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Mit High-Tech aufs Siegertreppchen Spitzenleistungen durch optimierte Sportartikel

Die ständige Weiterentwicklung ihrer Ausrüstung wird für Athleten an der Weltspitze immer wichtiger. Denn deren sportliche Fähigkeiten unterscheiden sich in vielen Disziplinen kaum noch. Und so kann bei Sportarten, in denen Geräte oder eine spezielle Bekleidung eine wesentliche Rolle spielen, die Ausstattung den Unterschied zwischen einem undankbaren vierten Platz und dem Treppchen ausmachen.

Karbon machte zuerst im Flugzeugbau Karriere. Inzwischen hat dieses High-Tech-Material auch die meisten Sportgeräte revolutioniert. Im Fahrradbereich sind faserverstärkte Kunststoffe neben dem Werkstoff Aluminium das hauptsächlich eingesetzte Material. Im Wintersport sind sie in jedem Ski enthalten, als Bestandteil einer Materialmischung in Kombination mit natürlichen Materialien wie beispielsweise Holzkerne.

Flügel an den Füßen

Bau eines Sportbobs

Bau eines Sportbobs

Neben dem Material sind die ausgefeilten Formen der Sportgeräte wesentlich für den Erfolg. Grenzen setzen dabei Rahmenrichtlinien, die internationale Sportverbände für alle Sportarten erlassen haben. Nur so sind die Leistungen der Sportler überhaupt vergleichbar. Doch meist bieten die Regeln noch viel Spielraum. Deshalb gelingen Ingenieuren mitunter fundamentale Verbesserungen eines Gerätes, durch die Leistungen von Spitzensportlern sprunghaft ansteigen.

Es gibt in einigen Sportarten Vorschriften für Ausrüstungen, die das Verletzungsrisiko senken sollen. Ein Beispiel: Skianzüge mit sehr glatter Oberfläche bieten weniger Luftwiderstand und könnten Athleten deshalb helfen, schneller zu fahren. Doch nach einem Sturz würde der Skifahrer wegen der Gleitfähigkeit des Anzuges die Piste in hohem Tempo weiter hinunter rutschen. Weil das gefährlich wäre, dürfen die Skianzüge keine glatte Oberfläche haben.

Sportlicher Forschungsehrgeiz

Deutscher Bob in Sotschi

Deutscher Bob in Sotschi

Und so wie in diesem Beispiel erschweren es manche Vorschriften, die Geschwindigkeit durch Ausrüstungsmerkmale immer wieder zu erhöhen. Schon diese Begrenzung des Tempos kann die Sicherheit etwas vergrößern: Denn bei schnellerer Fahrt sind unter Umständen Sturz- und Verletzungsgefahr größer. Doch jede Beschränkung durch das Reglement weckt den Ehrgeiz der Hersteller, neue technische Finessen zu ersinnen, um die Sportler weiter zu puschen.

So hat das FES den deutschen Bobfahrern ein neues Gefährt konstruiert, das gleich in mehreren Aspekten deutlich besser sein soll als seine Vorgänger. Zu Beginn der Wintersaison stellte der Bundestrainer der Bobfahrer, Christoph Langen, den Bob auf einer gut besuchten Pressekonferenz vor. Er ist von ihm begeistert.

Je besser, umso schlechter

Seine erste Bewährungsprobe hatte der neue - auf den unpoetischen Namen "208" getaufte – Schlitten bei dem ersten Weltcup der Saison Anfang Dezember im kanadischen Calgary. Dort starteten die drei besten deutschen Bobteams. Doch die Reportagen aus Calgary offenbarten ein kleines Debakel: Die deutschen Bobteams, seit Jahren bei internationalen Wettkämpfen immer Medaillengewinner, fuhren hinterher. Die Piloten Thomas Florschütz und Francesco Friedrich waren ratlos.

Mitarbeiter am FES konstruiert Fahrrad

Mitarbeiter am FES konstruiert Fahrrad

Umfassende Neuerungen können zunächst die sportlichen Ergebnisse verschlechtern. Das passiert auch in anderen Disziplinen. Denn je fundamentaler die Veränderung, desto stärker müssen die Athleten sich umstellen. Andererseits muss oft auch mehrmals am Gerät nachgebessert werden, bis Athlet und Ausrüstung perfekt harmonieren. Denn der neue Bob war bei allen Messungen im Windkanal eindeutig schneller als seine Vorgänger.

