Bitte warten...
Junge Frauen im Dirndl trinken Bier

Lebensmittel-Studie Macht Bier glücklich?

Zum Beginn von Oktoberfest und Cannstatter Wasen kursierte im Netz die Schlagzeile "Bier macht glücklich" - Gabor Paal ist der Sache nachgegangen.

Ein Bier … Zwei Bier …. Manchen fällt es schwer aufzuhören. Dieser Effekt erinnert ein bisschen an Kartoffelchips. "Man kann diese Lebensmittel noch essen, obwohl man eigentlich schon satt ist", sagt Thomas Sommer vom Computer-Chemie-Zentrum der Universität Erlangen-Nürnberg.

Kartoffelchips, haben die Forscher dort schon vor zwei Jahren herausgefunden, funktionieren mit einer Art Zauberformel. Genau die richtige Mischung aus Kohlenhydraten und Fetten, die das Belohnungssystem im Gehirn stimuliert. "Diese Substanzen setzen Dopamin im Gehirn frei, das aktiviert wiederum die Dopaminrepeztoren im Gehirn und löst das zufriedene Gefühl aus", erklärt Sommer.

Kartoffel-Chips

Chips und Bier wirken beide aufs Gehirn

Bier wirkt noch direkter

Im Bier haben Forscher jetzt sogar eine Substanz gefunden, die noch direkter wirkt als die Kartoffelchips. Sie setzt nicht Dopamin frei, sondern sie wirkt selbst wie Dopamin. Diese Substanz heißt Hordenin, und kommt über das Gerstenmalz ins Bier. "Kommt das Hordenin ins Gehirn, kann es also einen ähnlichen oder sogar noch stärkeren Effekt auslösen."

Ein Zufallstreffer

Das Erstaunliche ist: die Forscher hatten es gar nicht aufs Bier abgesehen. Das war ein Zufallstreffer. Sie haben 13.000 verschiedene Substanzen untersucht, die in Lebensmitteln vorkommen und nutzten dazu eine Methodik, die sonst nur in der Arzneimittelforschung angewandt wird. Sie nennt sich "Virtual Screening". Am Computer Programmen werden dabei Substanzen auf bestimmten Eigenschaften gecheckt. In diesem Fall: Welche Substanzen haben eine Struktur, die geeignet ist, um an an den speziellen Dopamin-Rezeptor im Gehirn anzudocken.

Sujet Menschliches Gehirn

Dopamin und andere Bodenstoffe im Gehirn beeinflussen unser Wohlbefinden

"Man schaut, ob die Moleküle zum Dopaminrezeptor passen wie ein Schlüssel ins Schlüsselloch", erläutert Sommer. "Das ist für die Lebensmittelchemie ein komplett neuartiger Ansatz. Ein großer Vorteil des Virtual Screenings ist, dass man so viel mehr Substanzen testen kann als im Labor.

Rasterfandung per Computer-Simulation

Von den 13.000 Stoffen, die Thomas Sommer mit dieser Methode untersucht hat, kam er am Ende auf gerade mal 17 Treffer. Diese 17 Kandidaten wurden dann schließlich weiter untersucht, und dort zeigte sich: Hordenin wirkt tatsächlich auch in lebenden Zellen.

Jetzt müssen die Forscher nur noch zeigen, dass das im Bier enthaltene Hordenin tatsächlich auch im Gehirn wirkt. Die Mengen an Hordenin, die im Bier enthalten sind, würden dafür genügen.

Thomas Sommer möchte aber noch klarstellen:

  • Erstens: Die Schlagzeile Bier macht glücklich findet er eine Spur übertrieben. Er sagt: "Glücklich ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, aber ein zufriedenes Gefühl beim Konsum." Ein so zufriedenes Gefühl, dass man nicht aufhören möchte.
  • Zweitens: Das ist kein Alibi, sich sinnlos zu besaufen. Mit dem Alkohol im Bier hat das nichts zu tun. Das Hordenin ist auch im alkoholfreien Bier enthalten, denn es kommt über das Gerstenmalz ins Bier. Die Mengen sind zwar geringer als beim normalen Bier, aber prinzipiell ist es enthalten.

    Frau trinkt in geselliger Runde aus einem Glas Bier.

    Kein wissenschaftlicher Freibrief für das Besäufnis. Zufrieden macht auch alkoholfreies Bier.


Weitere Themen in SWR2