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Jim Morrison – Dichter, Sänger und Schamane

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Er war eine Ausnahmeerscheinung der US-amerikanischen Musikgeschichte: Jim Morrison, Sänger und Songwriter der Rockgruppe "The Doors". Morrison ging es vor allem darum, möglichst viele Menschen mit seinen Texten zu erreichen.

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Morrison war eine Figur voller Widersprüche: Intellektueller und Berserker, Narziss und Konsumkritiker. Seine Songtexte sind von den banalen Liebesliedchen der Popindustrie weit entfernt, seine Auftritte Ende der 1960er-Jahre hatten den Charakter von Performances. Jim Morrison wollte immer Dichter sein; Rocksänger wurde er nur aus Gelegenheit und um seine Texte besser präsentieren zu können. Dazu gründete der Student 1964 die Band "The Doors" zusammen mit seinem Kommilitonen Ray Manzarek..

Der Lyriker Jim Morrison

Schon in seiner Schulzeit hatte Jim Morrison Lyrik verfasst. Er wollte immer Dichter sein. Rocksänger wurde er nur, weil sich die Gelegenheit bot und er so seine Texte besser präsentieren konnte. Einer seiner literarischen Helden war der Skandaljüngling Arthur Rimbaud. In einem Brief hatte Rimbaud 1871 von der "Desorganisation der Sinne" geschrieben,""mit dem Ziel, in unbekannte Gefilde vorzustoßen". Das nahm sich Morrison als Rezept für seine eigene Dichterexistenz zu Herzen. Auch der französische Schriftsteller Louis Ferdinand Céline gehörte zu seinen Vorbildern. Célines Roman "Reise ans Ende der Nacht" von 1932 lieferte den Titel zu dem Doors-Song "End of the Night".

Vorbilder

Auch zu den Schriftstellern William Blake und Percy Bysshe Shelley empfand Jim Morrison eine Wahlverwandtschaft. Beide waren literarische Rebellen mit sozialreformerischen Ideen gewesen. Ein Text von Blake lieferte der Band "The Doors" auch ihren Namen.

Morrison und Nietzsche

Friedrich Nietzsche war für Jim Morrison eine Art geistiger Vater. Dabei faszinierte ihn vor allem Nietzsches provokante Haltung. Morrison machte sie sich zu Eigen. In seinem ersten Buch "Die Herren und die neuen Geschöpfe" 1969 kann man den Einfluss von Nietzsches "Zarathustra" auf die Gedichte und Texte Morrisons erkennen. Und natürlich war Morrison vor allem dem zugeneigt, was Nietzsche "dionysisch" nannte: dem Rausch, dem Traum, den Trieben.

Hüpfende Worte

Morrisons Bühnenauftritte waren entsprechend choreographiert: Hüpfer, Sprünge, konvulsivische Bewegungen, manchmal am Boden liegend. Seine angeraute, modulationsreiche Stimme, die – je nachdem, in welche Rolle er gerade geschlüpft war – auch flüstern oder schreien konnte, bestimmte das akustische Erlebnis, unterstützt von den Orgel- und Gitarren-Klängen der Rock-Band "The Doors". Für das Publikum der Live-Auftritte kam noch das Gemeinschaftserlebnis im Rock-Konzert hinzu, das zu einer Art Massen-Ritual geriet.

"Spoken poetry is much more powerful", sagte Jim Morrison einmal in einem Interview – gesprochene Gedichte haben viel mehr Kraft. Die Kunst des gesprochenen Wortes hat in Amerika eine lange Tradition, nicht zuletzt wenn man bedenkt, dass ein Großteil der frühen literarischen Produktion der "Neuen Welt" aus Predigten bestand. Jim Morrison war nicht nur vom Klang der Wörter und der Musikalität der Sprache fasziniert, sondern auch von Ritual, Magie und Schamanentum. Immer wieder tauchen in seinen Texten vieldeutige Symbole auf – etwa Schlange und Wolf, Sonne, Mond und Urwald. Morrison formulierte sein Ziel in einem Selbstinterview so:

Wenn meine Dichtung auf irgendetwas abzielt, dann darauf, die Menschen aus den Zwängen zu befreien, innerhalb derer sie sehen und fühlen.

Das amerikanische Gebet

Morrison veröffentlichte 1970 "An American Prayer" als Privatdruck in einer Auflage von fünfhundert Stück mit weinrotem Einband. Es wurde sein bekanntestes literarisches Werk. Die Themen des "Amerikanischen Gebets" bewegen sich zwischen dem Mythen- und Symbolbedürfnis des Menschen und autobiographischen und zeitpolitischen Anspielungen, etwa auf den Krieg in Vietnam und die Bürgerrechtsbewegung. Es formuliert Kritik an der Mediengesellschaft – insbesondere am Fernsehen als Ersatzleben. Es diagnostiziert die Angst vor dem Tod als Amerikas Neurose und zeigt Morrisons Auffassung von der religiösen Rolle des Dichters.

Abrechnung mit dem Vater

Das "Amerikanische Gebet" zeigt auch die persönliche Zerrissenheit des Dichters Jim Morrison. Morrison war der Sohn eines Marineoffiziers. Morrisons Vater hatte das Kommando auf dem Flugzeugträger "Bonhomme Richard", der eine wichtige Rolle bei den Kampfhandlungen im Vietnam-Krieg spielte. Jim besuchte seinen Vater auf diesem Schiff. Mit zunehmendem Alter verstand Morrison sich immer weniger mit dem Vater. Schließlich kam es zum vollständigen Bruch mit den Eltern. In den letzten sechs Jahren seines Lebens hatte er keinen Kontakt mehr mit ihnen. Und so klingen manche Zeilen im "Amerikanischen Gebet" auch nach einer persönlichen Abrechnung mit dem Vater.

Abrechnung mit Amerika

Dem Establishment gefielen diese kritischen Verse gar nicht. Schon 1969 durfte der "Doors"-Song "The Unknown Soldier" nicht in den amerikanischen Radiosendern laufen, weil er den Vietnam-Krieg kritisierte. Das "Amerikanische Gebet", das ein Jahr später erschien, enthielt mehrere provokante gesellschaftskritische Passagen. Erst 1978, sieben Jahre nach Jim Morrisons Tod, veröffentlichten die "Doors" das Album "American Prayer". Interessanterweise fehlt darin immer noch eine amerikakritische Passage des ursprünglichen Gedichttextes.

Jim Morrison starb in den frühen Morgenstunden des 3. Juli 1971 an Herzversagen – die Folge jahrelanger Alkoholexzesse und vermutlich einer Überdosis Heroin. Er wurde 27 Jahre alt.

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