Mythos Leonardo da Vinci | Zum 500. Todestag da Vinci - doch kein Universalgenie?

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Kriegsmaschinen, Hubschrauber, Schiffe – Leonardo da Vincis Zeichnungen von Maschinen aller Art sind weltberühmt. Doch die Entwürfe hätten allesamt nicht funktioniert, sagt der Autor Matthias Eckoldt in seinem Buch "Leonardos Erbe".

Beim Namen Leonardo da Vinci denkt man wahrscheinlich erst mal an die Mona Lisa. Aber da Vinci war nicht nur Maler, er hat Kriegsmaschinen oder Wasserkanäle entworfen. Er hat die Körper von Tieren den Menschenkörper studiert. Er wollte Flugmaschinen, Schiffe, Gebäude bauen. Leonardo da Vinci wird deshalb gern als "Universalgenie" bezeichnet.

An seinem 500. Todestag am 2. Mai eröffnet im Museum der Universität Tübingen die Ausstellung ex machina - Leonardo da Vincis Maschinen zwischen Wissenschaft und Kunst. Zu sehen sind knapp fünfzig große Nachbauten der Maschinen Entwürfe da Vincis. Über achtzig Erfindungen werden Leonardo da Vinci zugeschrieben. Aber zu seinen Lebzeiten ist kein einziger Prototyp entstanden. Warum? Eine Einschätzung von Matthias Eckoldt:

Es gibt keinen einzigen Prototypen!

Eckoldt: Für eine Erfindung ist es notwendig, dass man seinen Entwurf in Form eines Prototyps realisiert, um dann damit zu demonstrieren, dass die Maschine funktioniert. Leonardo hat das nicht gemacht. Es gibt von ihm keinen einzigen Prototypen, und das hat einen Grund: Diese Maschinen hätten nicht funktionieren können, das hätte der Prototyp ans Tageslicht gebracht.

Von Leonardo da Vinci erfundene Luftschraube und ihr Nachbau (Foto: picture-alliance / Leemage -)
Von Leonardo da Vinci erfundene Luftschraube und ihr Nachbau picture-alliance / Leemage -

Leonardo - kein Universalgenie!

Eckoldt: Leonardo da Vinci war das Defizit übrigens bewusst. Wir machen heute den Fehler, ihn zum Universalgenie zu stilisieren, das alles konnte. Er selbst sah das anders, er verstand sich nicht unbedingt als großer Erfinder, sondern als Neugieriger, der sich für alles interessiert. Und so interessierte er sich eben auch für Maschinen, die viele schon vor ihm entworfen hatten. Leonardos originäre Leistung bestand darin, die schlechten Zeichnungen der Maschinen seiner Vorgänger zu perfektionieren; seine Zeichnungen waren so perfekt, dass sie suggerierten, seine Maschinen würden funktionieren.

Experiment zum Luftauftrieb; Zeichnung von Leonardo da Vinci (Foto: picture-alliance / akg-images -)
Experiment zum Luftauftrieb; Zeichnung von Leonardo da Vinci picture-alliance / akg-images -

Das kann nicht funktionieren!

Eckoldt: Man sieht an seiner Zeichnung zu einem Panzer, dass sich die Zahnräder eigentlich in die falsche Richtung bewegen. Dadurch wird die Maschine quasi bewegungsunfähig. Ein anderes Beispiel: Sein hundert bis zweihundert Kilo schweres Fluggerät, das darauf basiert, dass man die menschlichen Arme mit Flügeln ausstattet, die dann den gesamten Körper in die Luft heben- da sieht man sofort, das kann nicht funktionieren. Und bei seinen anderen Fluggeräten fehlt prinzipiell die gewölbte Flügeloberfläche, die ja erst den Auftrieb ermöglicht. Leonardo geht es oft nicht um technische Lösungen, sondern um ästhetische, deshalb ist es absurd, ihn als großen Erfinder zu sehen.

Zeichnung eines Panzers von Leonardo da Vinci, den Studenten nachgebaut haben (Foto: Foto: Carmen Jaspersen/dpa -)
Zeichnung eines Panzers von Leonardo da Vinci, den Studenten nachgebaut haben. Leider wohl auch eine mechanische Fehlkonstruktion. Foto: Carmen Jaspersen/dpa -
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