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„Weißsein ist die unsichtbare Norm“, sagt die Historikerin Bärbel Völkel nach der Durchsicht deutscher Geschichtsbücher. Diese offenbarten eine „koloniale Mentalität“. Hier werde im Subtext die Idee vermittelt, nur weiße Menschen könnten deutsch sein.

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Sie wolle den Schulbuchautoren aber „auf gar keinen Fall“ mangelnde Bildung oder Ignoranz unterstellen, sagte Völkel in SWR2. Ende Dezember 2020 hatte die Stuttgarter Zeitung über die Forschungsergebnisse von Bärbel Völkel berichtet, woraufhin sie irritierte bis erzürnte Leserbriefe erreichten.

Die Darstellungen des Artikels seien verkürzt, sagt die Professorin für Geschichte und Geschichtsdidaktik an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg im Gespräch mit SWR2.

Positive Erzählungen schwarzer Identität fehlen

Die Historikerin bekräftigt jedoch ihren Eindruck, in deutschen Geschichtsbüchern offenbare sich eine „koloniale Mentalität“. Europa werde als stillschweigender Maßstab zugrunde gelegt.

Schwarze Geschichte sowie die Geschichte der Juden und Sinti und Roma würden nicht als Teil der deutschen Geschichte erzählt. „Insofern werden sie totgeschwiegen“, so Völkel. Es fehle an positiven Erzählungen der schwarzen Identität.

Völkel erwähnt in diesem Zusammenhang den ersten bekannten Philosophen und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland, Anton Wilhelm Amo.

Bärbel Völkel ist auch Mitglied im Expertenrat des Antisemitimusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg.

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