Bitte warten...
Eine Krebszelle

Krebszellen haben Riechrezeptoren Duftstoffe als Therapie der Zukunft?

Ätherische Öle kommen in vielen Pflanzen vor. Zum Beispiel Eukalyptus, Kamille, oder Salbei. Die Öle schützen die Pflanzen vor Bakterien, Viren oder auch Pilzen. Das hilft dann auch uns Menschen, wenn wir krank sind – als Tee, Bonbon oder Salbe. Forscher haben entdeckt, dass die Hauptbestandteile der ätherischen Öle – sie heißen Terpene – auch verschiedene Krebszellen am Wachsen hindern können. Darunter zum Beispiel Leberkrebs. Was genau dabei in der Zelle passiert, haben jetzt der Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt und sein Team an der Ruhr-Universität Bochum herausgefunden.

Herr Hatt, Sie gehen davon aus, dass Zellen "riechen" können, wie machen die das?

Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt

Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt

Sie können natürlich nicht im eigentlichen Sinne riechen wie etwa unsere Zellen in der Nase, aber was wir vor einigen Jahren weltweit zum ersten Mal gezeigt haben, ist: Die Rezeptoren, die wir in der Nase benutzen, um Düfte zu erkennen, diese kommen in allen Körpergeweben vor, und wir haben uns gefragt, was machen die da.

Antwort der Leberzellen auf den Duftstoff

Antwort der Leberzellen auf den Duftstoff

Jetzt haben wir im Prostatakrebs so einen Rezeptor nachgewiesen, auch im Leberkrebs, und das wiederum heißt: diese Zellen reagieren auf chemische Stoffe, die eben diese Rezeptoren aktivieren können und die wiederum beeinflussen das Zellwachstum. Bei Leberkrebszellen gibt es zum Beispiel ein Terpen, ein Zitronenduft, und wenn man diesen Rezeptor aktiviert, wird das Wachstum der Krebszellen bei diesem Duft stark verlangsamt.


Gilt das auch für andere Krebsarten?
Ja, in der Prostata haben wir einen Rezeptor gefunden, der auf Veilchenduft anspricht, dieser Duft hat eine Ähnlichkeit mit dem Hormon Testosteron; und da wissen wir ja, dass das Hormon der Stoff ist, der das Wachstum von Krebszellen beeinflussen kann.

Wie kann man diese Methode bei einer Therapie einsetzen?
Wir müssen aufpassen und dürfen nicht überzogene Hoffnungen wecken, das alles ist Grundlagenforschung, da muss man vorsichtig sein, wir sind weit entfernt von klinischen Studien.

Vermindertes Wachstum von Leberkrebszellen

Vermindertes Wachstum von Leberkrebszellen

Aber rein theoretisch wäre es so, dass man durch einen chemischen Stoff, also etwa durch ein Zitronen-Duft-Molekül, einen Rezeptor in den Leberkrebszellen aktiviert und dadurch das Wachstum der Krebszellen entschleunigen und vielleicht zum Stillstand bringen kann. Man könnte auch nach einem besseren effizienteren Molekül suchen, dass eine größere Wirkung entfaltet; und wir müssen auch noch sehen, wie man das Molekül überhaupt zum Krebs bringen kann. Das alles benötigt Zeit, es ist ein weiter Weg.

Forscherin mit Reagenzglas

Forscher erfolgreich im Kampf gegen Leberkrebs

Und was auch wichtig ist: Wir arbeiten nur mit Zellkulturen im Labor und eben nicht mit der "richtigen" Leber im Menschen, unsere Experimente haben lediglich Modellcharakter. Aber immerhin: Wir finden diese Rezeptoren beim Darmkrebs, Lungenkrebs, Brustkrebs, das sind immer wieder andere Riechrezeptoren und die könnten in Zukunft Andockstationen für neue Medikamente sein, die das Krebswachstum hemmen. Aber nochmal: Das benötigt noch sehr viel Zeit. Naturstoffe wie ätherische Öle könnten in Zukunft auch bei der Krebstherapie zur Anwendung kommen.

Sie arbeiten interdisziplinär, ist das der zukünftige Weg der Krebsforschung?

Geruchsforscher Hanns Hatt

Geruchsforscher Hanns Hatt betreibt Grundlagenforschung

Ja, ganz sicher. Ich bin ja von Haus aus Biologe, Mediziner und Chemiker, da bringe ich schon Krebsforschung und Geruchsforschung zusammen. Wir arbeiten mit mindestens 12 verschiedenen klinischen Instituten zusammen, weil wir den Darm- , Brust- oder Nierenkrebs analysieren, dazu benötigen wir diese Kooperationen; dadurch entstehen wichtige Synergieeffekte, diese Kliniken haben die für uns geeigneten Gewebeproben, sie haben die für uns geeigneten Patienten: Das ist summa summarum eine neue, sehr effektive Art der Forschung.