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Magnetkrampftherapie gegen Depressionen Wenn kein Medikament mehr hilft

Sie ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung: In Deutschland leiden nach Schätzungen von Experten rund vier Millionen Menschen dauerhaft an einer Depression. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. Am Universitätsklinikum Bonn werden schwer depressive Patienten mit der sogenannten Magnetkrampftherapie behandelt. Die Ergebnisse sind vielversprechend.

Collage aus einem Gehirn und einem Blitz

Bei der Therapie werden mit einem Magnetfeld Krämpfe im Gehirn ausgelöst.

Michael S. leidet seit etwa acht Jahren unter schweren Depressionen. Weder Medikamente noch Psychologen konnten dem 42-Jährigen bislang helfen. Eher zufällig erfuhr er von einer neuen Behandlungsform, die mit starken Magnetfeldern arbeitet und sich, wie erste Ergebnisse zeigen, sehr gut als Therapie eignen soll. So kam er zu Ärztin Sarah Kayser an das Bonner Uniklinikum. Der Patient sei kein Einzelfall, sagt Kayser: "Die Patienten haben oft ein jahre- oder jahrzehntelanges Martyrium hinter sich, mit vielen Medikamenten, die ausprobiert worden sind und Psychotherapie und dann quasi als letztes Therapieverfahren zu und geschickt werden."

Krämpfe im Gehirn

Mann sitzt geknickt auf einer Treppe

Wenn das Leben unerträglich wird

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Bonn ist weltweit führend bei der Behandlung schwer depressiver Patienten mit der sogenannten Magnetkrampftherapie. Mit Hilfe starker Magnetfelder wird im Gehirn des Patienten kurzzeitig ein starker Krampf ausgelöst. Genauso funktioniert auch die seit mehr als 75 Jahren eingesetzte Elektrokrampftherapie. Bei ihr werde der Anfall nicht durch Magnetfelder, sondern durch elektrische Impulse hervorgerufen, erklärt Kayser: "Auch heute noch besonders in Deutschland ist die Elektrokrampftherapie  mit einem hohen Stigma versehen, was überhaupt nicht berechtigt ist. Seit Anfang der 40er Jahre mit der Entdeckung eines sogenannten Muskelrelaxans, ein sogenanntes muskelerschlaffendes Mittel, wird die Elektrokrampftherapie mit dem muskelerschlaffenden Mittel durchgeführt."

Behandlung dauert sechs Sekunden

Neuronen

Magnetfelder beeinflussen unser Gehirn

Allerdings hat die Behandlung mit der Elektrokrampftherapie eine Reihe von Nebenwirkungen zur Folge wie Schwindel, Kopfschmerz, Muskelschmerzen, länger andauernde Gedächtnisstörungen oder Orientierungslosigkeit. Nebenwirkungen, die bei der Magnetkrampftherapie nicht auftreten. Bei der Behandlung bringt Sarah Kayser am Kopf der Patienten zwei kopfhörerähnliche Spulen an. Diese erzeugen einhundert Mal pro Sekunde ein starkes Magnetfeld und lösen dadurch im Gehirn einen Krampfanfall aus. Schon nach sechs Sekunden ist die Behandlung vorbei.

Noch viel Forschung nötig

Die Magnetkrampftherapie kann gerade Patienten, die auf Medikamente und Psychotherapien nicht ansprechen, neue Hoffnung geben. Weitgehend unklar ist den Medizinern allerdings nach wie vor, wie Magnet- und Elektrokrampftherapie genau wirken. Es gebe noch Forschungsbedarf, meint Kaiser: "Man weiß sehr wohl, dass bestimmte Hirnbotenstoffe mehr ausgeschüttet werden. Dass Bereiche im  Gehirn, die bisher nicht gut versorgt worden sind und als auslösend für die Depression dastehen, besser versorgt  werden mit Blut und Hirnbotenstoffen. Das ist auch schon gemessen worden, aber der komplette Mechanismus ist leider bis heute auch noch nicht aufgeklärt.“

Gesprächs-Situation zwischen junger Frau und Psychotherapeutin

Psychotherapeutische Beratung

Wenngleich die medizinische Forschung hier noch ziemlich am Anfang steht und noch mehr Patienten behandelt werden müssen, liegt der bisherige Therapieerfolg bei rund 50 bis 60 Prozent. Allerdings hält die Therapie nur etwa fünf bis sechs Monate an und muss dann wiederholt werden. Michael S. fühlt sich jedenfalls nach bislang sechs Behandlungen schon deutlich besser: "Das wird sogar zurückgemeldet von Freunden, dass mein Verhalten jetzt freundlicher und angenehmer ist."