Krankenhausflur mit Betten (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

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Krankenhäuser neu gedacht – Heilende Architektur

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Kranke Menschen reagieren anders auf ihre Umgebung als gesunde. Deshalb müssen Krankenhäuser und Intensivstationen anders gestaltet werden.

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Krankenhäuser müssen schon lange nicht mehr nur funktionell sein. In welcher Farbe die Wände gestrichen sind, wie es riecht, ob die Patienten gut schlafen können, all das berücksichtigt eine patientenorientierte Planung neuer Häuser.

Das Healing-Architecture-Konzept setzt ein neues Selbstverständnis der Architekten voraus. Nicht mehr ihre Intuition, sondern wissenschaftliche Daten und Fakten sind Basis für die Entwürfe. Wie Kranke auf Gebäude und Räume reagieren, wird zum Forschungsgegenstand.

Tödlicher Lärm

Die große Intensivabteilung an der Berliner Charité: Hektik liegt in der Luft. Personal läuft hin und her. Und es ist laut. Sehr laut. Ein ganzer Gerätepark umstellt die Intensivpatienten. Pausenlos piepst, tutet und zischt irgendetwas. Viel zu kleine Fenster und grelles Neonlicht rund um die Uhr. Schon für Gesunde ist das eine Zumutung.

Krankenhaus-Personal in einer Klinik (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Lärm und Neonlicht rund um die Uhr bringen den Tag-Nacht-Rhythmus komplett durcheinander Thinkstock -

Schwerkranken kann man dieses Inferno nicht immer ersparen. Und das hat Folgen: Lärm und Neonlicht rund um die Uhr bringen den Tag-Nacht-Rhythmus komplett durcheinander. Besonders ältere Menschen verlieren die Orientierung, werden verwirrt. Ein solches Delir erhöht aber die Komplikationsrate und auch das Risiko frühzeitig zu versterben. Höchste Zeit für Abhilfe.

Architekten haben zwei Zimmer auf der Intensivstation patientengerecht umgebaut. Und so stellt man sich eine Intensivstation wirklich nicht vor. Es ist nicht nur angenehm ruhig. Die Wandverkleidung imitiert dunkelbraunes Holz. Der Raum wirkt fast gemütlich.

Ungestört schlafen

Tageslicht dagegen gibt es kaum. Die Fenster sind klein und mit einer Sichtblende versehen. Bauliche Vorgaben, die nicht verändert werden konnten. Trotzdem starren die Patienten in den umgebauten Zimmern nicht mehr auf steril-weiße Deckenplatten und Neonlampen.

In diesen umgebauten Intensivzimmern können die Patienten ungestört schlafen. Denn auch die nervigen Alarmtöne der Geräte und Monitore werden in ein zusätzliches Überwachungszimmer umgeleitet. Nachts muss das Pflegepersonal deshalb das Zimmer kaum betreten. Das Berliner Projekt wird von der Charité wissenschaftlich ausgewertet. Wenn die Resultate überzeugen, könnte dieser Prototyp einer neuen Intensivstation in Serie gehen.

Eine schöne Psychiatrie

Gerne führt Chefarzt Andreas Fallgatter Besucher durch den Neubau seiner Klinik für Psychiatrie. Der Altbau bot den Patienten zwar einen fantastischen Rundblick auf die Altstadt von Tübingen, dafür waren die Räumlichkeiten eine Zumutung.

Der Neubau dagegen wirkt einladend: großzügige, helle Räume, breite Flure und überall Holzfußböden. Selbst für Tischtennisplatten im Flur ist Platz. Die offene Atmosphäre war auch die Absicht des Architekten: Das "Sich-nicht-eingesperrt-fühlen" war Teil dieser Variante von Healing Architecture.

Einen positiven Effekt des Neubaus hatten die Tübinger Psychiater zwar schon erwartet. Aber das Resultat ihrer Studie hat sie dann doch verblüfft. Beim Vergleich Neubau zu Altbau zeigt sich nämlich, dass in der Zeit nach dem Umzug in den Neubau die Zwangsmaßnahmen zwischen siebzig und achtzig Prozent abgenommen haben.

Das betrifft das Fixieren des Körpers und die Zwangsmedikation in Krisensituationen. Ein unglaublicher Befund. Alleine die räumliche Wirkung des Neubaus reduziert Zwangsmaßnahmen auf ein Minimum.

Wer krank ist, sieht die Welt mit anderen Augen. Scheinbar banale Dinge bekommen plötzlich eine neue Bedeutung. Etwa der Blick aus dem Fenster des Krankenzimmers. Kranke Menschen haben eine besondere Affinität zu Pflanzen und Bäumen. Nicht umsonst gab es bereits im Mittelalter Klostergärten für Kranke.

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