Kommentar

Gute Wahl! „Klimaterroristen“ ist Unwort des Jahres

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AUTOR/IN
Werner Eckert

„Wer sich selbst auf die Straße klebt oder Kunst mit Kartoffelbrei bewirft, ist kein Terrorist“, meint Werner Eckert und begrüßt die Wahl zum Unwort des Jahres 2022: Klimaterroristen. Menschen, die sich für das Klima einsetzen, würden damit übertrieben kriminalisiert.

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Wer sich selbst auf die Straße klebt oder Bilder mit Kartoffelbrei bewirft, ist kein Terrorist. Nicht mal die Leute, die in Lützerath gegen Gesetze verstoßen, sind Terroristen.

Selbst wenn ich ihre Methoden und manche ihrer Aussagen nicht teile: das ist alles so weit von Terrorismus entfernt. Deshalb ist es richtig, dass „Klima-Terroristen“ als Unwort gebrandmarkt wird.

Die Jury, die das tut, sagt zurecht: Unwörter entstehen im Gebrauch. Und dieser Begriff wird sehr häufig gebraucht - gar nicht mal in den bekannten, klassischen Medien, sehr wohl aber massenhaft in den Kommentaren der sozialen Medien, an den Stammtischen der Jetztzeit also.

Das Ziel ist klar: so werden die Menschen, die sich für Klimaschutz einsetzen, übertrieben kriminalisiert und ihr Anliegen gleich mit in Zweifel gezogen. Nach dem Motto: das kann nicht richtig sein, wenn es mit Terror zu tun hat.

Aber Fakt ist: Am menschengemachten Klimawandel beißt die Maus keinen Faden ab. Richtig bleibt auch, dass alles was Regierungen weltweit tun – auch unsere – nicht annähernd ausreicht, um das Problem zu lösen.

Das zu sagen und dafür Aufmerksamkeit zu erzeugen, das ist jedenfalls legitim. Mit den überwiegend jungen Menschen, die dafür ein Widerstandsrecht reklamieren, kann und muss man streiten, wie das denn in unserer Gesellschaft gehen kann.

Und man darf auch in Zweifel ziehen, ob sie ihrem Anliegen mehr nützen als schaden, aber das alles rechtfertigt es nicht, sie als Terroristen zu diffamieren. Wird es eine Öko-RAF jemals geben? Ich hoffe nicht, ich glaube das auch nicht.

Aber selbst wenn, wäre auch dann noch die Unterscheidung zu machen, zwischen den Tätern, die auf Abwegen sind und dem Thema, mit dem sie in Verbindung gebracht werden.

Während der Zeit der Rote-Armee-Fraktion, der Terrorwelle in den 1970er Jahren, haben wir schon einmal erlebt, dass die berechtigte Fahndung nach den Tätern begleitet war von einer Hatz auf so genannte Sympathisanten – die oft nur Menschen mit einer anderen Meinung waren.

Sprachbewusstsein fördern „Klimaterroristen“ ist Unwort des Jahres 2022

Das Unwort des Jahres 2022 lautet „Klimaterroristen“, weil er Klimaaktivist*innen mit Terrorist*innen gleichgesetze und dadurch ihren Protest diskreditiere. Eine Renaissance erlebt der Begriff „Sozialtourismus“ auf Platz 2: Er schaffte es bereits 2013 zum Unwort des Jahres. Auf dem dritten Platz landet der Ausdruck „defensive Architektur“.

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Werner Eckert