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Feinstaub aus dem Kamin Wohlige Wärme, kranke Luft

Schadstoffe in der Luft kosten hunderttausenden Menschen das Leben, klagt die Europäische Union. 400.000 Opfer sollen es im Jahr 2010 in der ganzen EU gewesen sein. Brüssel will deshalb die Grenzwerte weiter herabsetzen. Ein wichtiger Mitspieler bei den Schadstofferzeugern sind Kamine, also kleine Holzöfen. Die würden sogar mehr Feinstaub erzeugen, als der gesamte deutsche Straßenverkehr. Leipziger Forscher haben das in einer Studie bewiesen.

Der Wissenschaftler Dr. Yoshi Iinuma steht auf dem Dach des Leibnitz Instituts für Troposphärenforschung in Leipzig. Neben ihm ein vier Meter hohes, silbernes Metallrohr, das aus dem Dach ragt. Es ist wenige Zentimeter dick. Oben drauf sitzt ein kleiner, runder Regenschutz, ebenfalls aus Metall.

Staubsauger der Lüfte

Wie bei einem Staubsauger wird die Luft in dieses Rohr eingesaugt. So fangen wir Luftpartikel ein, erklärt der Forscher. Dann läuft er über das Dach zu einer Kammer und geht hinein. Hinter der Tür liegen Plastikschläuche. Daran angeschlossen ist ein staubsaugerähnliches Gerät.

Iinuma geht die Treppe hinunter, in einen kleinen Raum direkt unter dem Dach. Dorthin führt das Metallrohr. Ein silberner Filter ist in das Rohr eingebaut. Darin werden die Partikel aufgefangen und nach Größe sortiert, erklärt Dr. Olaf Böge, der an der Messung beteiligt ist.

Dann geht es noch eine Etage tiefer. Hier befindet sich das Labor. Die Einrichtung erinnert an eine Küche. Graue Hängeschränke und Unterschränke stehen an beiden Wänden. Yoshiteru Iinuma hat drei Proben der Partikelmessungen vorbereitet. Geschützt liegen sie in A5 großen Silberpapierbögen.

Die Jahreszeit des Kamins

Die Filter vor ihm stammen von einer Messung aus dem Erzgebirge. Dort wird im Winter sehr viel mit Holz geheizt. Iinuma öffnet nacheinander die drei Bögen. Darin liegen runde Papierscheiben mit einem Durchmesser von ca. 20 Zentimeter. Das sind die Filter. Der erste ist beinahe weiß, der zweite grau und der dritte ist schwarz.

Der erste Filter stammt aus dem Oktober, wo noch wenig geheizt wurde, weil die Temperaturen noch moderat waren. Der zweite Filter ist von Anfang Dezember. Er ist schon grau eingefärbt, erklärt der Forscher, und der dritte Filter wurde 3 Tage vor Heiligabend aus dem Messgerät geholt. Er ist beinahe schwarz.

Mittlerweile gäbe es so viele Öfen, das sie mehr Feinstaub erzeugen, als der gesamte deutsche Straßenverkehr: 15 Millionen in ganz Deutschland, sagt Iinuma. Allein in Sachsen hat sich die Zahl der Öfen in den letzten vier Jahren verachtfacht. Das Problem: die wenigsten besitzen Filter. Da Kohlekraftwerke durch großtechnische Anlagen gut entstaubt sind und ausreichend filtern, setzt im Vergleich zu ihnen die Summe der vielen kleinen Emittenten mehr Feinstaub frei.

Kaminkrankheiten

Besonders problematisch beim Holz verbrennen seien PAKs, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, sagt Prof. Hartmut Herrmann, welcher das Projekt leitete. Beim Einatmen dieser winzig kleinen Partikel kann es zu Entzündungen der Haut und Atemwege kommen. PAKs sind außerdem krebserregend und sie beeinträchtigen die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen. Die EU hat deshalb Grenzwerte für PAK-Konzentration in der Luft festgelegt.

Die Alpenländer sind Vorreiter. In Wien gab es bereits vor mehr als 10 Jahren eine große Grundlagenstudie des Kollegen Hans Puxbaum, der auch Beiträge aus Holzverbrennung eindeutig charakterisiert hat. Wer mit Holz heizt, sollte deshalb unbedingt richtig heizen und Ruß vermeiden.

Der eigentliche Zweck des Anzündens besteht beispielsweise darin, den Ofen und den Schornstein zu erwärmen. Nur dann zieht er gut. Wird dieser Prozess schnell in Gang gesetzt, brennt das Holz gleichmäßig und bildet kaum Ruß. Vorausgesetzt, es ist trocken und gut gelagert. Wichtig ist auch die Schichtung. Legt man nämlich die kleinen Holzstücken zuerst als Basisbrennholz in den Kamin, so Olaf Böge, würde nur das große Holz oben drüber erwärmt, nicht aber Ofen und Schornstein.

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