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Desorientierung und Probleme bei der Futtersuche Lichtverschmutzung auf den Weltmeeren

Gespräch mit Dr. Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin

„Am Tag ist es hell, in der Nacht ist es dunkel.“ Dass die Aussage heute so nicht mehr stimmt, hat zuletzt Alexander Gerst mit Fotos aus dem Weltraum bewiesen: Sie zeigen eine Erdkugel, die auch bei Nacht helles Licht in den Weltraum ausstrahlt. Das schadet der Umwelt.

Das Problem mit dem Licht ist nicht neu: Die sogenannte Lichtverschmutzung, also der übermäßige Einsatz von Licht an Stellen, an denen es eigentlich dunkel sein sollte, wird schon länger erforscht.
Neu ist aber die Beobachtung von Astronaut Alexander Gerst, der während seiner Zeit auf der Internationalen Raumstation ISS auf Twitter schrieb:
„Ist es nicht bizarr, dass die hellsten Lichter, die die Menschheit in den Weltraum ausstrahlt, von Fischereiflotten stammen?‘‘

Alexander Gerst schrieb  während seiner Zeit auf der Internationalen Raumstation ISS auf Twitter über die Lichtverschmutzung

Alexander Gerst schrieb während seiner Zeit auf der Internationalen Raumstation ISS auf Twitter über die Lichtverschmutzung der Meere.

Maritime Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung auf dem Wasser ist ein Problem, sagt Dr. Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin: „Es gibt Sattelitendaten, die ausgewertet werden. Und da sehen wir deutlich, dass es weltweit eine Zunahme gibt. Die liegt weltweit ungefähr zwischen 2 und 6 Prozent pro Jahr. Es findet also eine Ausbreitung von beleuchteten Nachtlandschaften statt.“

Gerade in Küstenbereichen sei die Lichtverschmutzung besonders hoch. Hafenanlagen und Leuchtreklamen strahlen bei Nacht starkes Licht aus.
Aber auch auf dem Wasser wird vermehrt Licht genutzt. Zum Beispiel in der Fischerei. Das Licht lockt zum Beispiel Kalmare und andere Fischarten an die Wasseroberfläche, wodurch das Abfischen einfacher wird.

Fischerflotte bei Nacht

Desorientierung und Probleme bei der Futtersuche der Tiere sind nur einige Folgen der Lichtverschmutzung im Meer

Eingriff in Lebensraum vieler Tiere

Betroffen sind auch Vögel und Säugetiere: Desorientierung und Probleme bei der Futtersuche der Tiere sind nur einige Folgen der Lichtverschmutzung im Meer.
Auswirkungen, die von den Fischern vermutlich nicht gewollt sind, sondern eher zu den unbeabsichtigten Nebenwirkungen gehören.

Neben den direkten Lichtern von Fischerbooten sei aber auch das sogenannte „sky glowing“ problematisch, so Hölker. So wird der Effekt genannt, wenn das Licht vom Meer am Himmel reflektiert wird und gestreut zurückkommt. Am Himmel erscheint dann ein riesiger Lichtschimmer, der nachts über dem Meer liegt. Bekannt ist das Phänomen bislang vor allem bei Großstädten, die nachts von dieser Lichtwolke bedeckt werden.

Krabbenkutter in der Nordsee bei Nacht

Krabbenkutter in der Nordsee bei Nacht

Regulierung schwierig

Getan wird gegen die Lichtverschmutzung bislang wenig. In einigen asiatischen Ländern soll es bereits Versuche gegeben haben, den Lichteinsatz in der Fischerei einzuschränken. Dabei ging es aber vor allem um Energieeinsparung und weniger um den Einfluss auf das Ökosystem.

Weitere Forschung nötig

Um über eine sinnvolle Regulierung der Lichtstrahlung zu entscheiden, müsse man die Nebenwirkungen der massiven Lichteinwirkungen aber zunächst besser erforschen, sagt Wissenschaftler Franz Hölker. Die Lichtverschmutzung in den Weltmeeren und Binnengewässern ist nämlich noch weitgehend unerforscht.

Ein Seidenhai bei Nacht

Ein Seidenhai bei Nacht. Über die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf Meeresbewohner ist bisher nur wenig bekannt.

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