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Island: Hohe Impfquote, aber die Pandemie ist nicht vorbei

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80 Prozent der Isländer*innen sind gegen Covid-19 geimpft

Manche Virologen sprechen von einer Warnung für Deutschland. Obwohl in Island europaweit am meisten Menschen gegen Covid-19 geimpft sind, etwa 80 Prozent der Erwachsenen, erlebt die Insel die bisher schlimmste Infektionswelle während der Pandemie.

Island: Corona-Impf-Europameister

Sie haben geglaubt, das Virus schon besiegt zu haben – schließlich sind die Isländer Impf-Europameister. Über 80 Prozent der Erwachsenen gelten auf der Insel als vollständig geimpft. Bei den über 60-Jährigen liegt die Impfquote deutlich über 90 Prozent. 

Maßnahmen abgeschafft – prompt neue Rekordwerte bei Infektionszahlen

Ende Juni 2021 hat die Regierung deshalb alle Maßnahmen aufgehoben – keine Reisebeschränkungen mehr, keine Abstandsregeln, selbst die Maskenpflicht ist abgeschafft worden. Doch zwei Wochen später, Mitte Juli 2021, sind die Zahlen auf neue Rekordwerte nach oben geschnellt. Anfang August 2021 lag die 14-Tagesinzidenz bei etwa 390 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Und mittlerweile infizieren sich mehr Geimpfte als Ungeimpfte – die meisten der Infizierten gelten als vollständig geimpft. 

Geschlossene Bar "The Irishman Pub" in Reykjavik. Ende Juni 2021 feierte Island die eigene hohe Impfquote, alle Maßnahmen wurden seitens der Regierung aufgehoben. Doch jetzt steigen die Infektionszahlen wieder. (Foto: imago images, IMAGO / Seeliger)
Geschlossene Bar "The Irishman Pub" in Reykjavik. Ende Juni 2021 feierte Island die eigene hohe Impfquote, alle Maßnahmen wurden seitens der Regierung aufgehoben. Doch jetzt steigen die Infektionszahlen wieder. IMAGO / Seeliger

Schützt Vektorimpfstoff von Johnson und Johnson weniger gut gegen Delta?

Das alleine ist noch kein Grund zur Beunruhigung, weil durch die Impfungen nicht alle Infektionen verhindert werden können. Doch auffällig ist, dass sich in Island in den vergangenen Wochen vor allem die 18- bis 29-Jährigen infiziert haben, obwohl etwa 80 Prozent der jüngeren Altersgruppe den vollständigen Impfschutz haben; vergleichsweise viele haben dafür nur eine Spritze erhalten. So sind auffällig viele von den 18- bis 29-Jährigen mit dem Impfstoff von Johnson und Johnson geimpft worden – ein möglicher Hinweis, dass der Vektorimpfstoff weniger Infektionen mit der Delta-Variante verhindern könnte. 

Nur wenige schwere Krankheitsverläufe, aber Island bleibt wachsam

Doch schwere Krankheitsverläufe beobachtet das Land bisher wenige. Die Regierung in Reykjavik ist aber vorsichtig, weil sich viele der älteren Infizierten in der ersten Krankheitswoche befinden. Noch sei nicht abzusehen, wie sich die Covid-19-Verläufe bei den Erkrankten entwickeln. Doch mit einem stärkeren Anstieg der schweren Covid-19-Fälle ist wegen der hohe Impfquote auf der Insel nicht zu rechnen. 

Mit insgesamt 360.000 Einwohnerinnen und Einwohnern und einer begrenzten Zahl von Klinikbetten ist die Sorge auf Island aber groß, dass die Lage sich noch verschlimmern könnte – auch weil die Zahl der Covid-19-Patientinnen und Patienten weiterhin steigt. 

Gleichzeitig stecken sich wieder etwas weniger Menschen an, auch weil die isländische Regierung Ende Juli 2021 strengere Maßnahmen eingeführt hat:

  • Für Veranstaltungen gilt eine Obergrenze von 200 Personen
  • Masken müssen überall getragen werden, wo ein 1-Meter-Abstand nicht eingehalten werden kann
  • Bars müssen wieder früher schließen
  • Für alle Reiserückkehrer gibt es eine Testpflicht: Auch Geimpfte müssen sich testen lassen und viele Reiserückkehrer müssen vorsorglich in Quarantäne

Die strengeren Maßnahmen sollen mindestens bis Ende August 2021 gelten. Auf Island werden die Stimmen gleichzeitig immer lauter, dass die Regierung die Maßnahmen Ende Juni 2021 zu früh aufgehoben hat. 

Impfung für Kinder ab 12, Auffrischungsimpfung für Erwachsene geplant

Das Land blickt jetzt vor allem in die Zukunft – möchte jetzt möglichst viele Kinder zwischen 12 und 16 Jahre impfen. Bei den Kinder- und Jugendlichen über 12 Jahre liegt die Impfquote bei etwa zehn Prozent. Auch deswegen gelten von der isländischen Gesamtbevölkerung etwa 75 Prozent als geimpft – zu wenige, um das Virus entscheidend auszubremsen. 

Außerdem plant Island Auffrischungsimpfungen, eher weniger aus Sorge vor schweren Krankheitsverläufen. Mit den Auffrischungsimpfungen sollen in Zukunft vor allem ähnlich starke Corona-Wellen verhindert werden – auch wenn es hier noch zu wenige wissenschaftliche Daten über den Nutzen eine Booster-Impfung gibt. 

Die Insel möchte sich wappnen und nicht noch einmal so überrascht werden wie jetzt – nicht noch einmal den gleichen Fehler machen, die Pandemie frühzeitig für beendet zu erklären. 

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