Das Supermaterial kennenlernen

Radrennfahrer-Dummies

Radrennfahrer-Dummies

Doch das bedeutet eben nicht zwangsläufig, dass die Piloten mit ihm schneller fahren. Denn die Verbesserung geht mit bestimmten Tücken einher: Der Bob hält weniger leicht die Ideallinie, muss also stärker gelenkt werden. Gleichzeitig neigt er aber zur Überreaktion. Das heißt, wenn der Pilot auch nur etwas zu stark lenkt, landet das Gefährt schnell an der Bande.

Die Schwierigkeiten setzten die erfolggewöhnten Bobfahrer so kurz vor den Olympischen Spielen massiv unter Druck. Thomas Florschütz wechselte nach den ersten Rennen sogar kurzfristig wieder auf seinen alten Schlitten. Allerdings auch ohne besseres Ergebnis.

In den heiligen Bobhallen

Bob- Präsentation

Bob-Präsentation

In Berlin, in den Fertigungshallen des Institutes für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten, kurz FES, entstand der neue Bob. Wegen der Schwierigkeiten bessern die Ingenieure immer noch nach. Auf großen metallenen Rolltischen stehen Einzelteile eines Bobs. Achsen, Rahmen sowie – getrennt voneinander - Vorder- und Hinterteil des Gehäuses aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Die lang gezogene, nach vorn hin immer flacher werdende Schnauze des Vorderteils lässt bereits erahnen, wie rasant diese Gefährte die Eisbahnen hinuntersausen: Die Spitzenzeiten liegen bei 135 Stundenkilometern. Doch was haben die Ingenieure ganz konkret im neuen Bob verändert? Doch es ist wirklich schwierig für sie, diesen Vorgang zu beschreiben, ohne dabei entscheidende Geheimnisse an die Konkurrenz zu verraten.

Die Geheimniskrämerei in der Bobszene ist legendär. So werden die Schlitten bei Wettkämpfen oft unmittelbar vor und nach jedem Lauf mit Tüchern verhängt, damit niemand auch nur den geringsten Einblick erhält. Angeblich sollen auch Piloten immer mal heimlich versuchen, auszuspionieren, was an den Bobs der Konkurrenten neu – und vielleicht besser - ist.

Nachteile trotz Einheitsstahl

Als Rohmaterial für die Kufen liefert der internationale Bobverband seit einigen Jahren sämtlichen Herstellern einen Einheitsstahl. Nur daraus dürfen die Kufen bestehen. Einige Jahre lang fertigte das FES die Kufen für die deutschen Bobs noch aus einem ganz speziellen Stahl. Er schien die Schlitten schneller zu machen. Doch dann kam es zur Änderung der Reglements für den Kufenstahl.

Bobkufen

Bobkufen

Die internationalen Regeln sollen nicht nur helfen, Chancengleichheit zwischen einzelnen Sportlern zu gewähren sondern auch, ärmere Länder nicht zu benachteiligen. Sie können die Erforschung neuer Materialien und immer weitere Optimierung von High-Tech-Ausrüstungen nicht finanzieren. Doch entgegen den Absichten der internationalen Sportverbände führen die Vorschriften kaum zu größerer Gerechtigkeit. Sie verlagern nur die Akzente der Materialschlacht, sagt Stephan Odenwald von der Universität Chemnitz. Denn Nationen, die Geld in den Sport investieren können, werden immer in der Lage sein, sich über eine bessere Technik Vorteile zu verschaffen.

Endlich schneller

Einen Monat nach dem Saisonauftakt in Calgary treffen sich die Bobfahrer im hessischen Winterberg zum vierten Weltcup des Winters. Inzwischen haben die Ingenieure des FES nachgebessert. Und die Bobteams hatten fast zwei Monate Zeit, sich auf die Eigenheiten des neuen Schlittens einzustellen. Die Piloten sind nun erleichtert über die Ergebnisse.

 Langläuferin Denise Herrmann

Langläuferin Denise Herrmann in Sotschi

Spitzen-Wintersportler hatten in den vergangenen Monaten nur ein Ziel: Bei den Olympischen Spielen in Sotschi in Topform anzutreten. Viele haben sich unter anderem durch Weltcups vorbereitet, die in den verschiedenen Disziplinen stattfanden, zusätzlich haben sie das Training intensiviert. Auch der Wettkampf um die beste Ausrüstung geht weiter.

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