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Klimaangst – Wie sie motiviert und wann sie lähmt

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Klimawandel ist real und wird immer spürbarer

Der Klimawandel ist in Europa und in Deutschland angekommen – und das bereitet vielen Menschen Sorge. Manche haben sogar Angst: „Klimaangst“. Bilder wie die von der Hochwasserkatastrophe in Deutschland, extremer Hitze in Kanada oder den Waldbränden in Südeuropa könnten in Zukunft häufiger werden. Die Welt verändert sich, das Wetter wird unberechenbarer und extremer – und Schuld daran ist der menschengemachte Klimawandel. Wie wird er unser Leben und unsere psychische Gesundheit verändern?

Klimaangst ist keine psychische Erkrankung

„Climate Anxiety“ – Klimaangst. So nennt man die Angst vor dem Klimawandel und seinen Folgen. Eine psychiatrische Diagnose gibt es dafür nicht. Aber immer mehr Erkenntnisse, was dahintersteckt und was dagegen helfen könnte.

Ursprünglich kommt der Begriff Klimaangst aus Gesprächen zwischen Klimaforschenden, erklärt die Psychotherapeutin Katharina van Bronswijk. Er sollte die Gefühle dieser Menschen beschreiben, die sich täglich mit den Folgen des Klimawandels beschäftigen. Erst später wurde „Klimaangst“ auch verwendet, um die Angst im Allgemeinen zu beschreiben, die Menschen fühlen, wenn sie sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen.

An sich ist „Klimaangst“ erst einmal keine psychische Erkrankung, und die Psychologin van Bronswijk geht auch nicht davon aus, dass es dafür künftig eine Diagnose geben wird. Denn in der Klassifikation von psychischen Erkrankungen werden normalerweise keine Ursachen genannt, sondern nur Symptome.

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Aber auch Menschen ohne psychische Erkrankungen können Angst vor dem Klimawandel haben, vor allem in den vergangenen Jahren. Denn lange schien der Klimawandel etwas zu sein, was in anderen Teilen der Welt passiert, nicht in Deutschland. Dann kamen die Hitzesommer 2018 und 2019. Und schließlich die Hochwasserkatastrophe von 2021. Spätestens damit wurde der Klimawandel auch hier real und etwas, vor dem man Angst haben kann.

Klimasorgen werden voraussichtlich zunehmen

In einer Untersuchung von Forschenden der Umweltpsychologie der Universität Koblenz-Landau berichteten die Befragten eher von schwachen Ausprägungen von Klimaangst. Allerdings nimmt die Forschung an, dass mit stärkeren Klimafolgen in Zukunft auch die Klimasorgen zunehmen werden. In der Untersuchung hatten Frauen mehr Klimaangst als Männer und jüngere Menschen mehr als ältere.

Insgesamt ist das Phänomen Klimaangst noch nicht gut erforscht, es gibt bisher nur wenige Daten dazu.

Motivieren statt lähmen: Klimaangst kann einen Nutzen haben

Der Untersuchung der Universität Koblenz-Landau zufolge vermeiden Menschen, die unter Klimaangst leiden, sogar, sich noch mehr über den Klimawandel zu informieren. Vermutlich, um sich vor diesen negativen Emotionen zu schützen.

Gleichzeitig hat das Forschungsteam aber auch beobachtet: Zumindest in ihrer Stichprobe wirkte die Klimaangst nicht lähmend, sondern eher motivierend, erklärt der Umweltpsychologe Prof. Gerhard Reese.

„Die Zusammenhänge, die wir finden, ist, dass je stärker diese Klimaangst, umso größer auch die Bereitschaft, Klimapolitik zu unterstützen, auch so größer die Bereitschaft, sich selbst umweltbewusster zu verhalten.“

Es kann eine hilfreiche Strategie sein, sich mit anderen zusammenzuschließen, um sich über das lähmende Gefühl der Klimaangst auszutauschen und gemeinsam aktiv zu werden. Ein gutes Beispiel dafür sei Fridays for Future, sagt Gerhard Reese. Seit 2018 demonstrieren Kinder und Jugendliche dort für mehr Klimaschutz. Die Kernforderung: Die Weltgemeinschaft soll sich an das Pariser Klimaabkommen halten. Darin haben fast alle Regierungen der Welt vereinbart, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, bestenfalls 1,5 Grad.

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Activist Burnout – Gefahr der Überarbeitung

Die Klimaangst kann also ein Antrieb sein. Aber genau das befördert auch die Gefahr, sich zu überarbeiten. Activist Burnout ist hier das Stichwort. Damit ist ein Burnout gemeint, den Menschen erleben können, die sich für eine Sache intensiv engagieren und sich dann zu sehr verausgaben.

Eine offizielle Diagnose ist auch das nicht, genauso wenig wie ein Burnout im Allgemeinen. Allerdings gibt es Berichte aus anderen großen sozialen Bewegungen, wie beispielsweise der antirassistischen Bewegung Black Lives Matter – und natürlich von Klimaprotesten.

Die australische Gesellschaft für Psychologie nennt einige Gründe, warum Proteste gegen Klimapolitik der eigenen psychischen Gesundheit schaden können: Das Problem des Klimawandels fühle sich demnach überwältigend und dringend an, und Protestierende investierten viel Zeit und Motivation in Aktionen dagegen. Gleichzeitig hätten sie das Gefühl, dass ein Großteil der Gesellschaft die Dringlichkeit des Problems nicht wahrnehme. Das könne überfordernd sein.

Extremerfahrungen erhöhen Bereitschaft, aktiv an Lösungen mitzuwirken

Je mehr Menschen sich mit dem Klimawandel beschäftigen und je näher die Folgen kommen – durch Hitzesommer, Überflutungen und Brände – desto mehr kann sich auch das Gefühl von Klimaangst verbreiten.

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Eine Studie von schwedischen und US-amerikanischen Forschern zeigt: Wer ein Extremwetterereignis miterlebt, hat anschließend stärkere negative Gefühle gegenüber dem Klimawandel und ist eher bereit, höhere Steuern zu zahlen, um die Klimakrise zu lösen.

Da Extremwetter in Zukunft weiter zunehmen, werden wohl auch immer mehr Menschen solche negativen Klimagefühle empfinden. Wenn Klimaangst aber nicht überhandnimmt, kann sie sogar helfen.

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Der Experte verweist zudem auf die geänderte Landnutzung. Es handele sich um Flächen, die bis vor kurzem für Intensivlandwirtschaft genutzt worden seien und wenig brennbar waren. Durch die Landflucht der Bevölkerung unterlägen sie jedoch einer „ökologischen Sukzession“; Büsche und Bäume seien gewachsen. „Das macht diese Landschaft sehr viel brennbarer“, gibt Goldammer zu bedenken.
Grundsätzlich sieht der Waldbrandexperte die Einsatzkräfte in Griechenland, Türkei und Italien gut ausgerüstet für Feuerkatastrophen. Doch sei deren Zahl dieses Jahr einfach zu groß. Ähnliches gelte auch für Deutschland, wo man auf die Warnsignale des Jahres 2018 reagiert habe. „Die haben sich in den letzten Jahren doch schon besser vorbereitet“, meint Goldammer über die Bemühungen des Katastrophenschutzes. Für Extremsituationen gelte das jedoch nicht, warnt er: „Wenn wir nochmal solche Trockenlagen bekommen, dann werden wir schon Probleme haben“.
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