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Hormontherapien – Besser als ihr Ruf

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Dorothea Brummerloh
Dorothea Brummerloh (Foto: Dorothea Brummerloh)
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Justina Bretzel / Candy Sauer

Ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren leidet unter belastenden Nebenwirkungen. Eine Hormontherapie könnte Linderung bringen – aber viele Frauen lehnen sie ab. Dabei sind die Vorbehalte weitgehend unbegründet, die Vorteile überwiegen die Nachteile bei weitem. Das belegen wissenschaftliche Studien.

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Hormone – chemische Allesregler im menschlichen Körper

Hormone sind chemische Botenstoffe unseres Körpers, die jeder Zelle übermitteln, was zu tun ist. Etwa 100 verschiedene menschliche Hormone sind in der Wissenschaft bereits bekannt. Es wird aber vermutet, dass mindestens 1.000 Botenstoffe existieren, die in unserem Körper alles regeln.

Bei 70.000 Milliarden Zellen sind wir Menschen auf ein perfektes Zusammenspiel von Hormonen angewiesen. Fehlt ein Hormon ganz, wird zu wenig oder zu viel gebildet, gerät das sorgsam aufeinander abgestimmte Gleichgewicht aus dem Lot. Die Folge: Körperfunktionen kommen durcheinander und Krankheiten entstehen.

Jedes Hormon hat nämlich eine ganz bestimmte Aufgabe: Die beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin steuern zum Beispiel Stoffwechselvorgänge in den Körperzellen. Und die in den Nebennieren gebildeten Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin ermöglichen die Freisetzung von körpereigenen Energiereserven.

Wechseljahre – eine "Achterbahn der Hormone"

So gibt es auch eine ganze Reihe weiblicher Hormone, die die Fortpflanzung der Frau regulieren. Sie werden zum Großteil in den Eierstöcken gebildet. Demnach spielen Hormone insbesondere in der Frauenheilkunde eine sehr große Rolle, ob bei Empfängnisverhütung, Kinderwunschbehandlung oder bei Wechseljahresbeschwerden.

Schweißausbrüche, Schwindelgefühle, Gereiztheit - während ihrer Wechseljahre leiden viele Frauen an körperlichen und auch seelischen Symptomen. Grund hierfür ist ein zunehmender Östrogenmangel. Fein abgestimmte Hormonersatztherapien könnten Linderung verschaffen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Themendienst | Christin Klose)
Schweißausbrüche, Schwindelgefühle, Gereiztheit – während ihrer Wechseljahre leiden viele Frauen an körperlichen und auch seelischen Symptomen. Grund hierfür ist ein zunehmender Östrogenmangel. Fein abgestimmte Hormonersatztherapien könnten Linderung verschaffen. dpa Themendienst | Christin Klose

Wenn die Wechseljahre einsetzen, nimmt die Hormonproduktion in den Eierstöcken allmählich ab. Viele Frauen berichten dann von Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Abgeschlagenheit. Das sind typische Symptome, die mit der hormonellen Umstellung zusammenhängen, so Katrin Schaudig, Gynäkologin und Präsidentin der Deutsche Menopause Gesellschaft. Allerdings gibt es auch Wechseljahresbeschwerden mit Krankheitswert. Etwa ein Drittel aller Betroffenen klagt über depressive Verstimmungen, Gedächtnisstörungen, starke Scheidentrockenheit oder Inkontinenz.

Östrogene einnehmen: Linderung und Schutz durch Hormonersatztherapien

Das muss aber nicht sein. Katrin Schaudig verweist auf Hormonersatztherapien. Durch eine gezielte Einnahme von Östrogenen könnten sowohl körperliche als auch seelische Beschwerden gelindert werden. Darüber hinaus werden Östrogene auch nach der Menopause an sehr vielen Stellen im Körper gebraucht. Demnach dürfe ein starker Östrogenmangel nicht unterschätzt werden. So betont es auch Christian Albring, Präsident des Bundesverbands der Frauenärztinnen und Frauenärzte:

"Wir wissen, dass Frauen, die in die Wechseljahre kommen, Osteoporose-gefährdet sind, viel häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Arteriosklerose bekommen, wenn sie keine Hormone nehmen. Der Aufbau der Knochen durch die Osteoblasten, der funktioniert nur, wenn Hormone da sind. Dieses Beispiel kann man fortführen für die Hautzellen, Schleimhautzellen, Knorpelzellen usw., die alle hormonabhängig sind."

Hormone? Nehme ich nicht! – Woher kommt die Hormon-Skepsis?

Obwohl das alles inzwischen bekannt ist, begegnen viele einer Hormoneinnahme mit Vorsicht, sehen darin einen unnötigen Eingriff oder wittern gar eine Verkaufsmasche der Pharmaindustrie. Selbst Ärztinnen und Ärzte sind teilweise skeptisch. Wieso hält sich der schlechte Ruf der Hormonersatztherapie so hartnäckig?

Das liegt an der "Women´s Health Initiative Studie" (WHI-Studie) aus dem Jahr 2001, in der die Wirkung von Hormontherapien langzeitlich untersucht wurde. Sie schien ein erhebliches Risiko für schwere Nebenwirkungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombosen und Brustkrebs zu belegen.

Heute wissen wir, dass das so nicht stimmt. In einer Publikation des "New England Journal of Medicine“ wiesen zwei Autoren der WHI-Studie im Jahr 2016 auf eine jahrelange, fehlerhafte Interpretation ihrer Studiendaten hin. Inzwischen sind die Ergebnisse neu bewertet worden. Für die Altersgruppe der Frauen, die mit einer Hormonersatztherapie gegen klimakterische Beschwerden behandelt werden, sind die Risiken lange nicht so hoch wie angenommen und beziehen sich nur auf Personen mit Vorerkrankungen.

Hormontherapie heute: gut verträgliche Dosen, "bioidentische" Präparate

Also sind Hormone zu Unrecht in Verruf geraten, bedauert Christian Albring. Außerdem sei die Hormonersatztherapie heute gar nicht mehr zu vergleichen mit den Anfängen in den 1960er-Jahren. Inzwischen verabreicht man nur noch geringe Dosen hochmoderner Hormonpräparate. Deren Molekülstruktur erkennt der Organismus als körpereigen an, somit kann er sie optimal verwerten. Zudem gilt als oberste Priorität: Die Einnahme soll jeder Frau zu jedem Zeitpunkt guttun.

Doch nicht nur Frauen profitieren von Hormonersatztherapien. Manche Kinder leiden aufgrund krankhafter Veränderungen der Schilddrüse an Wachstumsstörungen, die sich durch die Verabreichung entsprechender Hormone vorzeitig behandeln lässt. Zudem weisen erste Studien darauf hin, dass Hormontherapien auch für Adipositas-Kranke eine Rolle spielen könnte, da die Botenstoffe auch der Fettverbrennung zugrunde liegen. Allerdings steht die Forschung diesbezüglich noch in den Anfängen.

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