Lachgas fördert Treibhauseffekt Reisanbau klimaschädlicher als gedacht

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Reis hat eine schlechte Klimabilanz - der Anbau setzt viel mehr Treibhausgase frei als der von Kartoffeln. Zwar gibt es alternative Anbaumethoden - doch auch die haben ihre Schattenseiten.

Die Reisterrassen in Süd- und Ostasien – pittoreske Anlagen – sind weltweit eine wesentliche Quelle für Methangas. Und das wiederum ist ein potentes Klimagas. Frühere Studien haben gezeigt, dass der Reisanbau für rund 2,5 Prozent des menschengemachten Klimawandels verantwortlich ist.

Agrarexperten propagieren deshalb eine andere Art des Reisanbaus: Statt der dauerhaften Flutung der Reisfelder sollen die Bauern nur noch periodisch Wasser einleiten. Doch das könnte ein Bumerang werden, sagt jetzt eine Forschergruppe in den Mitteilungen der amerikanischen Akademie der Wissenschaften PNAS.

Reisfelder produzieren klimaschädliches Lachgas

Der Wechsel von Überschwemmung und Trockenphasen führt zu weniger Methanausstoß – aber: die Reisterrassen produzieren dafür umso mehr Lachgas. Und das verschärft das Klimaproblem eher, als es zu lösen.
Der US-basierte Environmental Defense Fund und verschiedene indische Forscher haben dazu Versuche auf fünf Farmen in verschiedenen Regionen Indiens gemacht und kommen zu ganz anderen Lösungen.

Arbeiterin in einem Reisfeld in Laos (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Abhängig von der Anbaumethode entstehen bei der Produktion von Reis unter Umständen größere Mengen an klimaschädlichen Gasen, wie Methan oder Lachgas. picture-alliance / dpa -

Bisher wurde das Lachgas, das beim Reisanbau entsteht, nicht als Problem gesehen. Die Haupt-Anbauländer, Indien und China, geben keine Daten für das Distickstoff-Oxid an, wenn sie ihren Klimagasausstoß an das UN-Klimasekretariat melden. Tatsächlich sind die Klimawirkungen von Lachgas gering, so lange man klassischen Reisanbau betreibt, bei dem die Felder dauerhaft unter Wasser sind.

Die aktuellen Anbauempfehlungen orientieren sich am Methan-Ausstoß und der sinkt, wenn die Felder immer wieder austrocknen dürfen. Erst wenn der Grundwasserspiegel 15 cm unter die Oberfläche gesunken ist, werden die Terrassen erneut überschwemmt. Und immer so weiter.

Anbaumethode für Reis beeinflusst Wirkung auf das Klima

Bisher hatte niemand bemerkt, dass sich dadurch der Stickstoff-Haushalt drastisch ändert. Immer wieder wird Stickstoff im Boden festgebunden und dann wieder freigegeben. Und dabei entsteht viel mehr N2O als bisher vermutet. 30-45mal so viel. Das ist deshalb besonders gravierend, weil Lachgas viel langlebiger ist als Methan und auch eine stärkere Wirkung aufs Klima hat.

Bei gleicher Menge dreimal so stark, wenn man auf eine Zeitdauer von 20 Jahren rechnet und neunmal, wenn man die Auswirkungen im ganzen Jahrhundert berücksichtigt. Der Effekt ist regional sehr unterschiedlich. Aber für Indien hat die Gruppe errechnet, dass die Klimawirkung des modernisierten Reisanbaus tatsächlich zweimal höher ist, als bisher angenommen.

Klima schonen durch weniger Düngen und weniger Wasser

Die Wahrheit ist komplex – deshalb empfehlen die Studienautoren, sehr viel mehr regionale Analysen. Auf den Versuchsfarmen war z.B. eine Mischung aus „weniger Düngen“ und etwas weniger Wasser auf dem Feld sehr erfolgreich. Damit ließ sich die Klimawirkung wieder um rund 60 Prozent reduzieren.
Die Studie zeigt, wie vage unsere Vorstellungen von den Klimaeffekten natürlicher Systeme tatsächlich sind.

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