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen haben für eine Studie Bilder des Anbieters Google Earth ausgewertet, um Rinderherden und ihre Bewegungen beobachten zu können. Über 300 Weiden mit mehr als 8.000 Rindern wurden weltweit beobachtet und jeweils die Körperlängsachse der Tiere ausgemessen. Ergebnis: die Kühe stehen auf den Weiden eher in nordsüdlicher Ausrichtung als in ostwestlicher.

Auch Reineke Fuchs denkt magnetisch

Jungfüchse spielen im Schutze alter Bunker

Füchse orientieren sich bei der Jagd am Magnetfeld

Als nächstes nahmen die Wissenschaftler eines der häufigsten Wildtiere ins Visier: den Fuchs, den sie bei der Jagd auf Kleintiere wie Mäuse beobachteten. Dabei springt er direkt auf seine Beute, auch wenn er eine Maus nicht sehen, sondern nur hören kann. In diesen Fällen springt er häufig in Richtung Nord-Nord-Ost. Dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er die Maus mit diesem Sprung fängt.

Der beste Freund des Magneten

Vom Wildtier führte der nächste magnetische Orientierungsschritt  zum Haustier, dem Hund, der als der beste Freund des Menschen gilt. Und dieser richtet sich nach der magnetischen Nord-Süd-Achse aus - zum Beispiel wenn er seinen Haufen setzt. Beobachtet wurden insgesamt 70 Hunde, und das nicht beim Routine-Gassigang an der Leine in der heimatlichen Nachbarschaft, sondern freilaufend in der freien Natur. Und wenn sich die Natur aus dem Hund heraus ihren Weg bahnt, dann können 7.000 gesammelte Daten nicht lügen. Mit dem Ergebnis: bei der Entleerung orientiert sich der Vierbeiner am Magnetfeld.

Auch als Landkarte nutzbar

Kompass

Tiere haben tatsächlich einen inneren Kompass

Und da das Magnetfeld immer und überall ist, hilft es Hunden auch, über viele Kilometer hinweg den Weg zurück nach Hause zu finden, ohne sich allein auf ihren Spürsinn verlassen zu müssen. Die Vierbeiner nutzen das Magnetfeld etwa so, wie Menschen eine Wanderkarte benutzen und sich diese von Nord nach Süd vor die Augen halten. Jetzt müssen die Forscher nur noch herausfinden, wo sich dieser fabelhafte Magnetsinn der Tiere befindet.

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