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Drei Hunde sitzen in einem Eingang der Hundepension am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden

Sozialverhalten bei Tieren Hunde sind weniger teamfähig als Wölfe

Über den Schutz der Wölfe wird erbittert gestritten. Endlich wieder angesiedelt, hat nun ein Wolf in der Nähe von Heilbronn drei Lämmer gerissen. Damit zeigt er natürliches Jagdverhalten. Anders als ihre domestizierten Verwandten- die Hunde - leben Wölfe vorrangig von Lebewesen, die sie auf der Jagd erlegen. Dazu schließen sie sich gern in Teams zusammen. Eine neue Studie ergab nun, dass Wölfe das auch deutlich besser können als Hunde.

Die Wiener Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Hunde schlechte Teamplayer sind. Zumindest wenn es darum geht, mit anderen Hunden zusammen zu arbeiten. Die Forscher der Veterinärmedizinischen Uni in Wien haben dazu Wölfe und freilebende Hunde in Zweierteams eingeteilt. Die Tiere mussten versuchen, ein Tablett mit leckerem Futter drauf zu sich heranzuziehen. Das Tablett ließ sich aber nur bewegen, wenn auf jeder Seite ein Tier gleichzeitig an einem Seil zog – alleine zerren brachte gar nichts. Fünf von sieben Wolfspärchen meisterten die Aufgabe, bei den Hunden war nur eins von acht Teams erfolgreich. Die Wölfe waren so clever, dass sie sogar geduldig auf den Partner warteten, wenn sie erst mal nur alleine in den Versuchsraum geschickt wurden. Für den Erfolg war aber auch der soziale Rang entscheidend: gleichrangige Tiere haben am besten miteinander kooperiert.

Zwei Wölfe kooperieren, um an das Futter zu gelangen

Zwei Wölfe kooperieren, um an das Futter zu gelangen


Wölfe ziehen eher an einem Strang als Hunde

Wölfe sind in freier Wildbahn viel stärker aufeinander angewiesen als Hunde. Sie jagen zusammen und ziehen im Rudel ihre Jungen auf. Freilebende Hunde dagegen suchen oft einzeln nach Futter und ziehen ihre Welpen in der Regel alleine groß. Die Wiener Forscher haben für ihre Tests extra keine Haushunde genommen, weil deren Umgang mit Artgenossen entscheidend davon abhängt, wie ihre Besitzer sie erzogen haben. Diesen menschlichen Einfluss wollten die Wissenschaftler ausschalten. Allerdings war das bei dem Experiment letztlich gar nicht möglich: denn die Versuchs-Wölfe waren im Gehege von Menschen aufgezogen, das könnte ihr Verhalten auch beeinflusst haben.

Hunde bilden gern ein Team mit Menschen

Mit ihrem engsten Bindungspartner, dem Menschen, arbeiten Hunde sehr gut im Team. Möglicherweise besser als mit ihren eigenen Artgenossen. Das muss nochmal gesondert getestet werden. Forscher der Max-Planck-Gesellschaft haben aber auch herausgefunden, dass der Hund offenbar kognitive Fähigkeiten verloren hat, als er domestiziert wurde. Die Forscher mutmaßen, dass Wölfe größeren Forschungsdrang zeigen müssten als Hunde. Im Gegensatz zu den Haustieren müssen Wölfe ihre Futterquellen selbst entdecken.

Zwei Wölfe laufen nebeneinander in einem Wildpark

Wer also in Baden-Württemberg einen Wolf lebendig bestaunen möchte, muss bis auf Weiteres einen Wildpark besuchen. Für Wölfe in freier Wildbahn galt bislang immer: Endstation Baden-Württemberg.


Wölfe verstehen Zusammenhänge besser

Ein weiteres Experiment zeigte kürzlich, wie gut Wölfe kausale Zusammenhänge verstehen. Forscher versteckten Futter und gaben Hunden und Wölfen anschließend Hinweise: Sie zeigten mit dem Finger oder nickten einfach mit dem Kopf in die Richtung des Futters. Sowohl Hunde als auch Wölfe lernten, diese Signale zu verstehen. Die Forscher legten auch Futter in einen Becher und schüttelten ihn. In diesem Fall verstanden nur die Wölfe, dass ein Becher mit Futter ein Geräusch erzeugt, ein leerer Becher jedoch nicht. "Das deutet darauf hin, dass die Domestikation einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten unserer heutigen Hunde hatte", sagt Juliane Bräuer vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, die an den Studien beteiligt war. Ihre Erklärung: Möglicherweise haben Wölfe einen stärkeren Forschungsdrang als Hunde, weil sie sich ihr Futter selbst suchen müssen.

Wolf und Mensch fanden schon früh zu Jagdgemeinschaften zusammen

Schon in der Jungsteinzeit haben Mensch und Wolf gemeinsam gejagt- so der Stand der Forschung. Wölfe haben vermutlich die Nähe des Menschen gesucht, weil dort Fleisch- und Knochenreste zu holen waren. Wie sich beide Seiten dann genau angenähert haben, ist natürlich reine Spekulation – aber eine Eigenschaft der Wölfe hat dabei vermutlich eine Schlüsselrolle gespielt: Wölfe sind exzellente Beobachter. Sie lernen durch Zuschauen – und zwar über Artgrenzen hinweg. Das heißt, Wölfe haben schnell begriffen, welches Verhalten im Zusammenspiel mit dem Menschen ihnen Vorteile bringt. Und der Mensch konnte so die ersten Wölfe erfolgreich zähmen.

Wann und wo ist der Wolf zum Hund geworden?

Das ist seit Jahren umstritten, die letzte große Studie dazu ist diesen Sommer in „Nature Communications“ erschienen, auch die Unis in Mainz und Bamberg waren beteiligt. Die Forscher haben das Genom prähistorischer Hundeknochen analysiert und schließen daraus, dass der Übergang vom Wolf zum Hund vor 20- bis 40.000 Jahren stattgefunden hat. Genauer lässt sich das nicht sagen, weil es schlicht zu wenige Knochenfunde gibt, der älteste ist ein knapp 14.000 Jahre alter Hundekiefer. Die Autoren der „Nature“-Studie gehen davon aus, dass die ersten Wölfe in Asien oder Europa gezähmt wurden – sie wissen nicht wo, sind aber sicher, dass es nur an einem Ort passiert ist. Damit widersprechen sie einer Untersuchung in „Science“ von 2016: Darin kommen Oxford-Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Wölfe an zwei verschiedenen Orten domestiziert wurden – demnach hätten sich die Vorfahren der modernen Hunde in Europa und Asien zunächst jahrtausendelang unabhängig voneinander entwickelt. Welche These stimmt, können nur weitere Genanalysen zeigen, dafür aber braucht es weitere Knochenfunde.

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