Die Falten "wegbügeln" mit Gesichts-Yoga - funktioniert das wirklich? (Foto: Colourbox, Model Foto: Colourbox.de -)

Wunderwaffe gegen Falten? Gesichtsgymnastik

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Gesichtsgymnastik, Gesichtsyoga, Faceforming und Face Gym haben ihre Anhänger. Gemeint ist damit das Trainieren von Muskeln im Gesicht. Auf YouTube gibt es über 250.000 verschiedene Clips zu diesem Thema. Kurse in Volkshochschulen werden dazu angeboten. Von einer angeblich "neuen Wunderwaffe gegen Falten" ist die Rede.

Ist das Trainieren der Gesichtsmuskeln tatsächlich eine effektive Methode, um Fältchen und schräge Mundwinkel zu vermeiden? Ist Gesichtsgymnastik eine hervorragende Alternative zu Botox oder Lifting? Wissenschaftlich belegt ist das nicht, aber etliche Menschen schwören auf die Faltenreduzierung durch Muskeltraining fürs Gesicht.
Und wieso auch nicht? Wenn man Bauch- und Armmuskeln kräftigen kann, wieso nicht auch die im Gesicht? Muss doch etwas bringen. Beim Faceforming wechseln die langsamen Übungen zwischen Anspannung und Entspannung. Bei Gesichtsjogging dagegen geht es vor allem um Anspannung.

Eine Frau schaut sich Drogeriemarkt etwas an (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Teure Kosmetika kaufen oder Gesichtsjogging lernen? Thinkstock -

Und kaum etwas ist so sicher wie das Altern: Falten, Krähenfüße und Doppelkinn kommen bestimmt. Mit Skalpell und Spritzen versuchen manche das jugendliche Aussehen wieder zu erlangen. Doch Schönheitsoperationen können gewaltig schiefgehen. Immer wieder zu bestaunen bei Hollywoodstars. Eine verheißungsvolle Methode, auch für den kleinen Geldbeutel, scheint dagegen Gesichtsgymnastik zu sein. Doch geht das wirklich: Kann man Falten weg trainieren?

Kosmetika versus Gesichtsfitness

Früher war Monika Thelen eigentlich immer ganz zufrieden mit ihrem Aussehen. Doch dann fiel der 39-Jährigen auf, dass ihr Gesicht sich verändert. Um Augen und Mund herum bildeten sich Fältchen, die immer tiefer wurden. Monika Thelen versuchte dagegen mit Kosmetika anzukämpfen.

Dann hat sie gelesen, dass Gesichtsgymnastik ganz gut sein soll, um Falten zu glätten oder – noch besser - gar nicht erst entstehen zu lassen. Gesichtsgymnastik ist der Oberbegriff für viele verschiedene Übungen, die dann etwa Faceforming, Gesichtsjogging oder Gesichtsyoga genannt werden.

Jugendliche machen ein Selfie (Foto: SWR, SWR -)
Das Selfie als Vorstufe zur Gesichtsgymnastik? Etliche Ratgeber-Bücher geben Tipps, wie man das Anti-Falten-Training am besten macht SWR -

Das können extreme Grimassen sein oder langsame kontrollierte Bewegungen der Augen oder des Mundes. Bei wieder anderen geht es vor allem um Anspannung und Entspannung bestimmter Gesichtspartien. Etliche Ratgeber-Bücher geben Tipps, wie man es am besten macht. Auch einige Volkhochschulen bieten entsprechende Kurse an. Und im Internet, bei YouTube, sind verschiedene Übungen zum Nachmachen zu sehen.

Yoga gegen Zornesfalten

Auch so genannte Zornesfalten zwischen den Augen oder Wangenfalten sollen auf diese Weise abgemildert werden. Anhänger der Gesichtsgymnastik schwärmen darüber auf YouTube.

Doch Erfolge lassen sich wissenschaftlich nicht belegen. Nachweise, ob und inwiefern Gesichtsgymnastik Falten abschwächt oder bekämpft, fehlen bisher. So gibt es gegensätzliche Meinungen. Für die Hautärztin Uta Schlossberger steht fest: Diese Methode kann keine Falten wegzaubern.

Einige Experten sehen das etwas anders. Die Bewegungsübungen könnten zwar nichts gegen mimische Falten etwa auf der Stirn oder um den Mund herum ausrichten. Aber sie würden etwas helfen bei Doppelkinn, Hängebäckchen oder Halsfalten. Also bei Alterserscheinungen, die durch die Schwerkraft verursacht werden - weil die Festigkeit des Gewebes nachlässt – und auch Muskeln sich etwas abbauen.

Muskeln und Unterhaut

Die Hautärztin Uta Schlossberger hingegen meint, Gesichtsgymnastik habe keinerlei Einfluss auf die Struktur des Bindegewebes. Denn Unterhautgewebe geht über die Jahre verloren. Mit den Muskeln hat das nicht viel zu tun.

Das Unterhautgewebe könne etwa durch Unterspritzen mit Hyaluronsäure aufgefüllt werden. Das glättet die Falten, muss jedoch regelmäßig wiederholt werden. Allerdings räumt die Dermatologin dem Gesichtstraining einen kleinen kurzfristigen Effekt ein. Denn es bringt insofern etwas, als es zu einer Durchblutung der Haut führt. Sie sieht rosiger aus und ist nicht mehr ganz so großporig.

Auch wenn Experten gegensätzliche Standpunkte vertreten, Monika Thelen glaubt an das Gesichtstraining. Sie macht seit einigen Wochen bestimmte Übungen und hat schon das Gefühl: Es tut sich etwas.

Befürworter der Gesichtsgymnastik raten, das Training möglichst vier, fünf Mal die Woche zu machen – jeweils 10, 15 Minuten. Für den Einstieg empfiehlt sich außerdem eine geübte Lehrerin. Eine, die genau weiß, wo sich welche Muskeln befinden, damit man die Übungen perfekt ausführt.

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