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Man muss sich auch riechen können, damit man in einer Beziehung längerfristig glücklich ist

Liebe und Geruch Wirkung des "Parfum naturel"

Wenn man jemanden mag, dann kann man sie oder ihn gut riechen – sagt man. Schon lange vermuten Wissenschaftler, dass Körpergerüche beeinflussen, in wen wir uns verlieben. Diesem Verdacht ist eine Studie der TU Dresden nachgegangen. Ilona Croy ist psychologische Psychotherapeutin und hat im wahrsten Sinne des Wortes die Nase in die Beziehung anderer Leute gesteckt. Die wichtigste Erkenntnis: Wer auf seine Nase "hört", wenn er sich seinen Partner aussucht, ist dann später zufriedener.

Frau Croy, haben Sie die Paare ins Labor gebeten und gesagt: so jetzt schnüffelt mal?

Das wäre auch eine schöne Studie. Was ganz Ähnliches haben wir dann später gemacht. Was allerdings der Vorläufer noch gewesen ist: Zwei Doktoranden haben sich zum Beispiel vor die Mensa gestellt oder vor Bibliotheken, und haben dort Paare angesprochen, die herausgekommen sind. Also hauptsächlich junge Studenten. Und diese Paare wurden gefragt zum einen: Seid ihr ein Paar? Zum anderen: Wie alt seid ihr ? Könnt ihr uns eine Speichelprobe abgeben? Das haben wir gebraucht. Und dann spezifische Fragen, nämlich: Wie gut könnt ihr euch riechen? Also, wie sehr magst du den Körpergeruch deines Partners? Wie zufrieden bist du mit der Sexualität mit deinem Partner? Wie zufrieden bist du mit der Partnerschaft? Und: Möchtest du Kinder haben mit deinem Partner? Das natürlich unabhängig voneinander. Die durften also nicht sehen, was der jeweilige Partner hinschreibt, sondern die sollten da möglichst ehrlich antworten.

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Mit einer Speichelprobe wird untersucht, wie gut die Gene der jeweiligen Partner zueinander passen.

Das heißt, der Partner hat nicht mitgekriegt, ob jemand gesagt hat: Unser Sexualleben naja.

Ganz genau.

Die Speichelprobe haben sie genommen, um genetische Untersuchungen durchzuführen. Und wenn ich das richtig verstanden habe, kurz gefasst: Wer sich genetisch möglichst unähnlich war, hatte ein besseres Sexualleben.

Genau. Das sind im Kurzen die Ergebnisse. Wir haben das analysieren lassen zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspende, die das in täglicher Routine macht. Wir haben uns natürlich nicht das komplette Genom herausgesucht, sondern ganz spezifische Marker, die für die Immunkompetenz wichtig sind. Und da kommt dann raus, dass die Partner, die in diesen spezifischen Marken sich unähnlich sind, dass die tatsächlich zufriedener sind mit ihrem Sexualleben, dass sie häufiger Kinder miteinander haben möchten und auch generell ihre komplette Partnerschaft besser bewerten.

Ein Mann und eine Frau joggen durch den Wald.

Die Rolle des Körpergeruchs wird bei der Partnerwahl oft unterschätzt.

Und was hat das mit der Immunkompetenz, also mit der Ausbildung unseres Immunsystems zu tun?

Wir wissen aus vielen Experimenten, dass das evolutionärer ein sehr alter Mechanismus ist, der dazu führt, dass die Immunkompetenz, also die Gesundheit der Nachkommen gesichert ist. Und zwar deshalb: Wenn sich zwei Partner miteinander paaren, die sich möglichst unähnlich sind, dann erhöht dies die Chance, dass auch die Kinder ein weites Spektrum haben an Resistenzen gegen mögliche Krankheitskeime.

Und wenn das so stark ist, dass wir das tatsächlich riechen können, entscheiden wir auch aufgrund dessen, ob wir mit jemandem überhaupt eine Beziehung anfangen? Das heißt, so was wie Sympathie, Aussehen, sozialer Status spielt überhaupt keine Rolle?

