Kulturleben

Kultureinrichtungen im Post-Lockdown: Warum Bühnen und Museen weiterhin auf digitale Angebote setzen

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AUTOR/IN
Mareike Gries

Unter dem Motto „Neustart Kultur“ wollte die Bundesregierung den corona-gebeutelten Kreativen unter die Arme greifen. Museen, Theater oder Literaturhäuser konnten Fördergelder beantragen, um ihre Angebote digital zu verbreiten. Inzwischen findet Kultur wieder live statt. Viele Kultureinrichtungen lassen sich die digitale Option dennoch offen.

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Viel Energie fließt ins Digitale

Am Nationaltheater Mannheim gibt es seit einem Jahr das Institut für Digitaldramatik – ein Stipendienprogramm, bei dem Werke explizit für den digitalen Raum entwickelt werden sollen. „Wir stellen die Frage in den Vordergrund, welche Inhalte sich auf digitalen Bühnen überhaupt erzählen lassen. Ein wichtiger Bestandteil davon ist, dass unsere Strukturen dafür noch gar nicht ausgelegt sind“, sagt die Dramaturgin Lena Wontorra vom künstlerischen Leitungsteam.

„Wir begreifen das Programm immer auch als beidseitigen Lernprozess, für die Stipendiatinnen, aber auch für unser Haus.“ Wontorra ist sich sicher, dass digitale Angebote auch nach Corona an den Theatern erhalten bleiben.

Frontale Bühnenformate funktionieren online nicht

Frontal abgefilmte Theaterstücke oder Opern reizen die Zuschauenden und Macher*innen weniger. Wenn, dann muss das digitale Angebot einen Mehrwert liefern. Das hat auch Petra Plättner von der Mainzer Akademie der Wissenschaft und der Literatur bemerkt.

Während das digitale Angebot bei ihren Kulturveranstaltungen nicht so gut ankam, wurde es für Symposien oder Vorträge rege genutzt. Deshalb soll es für diesen Bereich auch künftig erhalten bleiben.

„Bei bestimmten Formaten fand ich es sehr gelungen“, sagt Plättner „Bei kulturellen Veranstaltungen, hat sich gezeigt, nehmen die Zuschauer das Präsenzangebot viel lieber wahr.“

Kontakt zum Publikum aufrecht erhalten

Aber auch ohne Corona kann das Publikum nicht immer vor Ort sein. Zum Beispiel, wenn eine Kultureinrichtung wegen Umbauarbeiten längere Zeit geschlossen ist. So ist es aktuell in der Kunsthalle Karlsruhe.

Das digitale Angebot ermöglicht dem Museum, den Kontakt zu den Besuchern zu halten, sagt Tabea Schwarze, verantwortlich für das Digital Management des Hauses: „Für uns als Museum, dass sich jetzt gerade mit einer mehrjährigen Schließzeit in einer sehr besonderen Lage befindet, ist das essenziell. Wir werden viele ungewöhnliche, neue digitale Angebote ausprobieren und den Besucherinnen zur Verfügung stellen und sind schon sehr gespannt darauf, wie diese angenommen werden.“

Die Bühnen sind auf alles vorbereitet

Während das Publikum der Kunsthalle Karlsruhe gerade fernbleiben muss, beklagen sich andere Kultureinrichtungen darüber, dass sie deutlich weniger Karten verkaufen als vor Corona. Für Günther Fingerle vom Pfalztheater Kaiserslautern ist ein digitales Angebot etwa in Form von Trailern ein möglicher Weg, die Zuschauer vom Computer ins Parkett zu locken.

„Wir am Pfalztheater stürzen uns zurzeit komplett auf das Live-Erlebnis, das wir so lange entbehren mussten“, sagt Fingerle. „Wir sind im Moment kräftig damit beschäftigt – und das ist auch nicht einfach – unser in den zwei Jahren Pandemie abhanden gekommenes Publikum wieder zurückzugewinnen. Und dafür setzen wir natürlich auch unsere digitale Expertise ein.“

Das werde man auch weiterhin tun, schließlich wisse man nicht, wie die Situation im Herbst und Winter aussehen wird. Zwar wünscht sich keiner, dass Theater und Museen noch einmal dichtmachen müssen. Ausschließen kann das aber leider auch niemand. Und dann ist digitale Kultur besser als gar keine.

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Mareike Gries