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Reise durch den Körper (2) Wenn wir in die Knie gehen

Von Detlef Berentzen

Sie tragen eine schwere Last und sind ziemlich zerbrechlich: die Knie. Sie können sich drehen, beugen und federn beim Sprung. Wir belasten unsere Knie täglich schwer, und trotzdem halten sie fast alles aus.

Röntgenaufnahme eines Kniegelenks frontal und seitlich

Im Röntgenbild ist die Kniescheibe gut zu erkennen

Das menschliche Knie ist eine kleine Wundermaschine: Es bewegt sich in fast alle Richtungen, es kann beugen und strecken, Sprünge abfedern und rotieren. Nur bitte nicht zu sehr - sonst tut es weh. Aber ob beim Skifahren, Handball, Fußball, bei der Arbeit im Hoch- und Tiefbau oder auch bei allzu intensiven Wallfahrten, die Kniegelenke werden oft schwer belastet und das mögen sie auf Dauer gar nicht. Laut Allgemeinmedizinerin Dr. Elke Vogl ist es besonders für Scher- und Drehbewegungen anfällig, also Bewegungen, die man beim Sport macht, aber auch beim Umdrehen im Gehen zum Beispiel.

Eine hochsensible Angelegenheit

Das Kniegelenk ist komplex: Geschützt von einer ziemlich dreieckigen Kniescheibe, lateinisch patella, verbindet das Gelenk den Oberschenkelknochen mit Schien- und Wadenbein, macht Streck- und Beugebewegungen möglich, rotiert nach innen, rotiert nach außen, immer unterstützt von Sehnen, Faserknorpeln – genannt Menisken -  und den allseits bekannten Bändern, die immer erst dann zur Sprache kommen, wenn sie überdehnt sind oder reißen.


Ein bisschen Zuwendung tut gut

Das Kniegelenk, wie es uns die Evolution für den aufrechten Gang liefert, braucht deshalb auch im Alltag einfühlsame Unterstützung und keine besinnungslose Ausbeutung. Da stellt sich die Frage: Wie kann ich die mitunter gar gekreuzten Bänder, aber auch die Sehnen meiner Knie unterstützen bzw. entlasten? Wie kann ich meinen Kniegelenken Gutes tun? Der Tipp von Elke Vogl: Muskeln aufbauen! Eine stabiles Muskelkorsett hält das Knie. Auch Gymnastik kann helfen. Und das Knie ist es wert, immerhin muss es ein Leben lang halten. Und es kann mehr als sich nur beugen und strecken: der Kniekomplex kann zum Beispiel auch Signale geben - klare und eindeutige.

Der bekannteste Reflex

Wenn der Onkel Doktor mit dem Hämmerchen auf eine bestimmte Stelle unterhalb der Kniescheibe klopft schnellt der Unterschenkel nach oben. Das ist der so genannte Patellarsehnenreflex. Wie alle Reflexe ist er eine Direktschaltung zum Gehirn. Das heißt, hier werden nicht endlos viele Nervenbahnen mit Synapsen verknüpft, sondern eine einzige Bahn geht vom Knie direkt ins Rückenmark, wird dort nur ein Mal umgeschaltet und wandert - zack! - direkt ins Gehirn.

Arzt schlägt mit Hämmerchen auf Knie

Der Patellarsehnenreflex wird mit einem kleinen Schlag unterhalb der Kniescheibe ausgelöst

Solche extrem langen Nervenbahnen heißen Pyramidenbahnen. Wenn der Unterschenkel trotz des Klopfens nicht nach oben geht, hat der Patient ein Problem: dann sind womöglich die Muskeln gelähmt oder die Nervenverbindung kaputt.

Verschleiß gehört dazu

Auch ein Knie wird alt. Und kann schon mal knirschen, wenn nicht mehr genügend Knorpelmasse und Gelenkflüssigkeit vorhanden sind. Gerade im Alter ist es durchaus von Vorteil, dass wir mittlerweile in einer Demokratie leben: Immerhin war es Jahrhunderte lang gute autoritäre Sitte, die Knie vor feudalen und adligen Herrschaften zu beugen. Immer und immer wieder. Wenn es dann heute trotz des seltener gewordenen Kniefalls doch irgendwann kaputt geht, gibt es zum Glück inzwischen gute Ersatzteile.

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