Das spielt natürlich eine riesige Rolle. Das weiß man ja auch. Und deshalb funktionieren die ganzen Dating-Portale so wunderbar, wo alle keine Geruchsproben abgeben. Aber noch mal umgekehrt gesagt: Wir wissen auch nicht – da ist auch die Studienlage ganz widersprüchlich - , ob sich Menschen jetzt eher zusammenfinden und eher verheiraten, die tatsächlich unterschiedlich sind. Aber, was wir eben aus unserer Studie wissen, dass diejenigen, die sich zusammengefunden haben und die dann unterschiedlich sind, einfach zufriedener sind. Das heißt, ob das jetzt wirklich einen Einfluss auf die Partnerschaft hat, wissen wir nicht, aber wer auf seine Nase hört, wenn er sich seinen Partner aussucht, der ist dann später zufriedener.

Frau umarmt einen Mann mit freiem Oberkörper und hält einen Parfüm-Flakon in ihrer Hand.

Ist der Genpool relativ unterschiedlich, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass Paare zufriedener sind.

Das heißt: Man kann gar nicht sagen, warum auch Paare zusammen sind, die sich an diesen bestimmten Gen-Markern ähnlich sind?

Das hängt sicherlich genau an den Faktoren, die Sie vorhin genannt haben, und die natürlich unglaublich wichtig sind: körperliche Attraktivität, Aussehen des Partners, Stimme des Partners, Status des Partners oder einfach nur räumliche Nähe. Die meisten Partnerschaften entstehen ja nicht nur, weil ich jemanden besonders hübsch finde, sondern einfach weil ich den ganz häufig treffe. Arbeitskollegen beispielsweise. Das hat alles auch einen riesigen Einfluss. Und wenn dann eben noch der Körpergeruch mit dazukommt und der stimmt. Also ich finde denjenigen vom Geruch her attraktiv, dann ist das erst mal ein Indikator für eine gute erfüllte Sexualität zumindest.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir haben noch eine andere Studie durchgeführt, die ist noch nicht ganz ausgewertet. Wir haben 50 Paare ins Labor eingeladen und die haben an Geruchsproben von ihrem Partner und andere Personen geschnüffelt. Die Männer haben an einem T-Shirt geschnüffelt, dass ihre Freundin getragen hat und an drei T-Shirts von anderen Frauen. Und wir haben versucht herauszufinden: was ist es denn jetzt, was diese Geruchsattraktivität ausmacht, ist es der unterschiedliche genetische Status? Und die Männer fanden es zwar gut, wenn die Frau einen anderen genetischen Status hat, aber am allerbesten finden sie es, wenn sie ihre Partnerin riechen. Die Frauen hingegen finden den Geruch des Partners gut, aber denen ist der unterschiedliche genetische Status am Wichtigsten. Also die Männer bevorzugen das, was sie gut kennen, die Frauen bevorzugen, was evolutionär besser zu ihnen passt.

Schweißflecken bei einer Frau unter den Achseln

Am Schwitze-T-Shirt der Partnerin schnüffeln kann für manche durchaus angenehm sein.

Also war bei den Männern, die besonders gern ihre Partnerin rochen, auch unwichtig, ob diese ihnen genetisch ähnlich ist?

Genau.

Welche praktische Relevanz hat denn eine solche Studie? Könnten Datingportale so was zum Beispiel in Zukunft in die Profile integrieren?

Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass das mal jemand explorativ versucht. Das hat ein paar logistische Schwierigkeiten: Geruchsproben herzustellen ist nicht so ganz einfach, denn wenn ich ein T-Shirt trage, dann ist das kontaminiert mit allem Möglichen, also mit Weichspüler oder dem Shampoo, das ich benutze oder der Lotion, mit der ich mich eingecremt habe. Das muss also alles stabil gehalten werden, das ist nicht so ganz einfach. Und zum zweiten müssen Geruchsproben auch konserviert werden, das geht am besten indem sie tiefgekühlt werden, und wenn man das dann so drei bis vier Tage mit der Post verschickt, dann riecht das nach allem Möglichen, aber nicht mehr gut. Das heißt, das ist ein bisschen Zukunftsmusik, aber ich könnte mir vorstellen, dass das mal probiert wird.

Lachende Frau liegt vor einem Laptop. Auf der Tastatur steht ein rotes Herz.

Datingportale funktionieren auch ohne Geruchsproben schon ganz gut; mit Gerüchen würde es wohl noch besser funktionieren.

Also: bei der Partnersuche nicht nur Augen, sondern auch Nase auf!

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