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Life

Killerorganismen vom Mars? So realistisch ist der Film "Life"

SWR2 Impuls . Von Guido Meyer

Im neuen Kinofilm "Life" bedrohen außerirdische Lebensformen die Menschheit. Dieses Szenario ist keinesfalls unrealistisch. Bestenfalls ist es seiner Zeit ein paar Jahre voraus. Die NASA plant derzeit eine Mars-Mission, die automatisch Bodenproben des Roten Planeten zur Erde bringen soll. Eine Kontaminierung der Erde muss dabei ausgeschlossen werden. Doch wie macht man das?

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr: Die europäisch-russische Sonde ExoMars beginnt ihre Reise. Im Oktober ist sie am Roten Planeten eingetroffen. Das Projekt ist zweigeteilt: Eine Sonde umkreist den Mars, eine weitere sollte auf ihm landen. Beide mussten mehr als nur sauber sein. Denn unter keinen Umständen dürfen sie als Raumtransporter für irdisches Leben dienen. Bakterien sollen keinesfalls als blinde Passagiere zum Mars reisen. Gerhard Kminek von Europas Weltraumagentur ESA:

Entweder muss man sicher sein, dass die Sonde nicht auf dem Planeten aufschlägt. Oder man muss sicherstellen, dass die biologische Kontamination unter einem gewissen Grenzwert ist. Beide Möglichkeiten wenden wir auch an im Rahmen des ExoMars-Programms an.

Blitzsauber ins All

Egal welche Himmelskörper ESA, NASA & Co. besuchen – Sauberkeit ist bei all ihren Sonden oberstes Gebot. Nichts wäre Exobiologen peinlicher als die Schlagzeile „Leben auf dem Mars entdeckt“, ergänzt um die Unterzeile „Aber es stammt von der Erde“. Deswegen setzen Planetenschutzbeauftrage wie Gerhard Kminek von Europas Weltraumagentur ESA alles daran, kein irdisches Leben auf andere Himmelskörper zu verfrachten. Dazu müssen sie sich beispielsweise darauf verlassen können, dass die Sonden ihre Umlaufbahnen langfristig einhalten.

ExoMars Trace Gas Orbiter

Der ExoMars Trace Gas Orbiter trat am 19. Oktober 2016 in eine Umlaufbahn um den Mars ein. Beim Versuch der Landung des Landers am gleichen Tag ging der Funkkontakt mit Schiaparelli verloren und konnte nicht wiederhergestellt werden. Er gilt seitdem als verschollen.



Auch der Trace Gas Orbiter, Teil der europäisch-russischen Mission ExoMars soll mindestens 50 Jahre stabil im Orbit sein. Er umkreist seit einem halben Jahr erfolgreich den Mars. Für den zweiten Teil von ExoMars, den Lander Schiaparelli, hätten die Anforderungen höher gelegen, erläutert der Astrobiologe Ian Crawford von der Abteilung für Erd- und Planetenwissenschaften des Birkbeck College der University of London: Es gibt eine internationale Vereinbarung darüber, wie Raumsonden beschaffen sein müssen, die andere Welten im Sonnensystem besuchen. Sie nennt sich Planetary Protection Protocol. In diesem Protokoll ist festgelegt, bis zu welchem Grad Sonden sterilisiert werden müssen. Ein Raumschiff, das auf dem Mars landen soll, muss sehr steril sein.

Alkohol macht Sonden steril

500 000 Sporen – das ist die Obergrenze. Das sind weniger Bakterien, als sich auf der Erde in einer Flasche Wasser befinden. Um die Zahl möglicherweise mitreisender Mikroben darauf zu begrenzen, war die europäische Raumsonde ExoMars vor dem Start mehrmals mit verschiedenen Lösungsmitteln gereinigt worden, unter anderem mit achtzig-prozentigem Alkohol. Diese Vorsichtsmaßnahmen wird Europas Weltraumagentur ESA für den zweiten Teil der ExoMars-Mission wiederholen. Sie wird 2020 starten. Dann soll erstmals ein europäischer Rover über den Roten Planeten rollen.

Gerhard Kminek: Der 2020-Rover, der sucht natürlich nach Leben. Da müssen wir besondere Vorkehrungen treffen, um auszuschließen, dass wir am Mars irdisches Leben entdecken. D.h die Teile des Rovers, die mit den Proben in Kontakt kommen, also Teile des Bohrers, die die Proben manipulieren und analysieren, müssen reiner und steriler sein als der Rest des Raumfahrzeuges.

Bodenproben vom Mars

Die Amerikaner planen derzeit das Projekt Mars Sample Return, eine Mission also, in deren Verlauf automatisch Bodenproben vom Mars zur Erde transportiert werden sollen. Scott Hubbard von der Abteilung für Aeronautik und Astronautik der Universität von Stanford erklärt den Ablauf eines solchen Fluges:

Mars Sample Return wäre die komplexeste robotische Mission, die die Menschheit je in Angriff genommen hat. Sie starten von der Erde, müssen auf dem Mars landen, dort Proben sammeln und diese zur Erde bringen – und zwar sicher, so dass die Proben nicht die Erde kontaminieren und wir nicht die Proben.

Spielfilm mit realem Hintergrund

Am 23. März startet ein Film in den Kinos, der das Thema Planetary Protection aus diesem entgegengesetzten Blickwinkel betrachtet. In dem Science-Fiction-Streifen "Life" bringt eine Mars Sample Return-Mission eine Bodenprobe des Mars‘ zurück zur Erde. Sicherheitshalber wird sie zunächst an Bord der Internationalen Raumstation aufbewahrt und untersucht.

Life

Umgeben von Dunkelheit: David Jorden (Jake Gyllenhaal)

Killerkeime vom Mars?

Denn gegen Krankheitskeime vom Mars wäre auf der Erde kein Kraut gewachsen, betont der Planetenwissenschaftler Ian Crawford aus London: Wenn eine Probe des Mars‘ zur Erde gebracht wird, müssen wir sie sterilisieren, bevor sie in die Atmosphäre eintritt. Das macht die Suche nach Leben auf dem Mars so kompliziert. Wir gehen zum Mars, um nach Mikroorganismen zu suchen. Dann nehmen wir eine Probe und töten mögliche Mikroben ab, bevor wir sie in ein Labor auf der Erde bringen. Wir werden also immer nur abgestorbene Überreste von Mars-Mikroben untersuchen können.

Bei all diesen Vorsichtsmaßnahmen des Planeten Erde stehen die Chancen somit nicht schlecht, dass die Schlagzeile „Leben auf dem Mars entdeckt“ sich wirklich auf anderes Leben beziehen wird als das, was irdische Sonden eingeschleppt haben. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht mit irdischem Leben in Kontakt kommt.

Marsoberfläche mit Kratern

Die ESA will die Marsoberfläche erforschen. Die erste Mission ExoMars 2016 scheiterte.

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