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Gegen den Protastakrebs Umstrittene Früherkennung und Behandlung

Protastakrebs macht vielen Männern Angst. Bevor man jedoch zu einer Früherkennungsuntersuchung geht, sollte man sich ausreichend informieren. Denn nicht jede Früherkennungsmaßnahme ist sinnvoll. So haben die Deutschen Urologen auf ihrem Kongress in Dresden beschlossen, dass der so genannte PSA Test sich nicht zur Massenuntersuchung von gesunden Männern auf Prostatakrebs eignet. Auch die Behandlung dieser Krebsart ist umstritten.

3D-Modell der Prostata

3D-Modell der Prostata

Zwei neue Studien sollen genauer untersuchen, welche Früherkennung und welche Behandlungsmaßnahme bei Prostatakrebs überhaupt geeignet sind.

Test rettet Leben

Bislang gab es nur eine Art, Prostatakrebs früh zu erkennen: durch einen kleinen Piekser. Der Arzt nimmt Blut ab, das Labor ermittelt den PSA Wert. Dieses Eiweiß, das prostataspezifische Antigen, ist erhöht, wenn der Patient Krebs hat.

Patient bei einer Ultraschalluntersuchung

Ärztliche Untersuchung

Die Krankenkassen bezahlen den Test nicht. Etwa 700.000 Männer jährlich bezahlen dafür 15 bis 45 €. Noch beliebter war der Test in den Vereinigten Staaten. Beinahe jeder Amerikaner über 50 kennt seinen PSA Wert.

Der Test kann Leben retten, das muss man ganz klar sagen. Ohne den Test werden wahrscheinlich mehr Männer an Prostatakrebs sterben. Die Frage ist nur, ob es sinnvoll ist, alle gesunden Männer in einem bestimmten Alter auf Prostatakrebs hin zu untersuchen.

Zu viel Fehlalarme

Prostatabiopsie

Prostatabiopsie

Denn der Test ist mittlerweile so umstritten, dass die Amerikaner und auch die Deutschen Urologen ihn nicht mehr empfehlen. Bei etwa 25 Prozent aller über 60jährigen, die den Test machen, ist das Ergebnis positiv. Weitere Untersuchungen folgen. Irgendwann muss das Gewebe der Prostata untersucht werden. Und dabei stellt sich dann raus, dass es in der Mehrzahl der Fälle Fehlalarm war. Die meisten Männer, um genau zu sein: drei von vier, haben sich umsonst Sorgen gemacht und nächtelang schlecht geschlafen. Darum wird dieser Test weder in den USA noch in irgendeinem anderen Land der Welt zum Screening von gesunden Männern empfohlen.

50.000 Männer gesucht

Eine neue Studie soll nun untersuchen, ob durch eine andere Anwendung der PSA Test doch als Früherkennung taugt. Der Düsseldorfer Urologe Peter Albers will das in den nächsten 15 Jahren erforschen.

Mikroskopbild Krebszelle

Nahaufnahme einer Krebszelle

Die weltweit einzige Studie wird von der Deutschen Krebshilfe mitfinanziert. Gesucht werden dafür 50.000 Männer. Seine Art zu testen würde neun von zehn Männern sofort helfen. Denn ihnen könnte man nach drei PSA Wertbestimmungen im Abstand von fünf Jahren sagen: Sie werden wahrscheinlich nie Prostatakrebs bekommen.

Drastische Folgen

Zwischenergebnisse aus dieser Studie sind darum natürlich erst in fünf Jahren zu erwarten. Eine zweite Langzeitstudie soll untersuchen, welche Behandlung bei Prostatakrebs die beste ist. 65.000 Patienten pro Jahr erhalten die Diagnose Prostatakrebs. Über 40.000 werden operiert. Mit teilweise drastischen Folgen wie Inkontinenz und Impotenz.

Aber die Sache hat noch einen weiteren Haken: Prostatakrebs ist ein klassischer Alterskrebs und wächst in der Regel nur sehr langsam. Viele Männer müsste man überhaupt nicht behandeln. Experten sagen, viel zu viele Männer würden operiert.

Operieren, Bestrahlen oder Abwarten

Modell der Prostata mit Statue des David von Michelangelo daneben

Welche Behandlung ist die richtige?

Zurzeit gibt es vier Behandlungsmethoden: neben der OP noch zwei verschiedene Arten der Bestrahlung: einmal von innen und einmal von außen. Vierte Methode: abwarten und regelmäßig den PSA Wert bestimmen. 7500 Männer, die alle unter Prostatakrebs leiden, werden auf die vier Behandlungsmethoden verteilt. Auch bei dieser Studie sind Zwischenergebnisse erst in fünf Jahren zu erwarten.

Da es also zur Zeit weder eine gute Früherkennung für Prostatakrebs gibt, noch die Behandlungsmethoden alle miteinander verglichen wurden, sollte sich jeder Mann sehr gut informieren, bevor er eine urologische Praxis betritt. Ausführliche und kritische Informationen gibt es bei der Deutschen Krebshilfe, aber auch bei allen Krankenkassen.

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