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Bettwanzen haben feine Antennen

Blutsauger auf der Matratze Die Bettwanze

Vor 30 Jahren waren sie fast ausgestorben, heute entwickeln sie sich zu einem weltweiten Problem: Bettwanzen! Bis zu acht Millimeter groß sind die "hämatophagen Ektoparasiten", die nur dann glücklich sind, wenn sie menschliches Blut trinken. Und das klappt als Folge von Globalisierung und Resistenzen gegen Insektizide immer besser.

Die Winzlinge sind evolutionäre Tausendsassa. Irgendwann, als wir noch in Höhlen lebten, hatte die Plattwanzenart "Cimex lectularius" genug von ihrem damaligen Wirt, der Fledermaus, und suchte neue Nahrungsquellen. Sie fand den Menschen. Sofort passte sie sich seinen Lebensgewohnheiten an, verlor Flügel und Augen, außerdem bildete sie eine oval-flache Form heraus, ideal, um sich in engen Ritzen zu verstecken.

Ein geruhsames Leben

Tagsüber irgendwo untertauchen, um dann nachts dem schlafenden Opfer – also uns – das Blut herauszusaugen. Die Folgen lassen sich am nächsten Morgen auf der Haut besichtigen. Es entstehen meist Quaddeln bei Menschen, ähnlich wie bei einem Mückenstich, und die sind dann gruppiert oder in einer Reihe angeordnet.

Bettwanzen – so Arlette Vander Pan, Biologin am Umweltbundesamt Berlin – geben sich beim Blutsaugen keine allzu große Mühe, stechen mal hier, stechen mal dort, bis sie endlich ein Blutgefäß getroffen haben, deshalb die eigentümlichen Muster auf der Haut. Allerdings können auch komplexere Haureaktionen entstehen, darunter Hautausschlag, Schwellungen oder ganze rote Flächen, dann ist die Diagnose schwieriger.

Frau mit Bettwanzenbissen

Bettwanzen geben sich beim Blutsaugen keine allzu große Mühe, stechen mal hier, stechen mal dort, bis sie endlich ein Blutgefäß getroffen haben

Bettwanzen sind anpassungsfähig. Ausgewachsene Tiere überstehen zum Beispiel Hungerperioden von bis zu acht Monaten. Haben sie ein Opfer gefunden, saugen sie zwischen fünf bis zehn Minuten. Äußerlich ähneln Bettwanzen Apfelkernen: Sie sind dunkelbraun und vier bis fünf Millimeter lang; vollgesogen erreichen sie acht Millimeter. Bis zu 200 Eier legen Bettwanzen-Weibchen in ihrem Leben, etwa sieben pro Woche.

Fünf Mal saugen bis zum Ausgewachsensein

Die geschlüpften Wanzen sind sehr klein, weiß, durchsichtig, und es gibt insgesamt fünf Juvenilstadien. Das bedeutet, dass jedes Jungtier fünf Mal Blut saugen muss, um sich zum nächsten Stadium zu häuten.

Bettwanzen haben sich in den letzten Jahren zu einem echten Problem entwickelt – und zwar weltweit. Das erstaunt, immerhin waren sie Mitte des letzten Jahrhunderts fast ausgestorben. Die Kammerjäger hatten damals ganze Arbeit geleistet.

In den 30er-Jahren hat man ein Bewusstsein für dieses Problem entwickelt und dann auch bekämpft. Anfänglich mit Ausräuchern und später dann mit Insektiziden mit Langzeitwirkung. Ende des Zweiten Weltkriegs waren dann kaum noch Fälle von Bettwanzenbefall bekannt, vor allem in Industrienationen wie Deutschland.

Rückkehr der Bettwanzen

Zwei Gründe gibt es für die Rückkehr der Blutsauger: Bettwanzen sind gegen viele heute verfügbaren Insektizide resistent, außerdem verteilen Touristen die Beißer über den ganzen Globus. Mit mangelnder Hygiene hat Bettwanzenbefall übrigens nichts zu tun. Selbst schicke Hotels beherbergen die Biester, die dann im Koffer problemlos den Weg von Paris, New York oder Mallorca nach Karlsruhe finden.

So unangenehm die "Tapetenflundern" auch sein mögen, es gibt auch eine gute Nachricht, so Arlette Vander Pan vom Umweltbundesamt. Bettwanzen sind zwar Blutsauger, und theoretisch könnten sie damit Krankheitserreger übertragen, allerdings konnte das bisher nicht nachgewiesen werden.

Hund mit hellen wachen Augen vor einer Matraze

Sniggers, geprüfter Bettwanzen-Spürhund - bei Gefahr verströmen Wanzen ein ekelig-süßlich riechendes Pheromon, das alle anderen Artgenossen zur Flucht treibt

Sind Bett und Wohnung erst einmal mit Wanzen befallen, ist die Not groß. Natürlich macht es Sinn, Bett- und sonstige Wäsche regelmäßig zu waschen – 60 Grad Celsius reichen – die Bettwanzen lassen sich damit aber nicht aus Wohnung vertreiben. Zunächst einmal verfügen sie über ein ausgeklügeltes Warnsystem.

Warnsystem der Tapetenflundern

Bei Gefahr verströmen Wanzen ein ekelig-süßlich riechendes Pheromon, das alle anderen Artgenossen zur Flucht treibt. Bettwanzen in einer der vielen Ritzen der Wohnung zu finden schafft nur ein professioneller Schädlingsbekämpfer.

Im optimalen Fall ermittelt der Schädlingsbekämpfer natürlich alle Verstecke der Tiere und kann dann durch direktes Besprühen mit Insektiziden die Tiere unmittelbar abtöten, das wirkt allerdings nicht gegen die Eier, diese müssen mechanisch entfernt werden.

Vorsicht beim Kauf alter Gegenstände, Möbel etwa, immer schauen, ob es nicht Spuren von Bettwanzen gibt

Vorsicht beim Kauf alter Gegenstände, Möbel etwa, immer schauen, ob es nicht Spuren von Bettwanzen gibt

Das ist aufwendig und ziemlich teuer. Der Einsatz von Spezial-Insektiziden schlägt mit 300 bis 500 Euro zu Buche, wer die Plagegeister mit Wärme und Kälte bekämpft – also ohne Chemie – legt schon 1500 Euro und mehr auf den Tisch. Und wie kann man sich gegen Bettwanzen schützen?

Das ist schwierig, immerhin gibt es aber ein paar Regeln: Vorsicht beim Kauf alter Gegenstände, Möbel etwa, immer schauen, ob es nicht Spuren von Bettwanzen gibt. Und wer in einem Hotel absteigt, sollte seinen Koffer niemals auf oder neben das Bett stellen. Ist das Bett besiedelt, wandern die Wanzen ruck-zuck ins eigene Gepäck.