STAND
AUTOR/IN

Über den Krankheitsverlauf von Covid-19 gibt es bisher wenige Daten. Jetzt starten Stuttgarter Ärzte eine Studie auf Basis von hunderten Computertomographie-Aufnahmen erkrankter Lungen. Die sollen z.B. zeigen, wie sich das Virus ausbreitet und zu kritischen Verläufen führt.

Audio herunterladen (2,4 MB | MP3)

Noch haben die Intensivstationen ausreichend Kapazitäten. Die meisten Covid-19-Patienten werden in Deutschland, laut Statistik, wieder gesund. Trotzdem haben manche mit Lungenproblemen zu kämpfen – sogar nachdem das Virus wieder verschwunden ist.

Langzeitfolgen über Altersgruppen hinweg erforschen

Am Klinikum Stuttgart will der Radiologe Prof. Götz Martin Richter herausfinden, welche Langzeitfolgen die Krankheit hat – über alle Altersgruppen hinweg. Denn dem Virus ist das Alter egal, sagt er. Bilder aus der Computertomographie zeigen das deutlich.

"Hier als Beispiel ein Patient, der ungefähr um die 40 herum ist, sich wahrscheinlich beim Skifahren mit dem Virus angesteckt hat. Wenn man jetzt dieses Querschnittsbild betrachtet, sehen Sie fast nur weiße Zonen in der Lunge. Eigentlich müsste die Lunge komplett schwarz sein, aber: Die Luft, die das Bild schwarz macht, ist verschwunden und stattdessen haben wir jetzt diese weißen Zonen. Und wenn ich sage, dem Virus ist das Alter egal, bedeutet das Folgendes: Wenn das Virus so wie hier in der Lunge dieses gut 40-jährigen Patienten angekommen ist, dann macht das eben fatale Folgen." (Prof. Götz Martin Richter, Radiologe Klinikum Stuttgart)

Vorgeschädigte Lungen anfällig für schweren Verlauf und Langzeitfolgen

Egal wie alt – einmal in der Lunge angekommen, kann das neuartige Coronavirus schwere Schäden hinterlassen. Vorgeschädigte Lungen, zum Beispiel durch Rauchen, machen einen schweren Verlauf und damit Langzeitschäden aber noch wahrscheinlicher. Auch Herzerkrankungen erhöhen das Risiko, sagt Richter.

Mithilfe einer intelligenten Bilddatenbank wollen die Ärzte auch Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf gewinnen – zum Beispiel darüber, wie die Entzündung die Lungenbläschen erreicht.

"Wir wollen jetzt herausfinden, wie oft das tatsächlich passiert, unter welchen Bedingungen. Wir wollen vor allem mit unseren klinischen Kollegen zusammenarbeiten und die dazugehörigen Laborergebnisse, die dazugehörigen klinischen Veränderungen so mit den Bildern in Verbindung bringen, dass wir daraus prognostische Faktoren entwickeln und sagen können: Der Patient wird das überleben; er macht so und so lange noch eine intensivmedizinische Betreuung." (Prof. Götz Martin Richter, Radiologe Klinikum Stuttgart)

Interdisziplinäres Team wertet Daten von rund 150 Covid-19-Patienten aus

Um all das herauszufinden, wertet ein interdisziplinäres Team momentan die Daten von rund 150 Covid-19-Patienten aus. Die sollen in festgelegten Abständen immer wieder im CT untersucht werden. Denn die Form der Lungenentzündung, wie sie das neuartige Coronavirus hervorruft, kannte man in Europa laut Richter bisher nur aus Lehrbüchern.

"Zur Frage nach den Langzeitfolgen – da müssen wir mindestens noch ein Jahr abwarten. Vorher werden wir nicht in der Lage sein, ein vernünftiges Zwischen- oder Abschlussergebnis zu präsentieren." (Prof. Götz Martin Richter, Radiologe Klinikum Stuttgart)

Erste Erkenntnisse darüber, warum sich der Zustand mancher Patienten plötzlich rapide verschlechtert, erwartet Richter aber schon in zwei bis drei Monaten.

Neues Coronavirus

Medizin Coronavirus: So werden Covid-19-Patienten beatmet

Auf der Intensivstation der Uniklinik Freiburg behandeln die Ärzte schwer erkrankte Covid-19-Patienten. Wer hier liegt, muss maschinell beatmet werden. Bei einigen muss das Blut sogar außerhalb des Körpers mit einer künstlichen Lunge mit Sauerstoff versorgt werden.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Neuartiges Coronavirus Coronavirus: Besondere Risiken für Rheumapatienten

Rheumapatienten gelten als Risikogruppe bei der Coronavirus-Krankheit Covid-19. Denn die Erkrankung und ihre Behandlung greifen in das Immunsystem ein. Viele Rheumakranke sind alarmiert.  mehr...

Coronapandemie Symptome Coronavirus: Ist Covid-19 gefährlicher als die Grippe?

Was sind die Symptome für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus und wie unterscheidet sich die Lungenkrankheit Covid-19 von der normalen Grippe? Und vor allem: Welche Krankheit ist gefährlicher?  mehr...

Neuartiges Coronavirus Covid-19 Studie zur Passivimpfung mit Blutserum startet

In Deutschland wird in einer klinischen Studie erforscht, ob das Plasma von Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, eingesetzt werden kann, um schwer Erkrankten zu helfen.  mehr...

Epidemiologie Social Distancing bis 2022 nötig: Harvard-Forscher rechnen mit neuen Corona-Wellen

Corona wird unser Leben noch lange prägen und belasten, sagen Harvard-Forscher in einer aktuellen Studie. Ohne einen Impfstoff drohten soziale Einschränkungen bis 2022.  mehr...

Aktuelle Beiträge

Bildung Regelbetrieb seit Januar: Herausforderung für Förderschulen

Im Südwesten sind Grundschulen seit dieser Woche wieder geöffnet – im Wechselunterricht. Förderschulen sind schon seit Anfang des Jahres im Regelbetrieb. Das sei richtig, aber für alle Beteiligten eine Herausforderung, sagt Schulleiter Daniel Baerwind. Jochen Steiner im Gespräch Daniel Baerwind, Leiter der Haldenwang-Schule für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung in Singen (Kreis Konstanz).  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Medizin Besser kein Corona-Impfstoff als AstraZeneca?

Viele sehen in dem Corona-Impfstoff AstraZeneca einen Impfstoff zweiter Klasse. Einzelne lassen ihren lang ersehnten Impftermin sogar verstreichen, statt sich mit dem schwedisch-britischen Vakzin impfen zu lassen. Dabei ist AstraZeneca besser als sein Ruf.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Corona-Spürhunde Wie Hunde das Corona-Virus erschnüffeln

Speziell ausgebildete Spürhunde können bestimmte Krebsarten und eine Coronainfektion erschnüffeln. Doch der Einsatz von Hunden in Arztpraxen ist schwierig. Die Wissenschaft forscht nun an einer künstlichen Hundenase.  mehr...

odysso - Wissen im SWR SWR Fernsehen

STAND
AUTOR/IN